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Meine Wenigkeit... weil jede*r Einzelne viel bewegen kann!

Sie verzichten auf Plastik, verarbeiten die Wolle ihrer eigenen Schafe, helfen anderen beim Reparieren kaputter Gegenstände oder leiten einen Waldkindergarten: Es gibt viele außergewöhnliche, beispielgebende, anders lebende Menschen in Südtirol, die ein Umdenken und nachhaltige Veränderungen bewirken können. Ihnen ist eine Artikelserie der oew in Kooperation mit der Südtiroler Tageszeitung gewidmet, die mit Februar 2017 gestartet ist. In jeder Wochenendausgabe stellen wir Menschen vor, die etwas Neues gewagt haben, etwas Besonderes machen und auf ihre Art einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Nachdem die besonderen Porträts von Maria Lobis in der Rubrik „Sonntagsbesuch“ der Tageszeitung erschienen sind, können sie hier nachgelesen werden.

 

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Von Bolivien, Bohnen und anderen Windeln

Wie der Vater so die Tochter: Josef Haller aus Ridnaun war in den Siebzigerjahren in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv und lebte drei Jahre in Papua Neuguinea. Nach der Matura wollte auch seine Tochter weg: Mit einer Freundin ging die aus Lana stammende Katharina Haller fünf Monate nach San Antonio de Lomerio ins bolivianische Tiefland. Die beiden jungen Frauen arbeiteten mit beeinträchtigten Kindern, in der Landwirtschaft und in der Schule. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen berührten sie, der viele Müll und die oft ungesunde Ernährung auch.

Als die heute 30-jährige Bildungswissenschaftlerin vor zwei Jahren ihr erstes Kind erwartete, war klar: Sie wollte keine 4.000 bis 6.000 Einwegwindeln kaufen. Zwei Müllautos wären notwendig, um alle auf einmal abzutransportieren. Katharina und ihr Mann Patrick Daldos legen Wert auf den ökologischen Fußabdruck ihres Sohnes. Sie wollten Arthur unbelastet ins Leben starten lassen, suchten nach Stoffwindeln biologischer Qualität und waschbaren Überhosen. Im Internet wurden sie fündig, zahlten für das Einsteigerpaket 300 Euro und legten für die zweite Größe dieselbe Summe dazu. Ungefähr 600 Euro geben auch andere Eltern für Einwegwindeln eines Kindes aus. Ab dem zweiten Kind würden sich Stoffwindeln finanziell lohnen. Aber Katharina und Patrick benutzen bei Arthur weder Feucht- noch Öltücher, Puder oder Cremes. Der Po ihres Sohnes war selten wund.

Die Windelwäsche macht der Familie nichts aus: „Vielleicht ist die Waschmaschine manchmal etwas voller“, sagt die 30jährige Mutter, mit einem Kleinkind werde sowieso öfters gewaschen. Als Waschzusatz legt das Paar ein Waschei in die Trommel. Das Ecoegg aus recyceltem Material wäscht Kleidung, Bettwäsche oder Stoffwindeln ohne herkömmliches Pulver oder Chemikalien. Es enthält Reinigungspellets aus natürlichen Mineralien; sie sind biologisch abbaubar und für empfindliche Haut geeignet. 27 Euro kostet das Waschei samt Nachfüllpackungen. Derzeit ist es nur im Onlinehandel erhältlich, 210 (?) Waschgänge sind damit machbar.

Katharina Haller ist eine Frau, die keinen Alleinanspruch auf ihr Kind erhebt und Patrick Daldos ein Vater, dem der Kontakt zu seinem Sohn von Anfang an wichtig war: Als einer der ersten hat der EDV’ler in seinem Betrieb um Elternzeit angesucht und die Arbeitszeit um mehr als die Hälfte reduziert. Inzwischen tun es ihm Kollegenväter nach. Katharina unterrichtete bereits fünf Monate nach der Geburt wieder an der Neumarkter Schule.

Im Sommer pflanzt die Familie im hauseigenen Garten Gemüse und Kräuter und lebt mindestens ein halbes Jahr davon. Kalbfleisch kauft sie am Stück von Patricks Eltern, die in Aldein einen Hof betreiben, andere Lebensmittel im Bioladen. Ein Familienauto reicht und eine Hängematte in der Wohnung auch: Dort steigen bei Katharina Erinnerungen an Bolivien auf. Und beim Schaukeln erzählt der Großvater seinem Enkel Geschichten aus Papua Neuguinea.

Maria Lobis

 

 

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