Werde ONE WORLD SCHOOL!

Junge Leute möchten etwas bewegen. Das OEW-Projekt „One World School“ setzt dort an und gibt Ober- und Berufsschüler*innen die Chance, ihren Aktionismus für eine gerechtere Welt im Klassenzimmer umzusetzen.

Eine Schule für ein lebenswertes Morgen

Die One World School ist eine Bildungsinitiative, die die OEW 2018 erstmals an Südtirols Schulen initiiert hat. Im Rahmen des ganzjährigen Projekts begleiten Referent*innen der OEW freiwillige Schüler*innen-AGs bei der kreativen Umsetzung ihrer Ideen zu Themen der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit. Die Schüler*innen gestalten mittels selbsterarbeiteter Projekte ihr eigenes Lernumfeld mit, erkennen globale Zusammenhänge und verstehen, dass sie heute als Jugendliche genauso wie morgen als Erwachsene als Teil der Zivilgesellschaft diese Welt verändern können. Die One-World-School fördert junge Menschen, die unsere Gesellschaft aktiv und nachhaltig mitgestalten wollen, die Tabuthemen ansprechen und gängige Gesellschaftsstrukturen kritisch hinterfragen.

Die Umsetzung der Ideen kann beispielsweise in Form einer Kleidertauschbörse auf dem Schulgelände, einer Fundraising-Aktionen für Projekte im Globalen Süden, eines Sensibilisierungsvideos zum Thema Rassismus und Sexismus oder auch einfach in Form eines fairen und nachhaltigen Pausenverkaufs geschehen.

Zielgruppe: Mittel-, Berufs- und Oberschulen
Dauer und Kosten: nach Absprache
Anmeldungen: bildung@oew.org

Rückblick auf das Schuljahr 2020/21

Mit dem Schulschluss geht für die Schüler*innen des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums „Josef Gasser“ in Brixen nicht nur ein ungewöhnliches Bildungsjahr zu Ende, sondern auch das dritte Jahr der „One World School“. Das Projekt, eine Bildungsinitiative der OEW-Organisation für Eine solidarische Welt, ist damit aber noch nicht gänzlich abgeschlossen: Da ein Großteil des Programms aufgrund der Covid-Einschränkungen im vergangenen Schuljahr abgesagt werden musste, schrieb die Brixner NGO im Frühjahr einen Ideen-Wettbewerb unter den interessierten Schüler*innen und Klassen aus. 12 der 24 eingereichten Ideen für ein faires, inklusives und nachhaltiges Schulumfeld wurden so mit einem Preisgeld von insgesamt 2.000 Euro prämiert, das die OEW von der Stiftung Sparkasse im Rahmen der Ausschreibung „Perspektiven nach Covid-19“ erhalten hatte.

Matthäus Kircher, Geschäftsführer der OEW, erklärt: „Bei der One World School geben wir den Schüler*innen keine Ideen vor, sondern ermutigen sie darin, selbst richtungsweisende Maßnahmen für eine gerechtere Welt zu entwickeln und umzusetzen.“ Indem sie in ihrem Schulumfeld aktiv werden, Tabuthemen ansprechen und Gesellschaftsstrukturen kritisch hinterfragen, soll ihnen bewusstwerden, dass auch sie als Teil der Zivilgesellschaft lokale und globale Situationen langfristig verändern können. Dass das Konzept funktioniert zeigen die vielfältigen Projekte, die der Ideenwettbewerb hervorgebracht hat: Während eine Schüler*innengruppe im Sozialwissenschaftlichen Gymnasium einen nachhaltigen Backtag mit Kindern mit Beeinträchtigung initiiert, plant eine andere Gruppe einen Secondhandmarkt, um Spenden für die Mukoviszidose-Vereinigung in Südtirol zu sammeln. Eine Arbeitsgruppe organisiert eine Müllsammelaktion im Brixner Stadtgebiet und den Verkauf von Upcycling-Kunstwerken für ein Waisenhaus in Kenia. Andere Schüler*innen planen einen multikulturellen Informationstag, eine nächste Gruppe möchte einen Film über den Fairen Handel drehen. Eine Klasse möchte für obdachlose Männer in Brixen Toilettenpakete zusammenstellen, eine andere veranstaltet eine Malaktion gegen häusliche Gewalt zur Unterstützung der Frauenhäuser. Eine Gruppe erörtert derzeit, wo es die beste verpackungsfreie Jause zu finden gibt und eine weitere Schüler*innengruppe erstellt ein Instagram-Profil, auf dem sie ihren Schulkamerad*innen Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil liefern möchte.

Maria Theresia Unterkircher, Lehrperson am Gymnasium, betont: „Es begeistert mich zu sehen, wie sich die Jugendlichen im Rahmen der One World School für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzen. Ihr Engagement für gute Werte, ihr Wille zur Veränderung und ihre Kreativität sind eine tolle Sache.“ Damit dieses Engagement am Schulende nicht verloren geht, hat sie mit den Schüler*innen bereits einen Umsetzungsplan für die 12 Gewinnerideen ausgearbeitet. Klassenübergreifend sollen die Schüler*innen so auch in den Sommerferien am einen oder anderen Projekt feilen. Zur Seite stehen Ihnen mit Rat und Tat die Mitarbeiter*innen der OEW. „Es ist von zentraler Bedeutung, dass junge Menschen unsere Gesellschaft verstärkt mitgestalten. Dazu möchten wir sie empowern“, so Kircher.

 

Rückblick Schuljahr 2019/20

Im September 2019 kam es im Sozialwissenschaftliches Gymnasium Brixen und in der Landesberufsschule Luis Zuegg Meran, zum Kick-off des fächerübergreifenden Projekts.

v.l. hinten: Alexander Oberhofer, Verena Gschnell (OEW), Amelie Schuster, Sarah Haller, Elisa Portner, Adrian Luncke (OEW) v.l. vorne: Maximilian Fornari, Hannah Wieser, Hannah Vieider, Monika Thaler (OEW)

Dass das Projekt bei den Schüler*innen auf Interesse stößt, zeigte bereits die Testphase im Schuljahr 2018/19. Dort engagierten sich im Sozialwissenschaftlichen Gymnasium Brixen über 100 Schüler*innen in Arbeitsgruppen  und brachten ihre eigenen Ideen ein. Daraus entstand beispielsweise eine Kleidertauschbörse, eine Aktion für die Becherreduktion am Getränkeautomaten, ein selbst gedrehtes Anti-Rassismus-Video und Upcycling-Schmuck, der gegen Spende für ein Projekt in Bolivien „verkauft“ wurde. Diese und noch mehr Ideen wollen die Schüler*innen im Sozialwissenschaftlichen auch 2019/20 weiterführen. In Meran startet die Landesberufsschule Luis Zuegg hingegen in ein erstes, spannendes Projektjahr.

Zum Auftakt des besonderen Schuljahrs hat die OEW am 12. und am 18. September in den beiden Schulen, sei es in Brixen wie in Meran, einen fächerübergreifenden Workshop-Tag organisiert, in der sich alle Schüler*innen ab der 2. Klasse zu unterschiedlichen Themen informieren konnten. Globale Zusammenhänge, Konsumverhalten, Vorurteile, Ausländerfeindlichkeit und unfaire Arbeitsbedingungen im Globalen Süden werden kritisch diskutiert und liefern spannende Inputs für ganzjährige Projekte.Sie sollen den Arbeitsgruppen im laufenden Schuljahr als Inspirationsquelle dienen.

Folgende Workshops wurden den Schulen zum Kick-off angeboten:

1. Meine Bilder, meine Welt (Wie prägen Landkarten und Fotos mein Bild von der Welt, Stereotype und Vorurteile gegenüber Menschen?
2. Die Macht der Konsument*innen (Vom Rohstoff bis in den Einzelhandel: Können wir als Konsument*innen beeinflussen, ob die Produkte, die wir kaufen fair und biologisch gehandelt sind?)
3. Projekte im Globalen Süden: Rückkehrer*innen berichten (Können wir durch die Unterstützung von Sozial- und Bildungsprojekten die Welt ein bisschen Gerechter machen?)
4. Die Schattenseiten der Textilindustrie und Handlungsalternativen (Woher stammen die Produkte, die wir kaufen und welche Alternativen zum konventionellen Markt gibt es? Wovon könnte Südtirol heute leben außer von Äpfeln, Wein und Milchprodukten?)
5. Ausländer*innen-Feindlichkeit: Schwarz-weiß ist farbenblind (Welche unbewussten Vorurteilen trage ich in mir und wie beeinflussen sie den Umgang mit meinen Mitmenschen? Wie kann ich gegen Rassismus und Diskriminierung vorgehen?)