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Meine Wenigkeit... weil jede*r Einzelne viel bewegen kann!

Sie verzichten auf Plastik, verarbeiten die Wolle ihrer eigenen Schafe, helfen anderen beim Reparieren kaputter Gegenstände oder leiten einen Waldkindergarten: Es gibt viele außergewöhnliche, beispielgebende, anders lebende Menschen in Südtirol, die ein Umdenken und nachhaltige Veränderungen bewirken können. Ihnen ist eine Artikelserie der oew in Kooperation mit der Südtiroler Tageszeitung gewidmet, die mit Februar 2017 gestartet ist. In jeder Wochenendausgabe stellen wir Menschen vor, die etwas Neues gewagt haben, etwas Besonderes machen und auf ihre Art einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Nachdem die besonderen Porträts von Maria Lobis in der Rubrik „Sonntagsbesuch“ der Tageszeitung erschienen sind, können sie hier nachgelesen werden.

 

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Ein Tischler, ein Arzt und 40 Schafe

Die Trauer war groß, als vor sieben Jahren der Steinmessner-Bauer in Pflersch bei der Waldarbeit ums Leben kam. Sein Sohn Reinhold Eisendle kündigte die Arbeit, gab die Rinder her, kaufte ostfriesische Milchschafe. Mehr als 40 Mutterschafe blöken heute im Stall, liefern Milch, Fleisch und Wolle. Die schiefen Blicke der Leute im Tal ließen den damals 33-Jährigen genauso kalt wie Bemerkungen zu seinem Lebensgefährten Michael Scharrer: Dieser gab seine Stelle als Oberarzt in Osttirol auf und zog zu Reinhold auf den Hof.

Während andere sich fragen, wo es was zu kaufen gibt, versuchen sich die beiden Männer im Selbermachen, im Drechseln, Gemüseanbau, Flechten. Reinholds Mutter Annemarie Eisendle kocht mit ihnen Marmeladen ein, setzt Sirup und Säfte an, bereitet Fleisch zum Einfrieren vor, hilft beim Pflanzen und Jäten in Garten und Gewächshäusern, beim Misten und Melken im Stall und beim Käsen. Nur das Spinnen mag die Steinmessner-Bäuerin nicht: Zu oft hat sie in ihrer Kindheit aus tierischen Fasern Wolle herstellen müssen. Im Winter setzen sich die beiden Männer mit den Spinnrädern zu ihr in die Stube und verarbeiten die Schafwolle.

Mit den Schiffchen und Fäden an den fünf Webstühlen im Dachboden hingegen hantiert vor allem Michael. 2011 hat er den ersten Webstuhl gekauft und anfangs nur feine Lammwolle verwebt. Bald hat er sich auch mit dem Teppichweben beschäftigt, die härtere Mutterschafwolle eignet sich dafür besonders gut. Auf einem weiteren Webstuhl verarbeitet er feines Garn aus Naturleinen zu Geschirrtüchern, Ponchos, Schals oder Decken, strickt aus der Schafwolle Socken und Janker. Anfangs ging es um den Eigenbedarf, seit zwei Jahren bieten die beiden Männer die Schafwoll- und Leinenprodukte auch auf dem Weihnachtsmarkt in Gossensass an.

Auf dem Sterzinger Bauernmarkt hingegen verkaufen sie von Anfang Mai bis Ende Oktober jeden Freitag Joghurt, Frisch- und Reifekäse. Das Käsen ist vor allem die Sache von Reinhold. 80 Liter Schafmilch verarbeitet der gelernte Tischler täglich. Der hervorragende Geschmack von Milch und Fleisch kommt bei den Kunden an, seine Milchprodukte sind über den Brenner hinaus bekannt. Manchmal ist er mit Fragen zum Preis konfrontiert: Dann lädt Reinhold zum Käsen auf den Hof ein.

Zugekauft wird auf dem Steinmessner-Hof nur wenig und gegessen, was Garten, Keller und Kühltruhe hergeben. Im Winter stehen Kartoffeln und Sauerkraut häufig auf dem Speiseplan, Joghurt gibt es nur bis Anfang November: Ab Ende Oktober werden die trächtigen Schafe nicht mehr gemolken. Qualität heißt für die Hofbewohner, nicht zu jeder Zeit alles zu haben. Dass Michael, der nicht nur Radiologe, sondern auch Psychotherapeut ist, bis vor kurzem in München Therapie angeboten hat, ist nicht weiter wichtig. „Wir können vom Produzierten leben“, sagen die beiden.

 

 

Maria Lobis

 

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