JOcycle: Neue alte Räder ersteigern und lostreten!

Jocycle ist ein Fahrradprojekt, das upcycelte alte Räder mit freiwilligem Engagement und Spendenbereitschaft verbindet. Die oew hat von März bis Mai 2016 gemeinsam mit dem Haus der Solidarität und der Caritas zum Spenden alter Räder aufgerufen. Aus allen Landesteilen Südtirols kamen 100 alte Fahrräder zusammen, die mehr oder weniger reparaturbedürftig waren. Vom 2. bis 6. Juni haben sich zwei Dutzend Freiwillige, darunter auch Flüchtlinge aus den Flüchtlingshäusern der Caritas, dieser Räder angenommen und sie fahrtüchtig gemacht. Drei Tage lang haben die engagierten Menschen in der Gärtnerei Bacher in Milland Bremsen ausgetauscht, Schaltungen eingestellt, Reifen gewechselt, die Räder bemalt und bestrickt.

50 Räder wurden auf diese Weise zu besonderen Einzelstücken gemacht, die es so im Fachhandel nicht zu kaufen gibt. Die Fahrräder werden am Samstag, 11. Juni 2016 um 10 Uhr auf dem Maria-Hueber-Platz in Brixen versteigert. Die Fahrräder sollen nicht nur den neuen Besitzer*innen Freude bereiten, mit dem Erlös werden das Flüchtlingshaus Miriam in Brixen und ein Sozialprojekt in Bolivien unterstützt.

Bildungsüberfall: Cheaper Shop

Am 28. Oktober 2015 bauten die oew gemeinsam mit der youngCaritas und den Südtiroler Weltläden auf dem Stegener Markt den „Cheaper Shop“ auf. Beim in lila gehaltenen Stand wurden Billigprodukten verkauft, ganz nach dem Motto: Billig, billiger, Cheaper Shop. Eine Sechserpackung Eier kostete dort 50 Cent, kleine Kekspackungen waren um 25 Cent zu haben, 200 Gramm Kaffee um 1,50 Euro.

Die Leute griffen bedenkenlos zu – auch weil wir Mut zum Kauf der Billigstprodukte machten, „die wir mit Hilfe von Kinderarbeit und aufgrund von unfairen Produktionsbedingungen so günstig anbieten konnten“. Es handelte sich um einen „Bildungsüberfall“. Wir wollten aufrütteln, aufzeigen, was wirklich hinter vielen Produkten steht und auf ironische Art und Weise zum Denken anregen. Die Ironie wurde nicht immer verstanden. Denn trotz Bildern und Fotos von arbeitenden Kindern, großflächigen Abholzung des Regenwaldes oder radikales Spritzen ohne Schutzkleidung für die Arbeite*innen, was alles Realitäten auf unseren Plantagen darstellen sollten, griffen viele Passanten ohne mit der Wimper zu zucken zu. Die verkauften Produkte stammten aus dem lokalen, ökologischen und fairen Handel.

Unter dem Motto „transparent und günstig“ boten wir am Cheaper-Shop Mineralwasser, Bananen, Schokolade, Eier und Kaffee zu unschlagbar günstigen Preisen an. Mit Bildern zeigten wir den potenziellen Käufer*innen, weshalb es möglich ist, dass wir Produkte so billig verkaufen können: Arbeitende Kinder in der Elfenbeinküste für unsere Schokolade, großflächige Landenteignung in Ecuador für die Produktion unserer Bananen, billige Wasserquellenkauf und sinkende Grundwasserspiegel in Südafrika. Dafür würden sie „den armen Menschen“ ein bisschen Arbeit geben, auch die Kinder bekämen ein paar Cent im Monat und einige Flaschen Wasser alle paar Tage. Weiter sagten wir, wir seien froh, die Menschen in der „Dritten Welt“ ausbeuten und bedenkenlos Pestizide einsetzen zu können, was in Europa längst verboten sei: Schließlich ginge es einzig darum, die Produkte in Südtirol so günstig wie möglich anzubieten.

Ich, Verena, bin schockiert von den Reaktionen der Menschen. Viele waren einfach nur froh, günstig und viel einkaufen zu können. Teilweise waren den Kaufenden die Fotos von ausgebeuteten Kindern egal, die Erzählungen über die Produktentstehung interessierte sie nicht. Interessant war es jedoch bei den Eiern von „rumänischen Legehennen“: Da lehnten die meisten Menschen den Kauf ab. Bei den Produkten, bei denen die Menschen keinen Bezug zu Anbau und Produktion haben, griffen sie hingegen bedenkenlos zu. Während sie Eier ablehnten, kauften sie beispielsweise bedenkenlos Schokolade, die im Weltladen fair gehandelt das Fünffache kostet.

Sabrina von der youngCaritas sagt: „Junge Menschen sind aufmerksamer. Außerdem lassen sich einige nicht auf den Arm nehmen, obwohl die wir mit den Werten „ehrlich“ und „transparent“ warben. Schließlich würden auch andere Händler Produkte anbieten, die unter ausbeuterischen Bedingungen entstanden seien, allein der Cheaper-Shop stehe dazu“. Wir sind froh darüber, dass einzelne Besucher*innen uns das Konzept der Weltläden erklärt und meinten haben, eine solche Art von Handel zerstöre die Welt.

Nachdem die Menschen ihren Einkauf getätigt hatten, klärten wir sie über die Absicht hinter dem Cheaper-Shop auf. Manche schämten sich, andere verwiesen darauf, dass auch andere billig eingekauft hätten. Brigitte sagt: „Wir haben noch viel zu tun, um den Menschen verständlich zu machen, dass sie mit jeder Kaufentscheidung darüber bestimmen, wie Anbauer leben und überleben können.“

Folgende Betriebe haben die Produkte für den Cheaper-Shop am Stegener Markt kostenlos zur Verfügung gestellt: Kaffee stammt von der fairen Linie von Schreyegg, Wasser von Plose, Eier von Schlernhof“, Kaffee, Schokolade, Bananen und Kekse von den Weltläden. Vielen Dank an euch alle! Ansonsten wäre die Aktion nie möglich gewesen.

Ziel der Aktion war es, auf den fairen Handel als respektvolle und gerechte Handelsalternative hinzuweisen: Es geht um gerechte Preise, angemessene Löhne, langfristige Verträge, Förderung von sozial- und umweltverträglichen Produktionsbedingungen und um Kranken- und Altersvorsorge für die Produzent*innen.

Euer Cheaper-Team!