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Indien - Rural Education

Johannes Klapfer

Nachdem ich im Sommer 2013 die Oberschule abgeschlossen hatte und nicht recht wusste, was nun mit mir geschehen sollte, entschied ich mich für einen Auslandsaufenthalt in Form eines Freiwilligen Praktikums. Der Grund für diese Reise war, mal von zu Hause wegzukommen, um etwas vollkommen Neues zu erleben aber auch etwas mehr Zeit für mich selbst zu haben. Ich hoffte, nach diesem halben Jahr nicht nur um einmalige Abenteuer und unzählige Erlebnissen reicher zurückzukommen, sondern auch genauere Pläne für meine Zukunft zu haben.

Aus einer spontanen Intuition heraus wählte ich das Land Indien und bin bis Heute noch froh diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich wollte das Land nicht nur bereisend erleben, sondern eine Zeit lang an einem Ort bleiben, um Lebensweise und Kultur direkt zu erfahren und auch selbst etwas zu leisten. So kam es, dass ich zusammen mit meinem Cousin und einer Klassenkameradin für drei Monate in einem Projekt im Süden Indiens, genauer in Tiruvannamalai landete, wo wir an einer katholischen Schule unterrichteten und versuchten den Kindern den Gebrauch der englischen Sprache spielend näher zu bringen.

dgsfgsdEs war für uns alle die erste Erfahrung als Lehrer, bis dahin waren ja immer wir die Schüler und plötzlich kehrte sich das Ganze um und wir bekamen schon bald Respekt vor der Aufgabe ein guter Lehrer zu sein. In der Schule gab man uns viel Freiheit, was den Inhalt unseres Unterrichts anging und wir waren froh schon von zu Hause Unterrichtsmaterial mitgebracht zu haben, um auch mal von dem rein theoretischen Lehrstoff der dort vorhandenen Bücher wegzukommen. Schon bald gewöhnten wir uns an den Schulalltag und verbrachten den gesamten Tag mit den Schülern verschiedenster Altersstufen. Hauptsächlich unterrichteten wir die höheren Klassen, da jene Schüler den Gebrauch der englischen Sprache besser beherrschten und dies die Kommunikation etwas erleichterte. Trotzdem musste man sie immer wieder auffordern nicht auf Tamil, der Regionalsprache Tamil Nadus, zu sprechen. Die Kinder waren in unserer Gegenwart aber gezwungen Englisch zu sprechen und lernten in diesen drei Monaten sehr viel dazu. Neben dem Sprachunterricht waren wir oft auch für naturwissenschaftliche Fächer und dem Sportunterricht am Nachmittag zuständig. Die Schule hatte genügend Lehrerinnen und war deshalb auch flexibel uns wählen zu lassen in welcher Klasse wir welches Fach übernehmen wollten. Wir versuchten in allen Klassen so zu unterrichten, dass die Kinder selbst am Geschehen teilhatten und den Mut fassten selbst zu sprechen. Es war immer eine große Freude, wenn wir etwas an die Tafel malten, Mandalas zeichneten oder etwas bastelten. Mit diesen Unterhaltungen konnten wir die Kinder auch immer dazu animieren während des theoretischen Teils des Unterrichts aufmerksam dabei zu sein. An den Nachmittagen errichteten wir einen „Slackline Park“, wo wir mit den höheren Klassen das Balancieren auf dem Seil erlernten, ein Volleyballfeld, ein Fußballfeld und eine Weitsprunganlage. Kurz vor unserer Abreise organisierten wir noch ein großes Sportfest, an dem alle Kinder mitmachten und es war ein riesen Spaß und ein wunderschöner Tag. Wir bemerkten bald, dass uns als Lehrer die Wege offen standen und wir so viel Schönes, Neues und Interessantes mit den Kindern machen können. Es war also eine spannende Herausforderung mit Fantasie und Einfallsreichtum seine Ideen an dieser Schule zu verwirklichen. Andererseits war es auch anstrengend den ganzen Tag an der Schule zu sein und abends fielen wir immer erschöpft ins Bett. Die immer glücklichen Kinder, und die praktische Arbeit lies uns aber glücklich und erfüllt zu Bett gehen und das ist ja wohl die Hauptsache.

Ich konnte es kaum glauben, dass die Zeit so schnell vergangen war und wir uns immer weiter, immer schneller dem Tag des Abschiednehmens näherten. Doch als dieser Tag gekommen war mussten wir uns von den vielen herzigen Kindern, den lustigen Lehrerinnen und der schönen Schule wieder trennen. In den drei Monaten ist uns diese Umgebung, die Kinder und Lebensweise der Menschen wirklich ans Herz gewachsen und dann, als wir uns als etwas erfahrenere Lehrer in unserer Rolle wohler fühlten und uns die Arbeit mit den Kindern leicht von der Hand ging, mussten wir auch schon wieder gehen. Am Nachmittag unseres letzten „Arbeitstages“ gab es für uns eine kleine lustige Abschiedsfeier, die die Kinder mit Tanz und Musik begleiteten und sie ließ wohl ein kurzes Gefühl der Trauer nicht aus, wenn wir daran dachten, all diese netten Inder vielleicht nie wieder zu sehen. Wir hingegen spendierten unsererseits einen kleinen Snack, was natürlich nur eine Kleinigkeit war im Vergleich zu den vielen wertvollen Momenten, die wir mit diesen immer fröhlichen Kindern erleben durften. Ich bin sehr froh hier gelandet zu sein und habe in diesen Monaten sehr vieles gelernt, das mir auch in Zukunft noch oft zu Gute kommen wird.

Ich werde die Zeit in Tiruvannamalai sicher nie vergessen. Etwas, das ich auch hier stark erfuhr, war die extreme Einseitigkeit des Bildungssystems, das nicht nur bei uns in Europa vollkommen falsch funktioniert. Oft konnten wir mit dem Lehrstoff in den Büchern einfach nichts anfangen und wir haben gesehen, dass nicht der Frontalunterricht, sondern vielmehr ein gemeinsames dynamisches Lernen der richtige Weg ist. Es sind nicht nur die Schüler, auch die Lehrer müssen noch vieles lernen und zusammen soll man Lösungen finden und den Prozess des Verstehens erfahren. Doch, dass unser Bildungssystem Denkmuster vermittelt, die noch aus der Frühzeit der Industrialisierung kommen, wo es noch darum ging, die Menschen zu gut funktionierenden Rädchen einer Produktionsgesellschaft auszubilden, ist ja allgemein bekannt. Die weitverbreitete Meinung, Lehrer zu sein sei ein gemütlicher Job mit viel Ferien und Freizeit, ist also einfach falsch.

 

 Projektbeschreibung

 

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