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Meine Wenigkeit... weil jede*r Einzelne viel bewegen kann!

Sie verzichten auf Plastik, verarbeiten die Wolle ihrer eigenen Schafe, helfen anderen beim Reparieren kaputter Gegenstände oder leiten einen Waldkindergarten: Es gibt viele außergewöhnliche, beispielgebende, anders lebende Menschen in Südtirol, die ein Umdenken und nachhaltige Veränderungen bewirken können. Ihnen ist eine Artikelserie der oew in Kooperation mit der Südtiroler Tageszeitung gewidmet, die mit Februar 2017 gestartet ist. In jeder Wochenendausgabe stellen wir Menschen vor, die etwas Neues gewagt haben, etwas Besonderes machen und auf ihre Art einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Nachdem die besonderen Porträts von Maria Lobis in der Rubrik „Sonntagsbesuch“ der Tageszeitung erschienen sind, können sie hier nachgelesen werden.

 

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Auf die Couch und die Welt daheim

Das Fernweh plagte ihn. Als 18-Jähriger ging Daniele Zimbone von Mineo in Sizilien nach Mailand, studierte Jura, lebte zehn Jahre in der Lombardei, wechselte sechs Monate nach Hamburg und arbeitete dann ein Jahr lang in Spanien. Noch in Mailand lernte der Jurist die Philosophie des Couchsurfings kennen – und in Madrid Augustina aus Zypern: Sie war vor sechs Jahren sein erster Gast, dem er Schlafplatz, Zeit und Stadtwissen zur Verfügung stellte.

2015 ist der 34-Jährige nach Bozen gezogen. Davor arbeitete er zwei Jahre in Stuttgart. In Südtirol hat er einen Ausgleich gefunden zwischen dem Heimweh nach Italien und der Liebe zur deutschen Sprache. Er lebt in Gries in einer Wohngemeinschaft mit drei jungen Frauen. Seit jeher interessieren Daniele Zimbone andere Menschen, Denkweisen und Sprachen. „Ich bin nicht viel gereist“, sagt der Mitarbeiter der Agentur der Einnahmen. Einmal flog er in die USA, mehrmals besuchte er europäische Länder. Daher lädt er die Welt zu sich nach Hause ein. Menschen aus Brasilien, Trinidad & Tobago, den Vereinigten Staaten, aus Australien, Kolumbien, aus der Türkei, aus Russland, Südkorea, Zypern, Kuba, Indien, Argentinien, Griechenland und Deutschland hatte er zu Gast. Unter www.couchsurfing.com können sich die Mitglieder der Community nicht nur um eine kostenlose Übernachtung auf der Couch anderer bewerben; die Webseite bietet auch Möglichkeiten, Tipps für den Besuch besonderer Stadteile zu bekommen, sich zum Aperitif zu verabreden oder zum Sprachaustausch zu treffen. Daniele Zimbone spricht neben Italienisch und Deutsch fließend Englisch und Spanisch und lernt derzeit Portugiesisch.

Mit Augustina aus Zypern, die ihn in Madrid mit gegrilltem Halloumi-Käse und süßen Teigtaschen bekochte, ist er bis heute in Kontakt. Er gab ihr damals sein Bett und legte sich auf die Couch. Gemeinsam besuchten sie Museen und Kirchen, lachten und aßen miteinander und befreundeten sich auf Facebook. Dutzendfach hätten sich die positiven Erfahrungen wiederholt, erzählt der junge Mann. Das bestätigen die Rückmeldungen auf seinem Couchsurfing-Profil: Er sei ein Gentleman, vertrauenswürdig und zuverlässig, heißt es da. Übernachtungsanfragen können die Mitglieder direkt an die mit Foto und Text vorgestellten Personen stellen oder eine offene Anzeige in die Runde schicken.

Feedbacks sind wichtig für Couchgeber und Couchnehmer: je mehr positive Nachrichten, umso höher die Listung. Die Regeln sind rigide: Bei drei negativen Rückmeldungen fliegt man von der Webseite. Weltweit verzeichnet Couchsurfing mehr als vierzehn Millionen Mitglieder, aus Südtirol kommen 1.274. Es gibt kein Verrechnen zwischen genutzter und gestellter Couch. Daniele Zimbone zum Beispiel hat auf seinen Reisen noch nie eine fremde Couch in Anspruch genommen. Wenn er reist, will er jede Minute der fremden Stadt auskosten, am liebsten alleine. Seine Couch aber hat er schon mehr als 40 Gästen angeboten. Couchsurfing, sagt er, mache geldlos glücklich und Leute zu besseren Menschen.

Maria Lobis

 

 

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