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Meine Wenigkeit... weil jede*r Einzelne viel bewegen kann!

Sie verzichten auf Plastik, verarbeiten die Wolle ihrer eigenen Schafe, helfen anderen beim Reparieren kaputter Gegenstände oder leiten einen Waldkindergarten: Es gibt viele außergewöhnliche, beispielgebende, anders lebende Menschen in Südtirol, die ein Umdenken und nachhaltige Veränderungen bewirken können. Ihnen ist eine Artikelserie der oew in Kooperation mit der Südtiroler Tageszeitung gewidmet, die mit Februar 2017 gestartet ist. In jeder Wochenendausgabe stellen wir Menschen vor, die etwas Neues gewagt haben, etwas Besonderes machen und auf ihre Art einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Nachdem die besonderen Porträts von Maria Lobis in der Rubrik „Sonntagsbesuch“ der Tageszeitung erschienen sind, können sie hier nachgelesen werden.

 

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Leben ohne Plastik

Plastik, überall traf sie auf Plastik: angeschwemmt am Strand, liegen gelassen am Berg. Als Mittzwanzigerin hörte Daniela Huber zu rauchen auf, begann bei Wanderungen Müll und Zigarettenkippen einzusammeln und entschied: Einkaufen ohne Kunststoff muss möglich sein. Die Brixnerin verbrachte viele Stunden im Supermarkt und war überrascht von der Omnipräsenz des Erdölproduktes. Auch im Reformhaus und bei Bioprodukten begegnete ihr hauptsächlich Plastik als Verpackungsmaterial.

Die heute 36-Jährige kaufte immer weniger in Geschäften ein und wenn, dann nur in Gläsern, Metall oder Papier verpackt. Ihre Achtsamkeit begann beim Essen, setzte sich in der Kleidung fort, begleitete sie bei Kosmetik und Mobilität und schlug sich auch im Geruchssinn nieder. Wenn Daniela Huber Seife siedet oder Shampoos und Gesichts-Cremes selber macht, verzichtet sie auf Duftstoffe. „Ich reagiere mittlerweile allergisch darauf“, sagt sie und empfindet starke Parfüms als Eingriff in ihre Privatsphäre.

Sie putzt mit Kernseife und Essigwasser, trocknet Kräuter für den Tee und Früchte für den langen Halt. Sie kocht Marmeladen ein, setzt Liköre und Sirupe an, näht Stofftaschentücher, kauft ihren Föhn auf dem Trödelmarkt und trägt gebrauchte oder „grüne“ Kleider.

Der Lippenbalsam, den Daniela Huber mit Bienenwachs, Oliven- und ätherischem Melissenöl anrührt, hat ihre häufig auftretenden Fieberblasen deutlich reduziert. Einer Freundin ging es ähnlich. Die Freude war so groß, dass sie es der ganzen Welt erzählen wollte. Gern teilt sie ihr Wissen mit interessierten Menschen. Sie färbt ihre Haare nicht mehr, hat sich eine Zahnbürste aus ökologischem Bambus gekauft, putzt die Zähne mit einer Paste aus Birkenzuckerpulver, liest viel über die Wirkstoffe von Kräutern, aber keine Zeitungen.

 

Daniela Huber will hoch hinauf. Seit zwei Jahren arbeitet die Facharbeiterin für Holz und Metall, die gelernte Einrichtungsberaterin und ausgebildete Pflegehelferin auf der Alm: in den beiden vergangenen Sommern als Sennerin teilweise ohne elektrischen Strom, in der Wintersaison auf Jochgrimm. Das Käsen macht ihr Freude, das Naturfärben von Stoffen möchte sie noch lernen und besucht deshalb die Winterschule in Ulten. Die Frau, die ihre ersten Lebensjahre in Sterzing verbracht hat, genießt die Einfachheit. Die Arbeit mit den Händen erfüllt sie. Inmitten der Natur leben zu dürfen, beschreibt sie als Luxus. Sie benötigt nicht viel: „Am liebsten hätte ich alle Dinge, die ich zum Leben brauche, in einem Koffer Platz.“

 

Maria Lobis

 

Hier hat Daniela Huber Alternativen aufgezeigt:

  • zu Fleisch, Käse, Aufschnitt, die in Plastik eingeschweißt zum Kauf angeboten werden:
    Daniela Huber: Einkaufen, wo es noch offene Käse- und Fleischtheken gibt, nach Papiertüten als Einpackmaterial verlangen bzw. den eigenen Behälter mitnehmen (ist leider nicht immer erlaubt).
  • zu Bioplastiktüten für Obst und/oder Brot
    Daniela Huber: Eigene Stofftasche mitnehmen, einen Korb und oder Papiertüten.
  • zu Joghurt in Plastikbechern
    Daniela Huber: Joghurt in Glasbehältern im Reformhaus kaufen oder auf einfachem Weg selber herstellen.
  • zu Milch in Tetrapak
    Daniela Huber: Milch in Glasflaschen kaufen oder mit dem eigenen Behälter beim Bauern in der Nähe holen.
  • zu Gewürzen, Öl und Sirup in Plastikbehältern
    Daniela Huber: in Glasflaschen kaufen, Gewürze selber anbauen und trocknen: ist auch auf dem Balkon möglich.
  • zu Mobiltelefonen
    Daniela Huber: Ein gebrauchtes Handy aus dem Umfeld verwenden, Internet nicht ständig eingeschaltet lassen.
  • zu Jacken aus Fleece und anderen Kunststoffen
    Daniela Huber: Zurück zu Naturmaterialien, vor allem zu Wolle. Bewusst grüne Mode kaufen und Produkte von „Grüne Erde“, „hessnatur“, „ArmedAngels“ bevorzugen.
  • zu Duschvorhängen oder Plastikschüsseln
    Daniela Huber: Wenn möglich eine Glaswand kaufen, Schüsseln aus Inox, Glas und Porzellan verwenden.
  • zu Kabeln und Elektrogeräten
    Daniela Huber: Sich auf dem Flohmarkt umschauen, Ware zweiter Hand bevorzugen, wenn möglich Geräte ohne Batterien kaufen (zum Beispiel eine Küchenwaage mit Gewichten).
  • zu Zahnpaste oder Gesichtspeeling

Daniela Huber: Bei Zahnpasta ist es schwierig: Entweder macht man sie selbst oder kauft im Reformhaus Zahnpasta in Metalltube mit Plastikverschluss (leider). Bei Gesichtspeeling ist es leichter: Heilerde oder Quark benutzen.

 

Prinzipiell hilft:

  • benutzen, was man besitzt,
  • Altes aufbrauchen und keinen neuen Kunststoff kaufen,
  • Lebensmittel wenn möglich regional und lokal einkaufen,
  • Bauernmärkte und Hofläden besuchen,
  • in solidarischen Einkaufsgemeinschaften einkaufen (GAS-Gruppen),
  • die solidarische Landwirtschaft bevorzugen.

 

 

 

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