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http://turnaroundhm.org24.09.2018

Turn around, H&M!

 

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Kleidung gegen Hungerlöhne: H&M hält sein Versprechen nicht

Der heute veröffentlichte Report der internationalen Clean Clothes Kampagne zeigt: Seit dem Versprechen von H&M vor 5 Jahren, menschenwürdige Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken zu schaffen, hat sich kaum getan. Die oew und Clean Clothes Campagne beziehen Stellung.

2013 gab der Kleiderhersteller H&M ein Versprechen ab: Innerhalb von fünf Jahren sollten 850.000 Arbeiter*innen in 750  Fabriken existenzsichernde Löhne erhalten. Heute, knappe fünf Jahre später, veröffentlichen Aktivist*innen der Clean Clothes Campaign einen Report, in dem sie 62 Arbeiter*innen zu den noch immer miserablen Arbeitsbedingungen in Indien, Kambodscha, Bulgarien und in der Türkei befragten. Die Ergebnisse: schockierend. Unter dem Kampagnentitel „Turn Around, H&M“ fordern sie nun den Moderiesen dazu auf, endlich seine Versprechen einzulösen und Verantwortung zu übernehmen. Die oew-Organisation für Eine solidarische Welt stellt sich hinter die Aktivist*innen und fordert auch die Südtiroler Bevölkerung dazu auf, die Petition zu unterschreiben.

Ende November 2013 gab H&M, einer der weltweit größten und auch in Südtirol präsenten Einzelhändler in der Modebranche, an, die Arbeitsbedingungen in den wichtigsten Produktionsstätten binnen fünf Jahren massiv verbessern zu wollen. Von diesem Versprechen betroffen sind 850.000 Arbeiter*innen in 750  Fabriken in aller Welt, was rund 60 Prozent der gesamten Lieferkette des schwedischen Kleiderriesen mit einem jährlichen Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar ausmacht. Damals wurde die Gesamtstrategie „H&M’s Roadmap towards a fair living wage” (Fahrplan in Richtung eines fairen Existenzlohns) präsentiert und veröffentlicht.

„Die internationale Presse berichtete mit Begeisterung von den Versprechungen des Kleiderriesen und H&M profitierte sehr vom dadurch erlangen Image“, so Verena Gschnell, Mitarbeiterin der oew-Organisation für Eine solidarische Welt. Heute, etwa zwei Monate vor Beendigung der einzuhaltenden Frist (Ende November 2018), hat H&M die „Roadmap“ von seiner Webseite gelöscht. Das Ziel, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, scheint in weite Ferne gerückt.

Arbeitsbedingungen weiterhin schockierend

„Die Arbeitsbedingungen und Löhne, die wir in den Fabriken entlang der Lieferkette vorgefunden haben, sind weiterhin schockierend“, betont Deborah Lucchetti von Clean Clothes Italia: „Die Arbeiter*innen berichten von Niedriglöhnen, massiven Überstunden und von der Angst, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Arbeiter*innen, die vor Übermüdung am Arbeitsplatz in Ohnmacht fallen, stehen an der Tagesordnung.“

Die Clean Clothes Kampagne ist ein Zusammenschluss von über 250 Organisationen weltweit die H&M auffordern, sein Versprechen zu halten und veröffentlichten gemeinsam die Petition „Turn Around, H&M!“. Mehr als 100.000 Bürger*innen haben diese bereits unterzeichnet. Matthäus Kircher, Geschäftsführer der oew, ruft alle Südtiroler*innen dazu auf, Stellung zu beziehen und ihre Stimme auf der Webseite oew.org/hm abzugeben: „H&M ist eine von zig Firmen weltweit, welche die Menschenrechte mit Füßen treten. Die Petition ist ein wichtiger Schritt, weltweit Firmen zum Umdenken zu bewegen.“

 „Wir wussten, dass H&M sein Versprechen nicht halten würde“, unterstreicht Deborah Lucchetti von Clean Clothes Italia. Die Resultate aus dem heute veröffentlichten Report „H&M: Versprechen reichen nicht, Hungerslöhne bleiben“, zeigen auf, dass viele Arbeiter*innen, die für H&M arbeiten, nach wie vor unterhalb der Armutsgrenze leben, obwohl das Unternehmen versprochen hatte, innerhalb von 2018 existenzsichernde Löhne zu bezahlen. Die interviewten Arbeiter*innen beziehen in Indien sowie in der Türkei nur ein Drittel, in Kambodscha weniger als die Hälfte des geschätzten Existenzlohnes und in Bulgarien nicht einmal 10 Prozent von dem, was sie brauchen würden, um ein menschenwürdiges Leben zu führen. In allen vier Ländern reichen die Löhne nicht aus, um die Familie mit genügend Lebensmitteln zu versorgen, Wohnungsmieten zu bezahlen sowie die ärztliche Grundversorgung und die Schulbildung der Kinder zu gewährleisten.

Überstunden leisten, um überleben zu können

„Die Löhne sind so tief, dass wir Überstunden machen müssen, um unsere Grundbedürfnisse stillen zu können“, erzählt eine Arbeiterin in Indien. Aus dem Report geht hervor, dass die Überstunden sehr oft die gesetzliche  Obergrenze überschreiten. „Wir gehen um acht Uhr vormittags in die Fabrik, aber wir wissen nie, wann wir wieder rauskommen. Manchmal kommen wir erst um vier Uhr des darauffolgenden Morgen wieder nach Hause“, berichtet ein Arbeiter von Koush Moda, einen sogenannten „goldenen Lieferanten“ von H&M in Bulgarien. 

Ein Drittel der interviewten Frauen in Indien und zwei Drittel der Interviewten in Kambodscha, welche in Fabriken entlang der Lieferkette von H&M arbeiten, fielen bereits am Arbeitsplatz in Ohnmacht. Eine Arbeiterin in Indien erzählte, dass sie von Ihren Kolleg*innen wegen einer inneren Blutung in ein Krankenhaus begleitet wurde, nachdem sie während eines Ohnmachtsanfalls von einer Maschine getroffen wurde. Andere berichten von Entlassungen, nachdem Arbeiter*innen während der Arbeitszeit aus Überanstrengung und Übermüdung in Ohnmacht gefallen waren.

 „Anstelle von leeren Versprechen fordern wir reale Veränderungen und eine transparente Bezahlung der Arbeiter*innen”, bringt es Koordination des heute veröffentlichten Reports auf den Punkt. Etwas, das auch Südtirol betrifft und interessieren sollte.

Hier zum Versprechen von H&M 2013

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