Erdüberlastungstag 2022

Im Mai 2022 haben Schüler*innen des Brixner Realgymnasiums J. P. Fallmerayer ihre Klassenfahrt auf der Isola del Giglio genutzt, um bis zu 100 kg Müll zu sammeln. Im Rahmen der OEW-Aktionswochen anlässlich des italienischen Erdüberlastungstags haben sie sich der OEW-Müllsammelchallenge gestellt und versucht, die ökologischen Grenzen der Erde aufzuzeigen. Am 28. Juli, rutschte unser imaginäres Umweltkonto dann noch weiter in die roten Zahlen: Das Global Footprint Network rief den weltweiten Erdüberlastungstag, zu Englisch Earth Overshoot Day, aus. Mit seiner Berechnung möchte das Netzwerk aufzeigen, dass die Weltbevölkerung derzeit rund 1,75 Planeten bräuchte, um ihren Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken. Vor allem der Globale Norden, darunter auch Südtirol, konsumiert derzeit mehr Ressourcen, als sich nachhaltig erneuern lassen.

Hört rein in den thematischen Podcast der OEW zum Thema: www.oewplus.org/unterrichtsmaterial/erdueberlastung/podcast

Zu finden ist der zirka 30-minütige Podcast auch auf Spotify unter OEW Plus oder in der Podcast-Rubrik der OEW-Bildungsplattform unter www.oewplus.org Infos zu den Überdrüber-Aktionswochen 2022 der OEW: www.oew.org/ueberdrueber

Überdrüber!

Um zu informieren und zu sensibilisieren hat die OEW Mitte Mai 2022 zwei Wochen lang gemeinsam mit rund 25 Gruppen, sechs Oberschulen, vier Mittelschulen und neun Grundschulen in ganz Südtirol Aktionen rund um den Erdüberlastungstag veranstaltet. Es ging um unser Konsumverhalten und um den Ressourcenverbrauch. Auch praktische Handlungsalternativen für den Alltag wurden mit der Nachricht aufgezeigt, dass wir den Erdüberlastungstag gemeinsam nach hinten verschieben können.

Bei einem Theater wurde über die Verantwortung von Arbeiter*innen in der Atomkraft gesprochen. Interessierte konnten den eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen lassen, Filme wurden gezeigt und eine Müllsammel-Challenge durchgeführt, in der Dekadenz in Brixen ein Diskussionsabend veranstaltet, Repair-Café-Abende und Kleidertauschpartys organisiert, Smoothies und Gemüsetüten aus nicht perfektem Gemüse und Obst gemixt, Workshops über die Zusammenhänge in der Natur und deren Bedeutung für die Menschen abgehalten, Insektenhotels gebaut, Bienenwachstücher hergestellt, Tausch- und Flohmärkte realisiert, ein Verkaufstand mit Null-km Produkten angeboten, Nähwerkstätten und Waldtage durchgeführt, ein Open-Linux-Schalter und Kreativnachmittag veranstaltet.

Der Einsatz der engagierten Gruppen in Südtirol macht zwar optimistisch, obwohl wir als Erdbevölkerung global gesehen derzeit 1,75 Erden bräuchten, um alle weltweit ausgestoßenen Treibhausgase aufzunehmen und die Nachfrage nach Ressourcen zu stillen. Der Lebensstandard vor allem im Globalen Norden, so auch in Südtirol, ist weit höher als der weltweite Durchschnitt.

Wir seien längst „überdrüber“, erklärt die Verantwortliche für den Bereich „Bewusster Konsum“ bei der OEW Julia Stofner. Der frühe Termin des Erdüberlastungstages vor allem in den nördlichen Ländern der Erde verdeutliche, „wie sehr wir über dem Limit leben, wie unbekümmert wir

Ressourcen vergeuden und wie gnadenlos wir unsere Ökosysteme ausbeuten“. Positiv stimmt Julia Stofner dennoch, dass mit dem jährlich früher stattfindenden Erdüberlastungstag auch die Sensibilität der Bevölkerung wächst. „Gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen müssen wir uns bewegen, verändern und reduzieren, um langfristig unser aller Leben zu sichern“, betont die OEW-Mitarbeiterin. Die OEW stellt Unterrichtsmaterial und Medienpakete bereit, die von Schulen und Gruppen angefordert werden können. Weitere Infos: www.oew.org/ueberdrueber

Berechnung des Weltüberlastungstages

Basis für die Berechnung des Erdüberlastungstages ist die Biokapazität der Erde, also die Fähigkeit der Erde, die vom Menschen verbrauchten Ressourcen zu erneuern und Schadstoffe wie Treibhausgase abzubauen. Der Biokapazität wird der globale ökologische Fußabdruck gegenübergestellt, wie viele natürliche Ressourcen die Menschheit also verbraucht. Ist der menschliche Verbrauch der Ressourcen größer als der Nachschub, spricht man vom „Overshoot“, von der ökologischen Verschuldung. Der Termin des Erdüberlastungstages wird jährlich sowohl für die einzelnen Länder als auch für den gesamten Planeten angegeben. Berechnet werden die Daten von der Footprint Data Foundation, der York University und dem Global Footprint Network.