MahlZeit und der Südtiroler Ernährungsrat

„MahlZeit. Coltiviamo la vita. Deboriada“: das ist der Leitsatz eines landesübergreifenden Projekts zum Thema Ernährungssicherheit und -souveränität. Er leitet sich von drei Begriffen ab: „MahlZeit!“ ist ein uraltes deutsches Wort, in dem wir unseren Tischnachbarn vielerlei Gutes und Gesegnetes wünschen. „Deboriada“ ist das ladinische Wort für Gemeinschaft und „coltiviamo la vita“, die Einladung, gemeinsam etwas für unsere Gesundheit und eine nachhaltige Lebensweise zu tun.

Auf der Webseite www.mahlzeit.it findet ihr alle Infos zur MalhZeit-Kampagne und zum Südtiroler Ernährungsrat. Die zwei zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich mit den Themen rund um die Ernährungssouveränität auseinandersetzen, möchten zu einem zukunftfähigem Südtiroler Ernährungssystem beitragen. Das übergeordnete Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Ernährungsfragen auf regionaler Ebene angegangen werden können.

Auf der Agenda des Südtiroler Ernährungsrates stehen für das Jahr 2019 besonders die beiden Themen Gemeinschaftsverpflegung und Gesundheit, Genuss und Esskultur. Zu beiden Themen wurden bereits Ende 2018 Arbeitsgruppen gebildet, die für das neue Jahr Aktivitäten planen. Weitere zukünftige Themen des Ernährungsrates sind Regionale Kreisläufe, Globaler Markt und Biodiversität, sowie der Fokus auf die Verbindung zwischen Produktion und Konsum und die Promotion der Nutz- und Gemeinschaftsgärten (Schulgärten) und des Urban Gardening, sowie des Konzepts „Essbare Stadt“.

 

MahlZeit

Mehrere Jahre war die oew Trägerin der Mahlzeit-Initiative. Seit 2015 unterstützt sie ihre Forderungen. Ernährungssouveränität und -sicherheit ist ein Grundrecht aller Menschen auf gesunde und kulturell entsprechende Nahrung, auf eine Landwirtschaft und einen Verbrauch, die zukunftsfähig und nachhaltig sind. Für viele Menschen in unserem Lande sind diese Themen nicht allgegenwärtig und tägliche Besorgnis. Für Nahrungsmittel geben wir mittlerweile im Durchschnitt nur mehr um die 15 Prozent unseres Einkommens aus, wofür wir noch vor der Jahrhundertwende etwas bei 70 Prozent ausgegeben haben. Essen ist vielfach so billig, dass es oft gedankenlos im Müll landet. Aber wie lange noch? Die vermeintliche Sicherheit ist trügerisch: auf globaler und lokaler Ebene gibt es Entwicklungen, die Anlass zur Besorgnis geben:

•Die verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche nimmt weltweit ab.

•Die Weltbevölkerung wächst weiterhin stark an. Gleichzeitig nimmt die Verstädterung zu, was auch bedeutet, dass sich weniger Menschen selber versorgen können.

•In der Trinkwasserversorgung gibt es bereits jetzt große Probleme (mehr als 1,2 Mrd. Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, mehr als ¼ aller Menschen leidet unter Wassermangel bis hin zu extremer Wasserarmut).

•Das Klima verändert sich und stellt die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen (z. B. weniger jährliche/saisonale Niederschläge, Dürreperioden, Stürme, Überschwemmungen) Die Biodiversität nimmt rapide ab und gleichzeitig konzentriert sich die Kontrolle des Saatgutes auf wenige multinationale Gesellschaften.

Dies sind nur einige der wichtigsten Szenarien, die sich auf die Ernährungssicherheit auswirken.

Es gibt viele Fragen und Schwerpunkte, die im Rahmen des Projektes aufgearbeitet werden. So können wir uns beispielsweise fragen, was in unserer Macht steht, um auch unseren Nachkommen qualitativ gute Nahrung sichern zu können. Ebenso verlangen die Fragen zur Förderung der regionalen Kreisläufe, zur Stärkung solidarischer Projekte mit „g-lokalen“ Produzenten, sowie zum Schutz von Wasser, Klima und Böden unsere Aufmerksamkeit. Wie erreichen wir jeden Einzelnen achtsam mit dem wertvollem Gut „Nahrung“ umzugehen und die Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen?

In den letzten Jahren ist vieles zum Thema Ernährungssouveränität geschehen: Das mutige Engagement vieler Bäuerinnen und Bauern zur Stärkung der Vielfalt, die Bildungsprojekte in Haus- und Landwirtschaftsschulen, die Sensibilisierung durch zahlreiche Kurse und Projekte für verschiedene Altersgruppen, von den Kleinsten im Kindergarten bis hin zu den Senior*innen, die engagierte Tätigkeit der Gartenfreunde und der Vereine zur Bewahrung alter Saatgutsorten und vieles andere mehr an „Made in South Tyrol“, das zum Teil nur innerhalb der Landesgrenzen bekannt ist, sind einige Beispiele. Doch nicht nur lokale Kreisläufe erhielten in den letzen Jahren unsere Aufmerksamkeit, sondern durch vielerlei Bestrebungen etablierte sich auch der faire Handel und damit zusammenhängende globale Netzwerke.

„Mahlzeit. Coltiviamo la vita. Deboriada“ möchte all diese, und viele weitere Initiativen sammeln, sichtbar und zugänglich machen und bestärken. Eine Welle soll die Menschen in diesem Jahr erreichen und „Ernährungssouveränität und –sicherheit“ zum Alltagsthema machen.

Jede*r ist eingeladen: Haushalte, Vereine, Schulen, Bauern/Bäuerinnen und weitere Produzent*innen, Konsument*innen, Gemeinden und andere öffentliche Einrichtungen. Das Essen betrifft jeden von uns, ist Teil unseres „guten Lebens“, zugleich aber auch Politik. So stellt sich eine weitere Frage: Wie kann jede*r einzelne durch sein Verhalten und seine täglichen Entscheidungen die große Politik beeinflussen? Und was erreichen wir, wenn wir alle gemeinsam bewusst handeln und einen nachhaltigeren Weg einschlagen?

Lesen Sie das MahlZeit-Manifest!