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Meine Wenigkeit... weil jede*r Einzelne viel bewegen kann!

Sie verzichten auf Plastik, verarbeiten die Wolle ihrer eigenen Schafe, helfen anderen beim Reparieren kaputter Gegenstände oder leiten einen Waldkindergarten: Es gibt viele außergewöhnliche, beispielgebende, anders lebende Menschen in Südtirol, die ein Umdenken und nachhaltige Veränderungen bewirken können. Ihnen ist eine Artikelserie der oew in Kooperation mit der Südtiroler Tageszeitung gewidmet, die mit Februar 2017 gestartet ist. In jeder Wochenendausgabe stellen wir Menschen vor, die etwas Neues gewagt haben, etwas Besonderes machen und auf ihre Art einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Nachdem die besonderen Porträts von Maria Lobis in der Rubrik „Sonntagsbesuch“ der Tageszeitung erschienen sind, können sie hier nachgelesen werden.

 

Alle Beiträge

 

Kleidung auf Reisen

Bevor ein Kleidungsstück in unseren Kleiderschrank landet, hat es bereits die Welt einmal umrundet. Zahlreiche Produktionsschritte sind für die Herstellung eines T-Shirts, einer Jeans oder einer Jacke nötig und viele Länder, vor allem im Globalen Süden, werden in das Geschäft mit der Kleidung involviert. Dabei boomt das Geschäft nur für einige wenige: Die Arbeiter*innen auf dem Baumwollfeld in Indien oder in den Nähfabriken in Bangladesch profitieren davon wenig. Einiges läuft in dieser Kette schief: Kinderarbeit, Unterbezahlung, Vergiftung von Mensch und Umwelt, Ausbeutung und einseitiger Profit stehen auf der Tagesordnung im weltweiten Handel. 

Hier die verschiedenen Schritte:  

Baumwolle: Das weiße Gold als Rohstoff für die Kleidung 

Baumwolle wird in 72 Ländern rund um den Äquator angebaut. Dort ist das Klima für das Gedeihen optimal: warm, sonnig und feucht. Marktführers sind China und Indien. Aber auch die USA, Pakistan und Brasilien leisten ihren Beitrag um jährlich auf knappen 33 Millionen Hektar Baumwolle anzubauen und somit 26 Millionen Tonnen weißes Gold auf den Weltmarkt bringen zu können.
Die einjährige Pflanze wird in der Regel in Monokulturen anbaut und mit Hand gepflückt. 

Im Normalfall durch genmanipulierte Samen angebaut. Das Saatgutmonopol auf die angebaute Baumwolle in Indien hat seit 2002 der Großkonzern Monsanto. Solches Saatgut verspricht den doppelten Ertrag bei der Ernte, ist aber nur ein Jahr ergiebig, weshalb die Bauern und Bäuerinnen auf den jährlichen Kauf von Samen anwiesen sind. Ernteausfälle können somit die Existenzgrundlage entziehen und Verschuldungen verursachen: Aus diesem Grund nehmen sich in Indien jährlich in etwa 20.000 Bauern das Leben. 
Die weiß, rosa blühende Pflanze wird auf 2,4 % der weltweiten Ackerfläche angebaut. Doch für den Anbau der Baumwolle werden 11% der weltweit gehandelten Pestizide und 25% der gehandelten Insektizide verwendet: Baumwolle ist die meistgespritzte Pflanze der Welt. 
Nur jede zweihundertste Pflanze wird biologisch angebaut. 

Problematisch beim Anbau ist zudem der hohe Wasserverbrauch, der benötigt wird. Nach Reis liegt Baumwolle auf Platz Nummer zwei. Vielerorts werden lebenswichtige Wasserquellen in die Bewässerungskanäle der Baumwollplantagen umgeleitet, anstatt der Bevölkerung als Trinkwasser zugute zu kommen. 
2.000 Liter Wasser verbraucht die Herstellung eines einzigen T-Shirts. Die weltweite Baumwollproduktion verbraucht jährlich somit gleichviel Wasser wie alle privaten Haushalte der Erde zusammen.  

Weiß-goldener Faden und der fertige Stoff

Die in China oder Indien angebaute Baumwolle gelangt maschinell entkörnt und zu Ballen zusammengepresst in Spinnereien. Gesponnen wird beispielsweise in der Türkei. Durch die Entnahme von Proben wird sie auf Länge, Reinheit, Farbe und Reißfestigkeit hin überprüft. Diese Faktoren bestimmen schlussendlich ihren Preis. 
Das Säubern, Kardieren und Spinnen der Baumwolle geschieht mechanisch.
Die Fäden erreichen daraufhin eine Weberei, die unter anderem in Taiwan liegen kann. Vollautomatische Webstühle versticken die Baumwollfasern nach einem bestimmten Strickmuster. 

Vergiftung der Flüsse: Färben 

Für die jährliche weltweite Produktion von rund 80 Milliarden Kleidungsstücken werden massiv gesundheits- und umweltgefährdende Chemie verwendet. Gefährt wird vor allem dort, wo Umweltauflagen entweder weniger rigide sind oder schwächer kontrolliert werden. Von den fehlenden Auflagen profitieren die Firmen, jedoch nicht die Länder selbst. Darunter fallen unter anderen China oder Tunesien. 

Zwei Drittel der chinesischen Flüsse und Seen sind als verschmutzt klassifiziert, da Giftstoffe aus den Fabriken häufig ungeklärt abgeleitet werden. Diese Chemikalien tauchen später im Trinkwasser und Essen der Millionen dort lebenden Menschen auf. Sie können krebserregend wirken oder das hormonelle System durcheinanderbringen.  

Nähen unter Schweiß

Der fertige Stoff erreicht China oder Bangladesch. Hier werden die meisten Stoffe in T-Shirts, Hosen oder Jacken umgewandelt. Obwohl China momentan noch Marktführer beim Export fertiger Kleidung ist, wächst die Produktion in Bangladesch stetig. Arbeitskräfte in China werden voraussichtlich in den kommenden Jahren zu teuer. 
Bangladesch erwirtschaftet bereits jetzt 80  Prozent der Exporterlöse durch die Bekleidungsindustrie. Das Land ist somit von dem boomenden Geschäft abhängig. Die Anzahl der Textilfabriken, welche Großteils illegal errichtet wurden, wird auf 6.000 geschätzt.  

Vor allem Kinder und Frauen arbeiten, um fertige Kleidungsstücke auf den Markt bringen zu können. Zwölf bis vierzehn Arbeitsstunden sind eher die Regel als die Ausnahme. Überstunden werden häufig nicht bezahlt. Langsames Arbeiten bedeutet häufig eine Kündigung.  
Der Produktionsdruck wird an die Firmen vorwiegend von den Außen aufgesetzt: Wer nicht pünktlich lieft, verliert den Auftrag. Zu viel Konkurrenz wartet bereits auf dem Markt.  

Über die Ladenbank: Der Verkauf der Kleidung 

Die Hauptabnehmer der in Bangladesch und China genähten Kleidung sind vor allem Europa und die USA: Mehr als 80 Prozent der fertigen T-Shirts, Hosen, Jacken und Kleider landen auf dem Markt des Globalen Nordens. Durchschnittlich werden hier jährlich 60 Kleidungsstücke pro Person eingekauft. 
Bei diesem letzten Schritt wird der Preis nochmals drastisch erhöht: 59 Prozent schlägt der Einzelhandel auf die Produkte auf und erhält somit den größten Teil des Gewinns bei einem Kleidungsstück. 

 

 

Fashion Revolution Day

 

 

Am 24. April 2013 ereignete sich in einer Textilfabrik in Bangladesch das schwerste Unglück in der Bekleidungsbranche. Beim Zusammensturz des Rana-Plaza-Gebäudes wurden mehr als 1.100 Näher*innen getötet und über 2.500 wurden schwerstens verletzt. Vor allem Kinder und Frauen kamen dabei ums Leben.
Das in einem Vorort von Dhaka errichtete Gebäude wurde sechsgeschossiges Bürogebäude geplant. Im Anschluss wurde Rana-Plaza auf zwei weitere Geschosse illegal aufgestockt und niemals geprüft. Das Gebäude hatte wies bereits am Vortag des Zusammensturzes Risse auf, deshalb verbot die Polizei am 23. April den Zutritt. Dennoch waren einen Tag später mehr als 3.000 Textilarbeiter*innen im Gebäude. Sie wurden zum Arbeiten gezwungen, ansonsten drohte die Kündigung. Für einen Durchschnittslohn von 28 Euro im Monat saßen sie zwölf bis vierzehn Stunden am Tag an der Nähmaschine - bei dringenden Aufträgen auch länger. Überstunden wurden kaum bezahlt und freue Tage gab es selten.
Heute noch ist die Gebäudesicherheit in Bangladesch nicht gewährleistet, was das Risiko auf weitere Unfälle stark erhöht.

 

Der Fashion Revolution Day soll an das Unglück in Bangladesch erinnern und vor allem vor weiteren schützen. Weltweit greifen verschiedenste Organisationen den Tag auf, um auf die Missstände in der Kleiderproduktion aufmerksam zu machen. Höhere Löhne, sichere Arbeitsplätze, Verträge und das Verbot von Kinderarbeit sind nur einige der wichtigen Forderungen, die sowohl an Produzent*innen als auch Konsument*innen herangetragen werden.

 

Im Andenken an dieses Unglück organisiert die oew gemeinsam mit dem Netzwerk der Weltläden jährlich eine Veranstaltung, um Menschen an ihr Konsumverhalten zu erinnern. In diesem Jahr kann sich am 22. April 2017 in Brixen  jede*r Kleidungsstücke reparieren lassen. Hier die Details der Veranstaltung.

2016 hingegen überraschten wir die Bevölkerung von Bozen am Musterplatz mit "nicht sichtbaren" Näher*innen, sowie einer Fairen Modenschau. 

 

 

Schulangebote

Der schulische Alltag verbirgt viele Möglichkeiten jungen Menschen Informationen weiterzugeben, Reflexionen anzuregen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. 
Hier finden Sie einige Möglichkeiten das Thema „Kleidung“ und den globalen Zusammenhang dahinter in die Schulrealität zu integrieren.  

Für wen: ab 3. Mittelschule, für Ober- und Berufsschulen
Dauer: 4 Schulstunden
Expert*innenhonorar: 200 € + Fahrtspesen Eine fertige Jeans reist einmal um die Welt, bevor sie in unserem Kleiderschrank landet. Wo beginnt die lange Reise, welche Zwischenstopps legt sie ein? Wie teilt sich die Gewinnspanne auf dem Weg auf?In diesem Workshop lernen die Schüler*innen den langen Weg vom Baumwollanbau in Kasachstan über das Spinnen, Weben, Färben, Nähen in Europa und Asien bis zur Vermarktung und dem Verkauf in unseren Geschäften kennen – und schlussendlich die letzte Reise der Jeans mit dem Kleidercontainer als Second-Hand-Ware nach Afrika.
Die Schüler*innen sollen internationale Zusammenhänge und Hintergründe in der Kleiderindustrie verstehen und die schmutzige Seite der Jeans kennenlernen. Gemeinsam diskutieren wir, wie wir saubere Kleidung in unseren Kleiderschrank hängen können. Kontaktperson: Verena Gschnell - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - Tel. 0472 208 209 

Ziele

- Kennenlernen des Weges von der Baumwolle bis zur Jeans und deren Wiederverwertung
- Einführung in weltwirtschaftliche Zusammenhänge zwischen Norden und Süden
- Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten für jede*n und von der Macht des Einzelnen 

Methoden

- Bildhafte Weltreise einer Jeans: der Weg vom Rohstoff zum Kleidungsstück und die Wiederverwertung
- Gruppenarbeiten & verschiedene Spiele
- PowerPoint-Präsentation
- Filmausschnitt

Lehrpersonen, sowie Schüler und Schülerinnen, können bei der Fachbibliothek der oew Medienpakete mit Büchern und DVD’s rund zum Thema „Kleidung“ und „Produktionsbedingungen im Globalen Süden“ bestellen. Das Ausleihen ist kostenlos und kann direkt bei der Bibliothek angefragt werden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - Tel. 0472 833 950

Die Ausstellung „Fashion Revolution“ zeigt auf 10 XXXL-T-Shirts (1,70 x 1,80 m) die Reise eines Kleidungsstücks und die Missstände, sowie Problematiken dahinter auf. 

Kurze Daten und Fakten zur Kleiderproduktion werden somit Schüler*innen auf einfache Weise vermittelt. Folgende Themen beinhaltet die Ausstellung: 
- Gesamtkilometer eines Kleidungsstücks von der Produktion bis zum Verkauf 
- Aufteilung der Wertschöpfungskette 
- Verwendung von Giftstoffen in der gesamten Produktion 
- Baumwollanbau: Anbauorte und -weise, genmanipuliertes Saatgut 
- Unglück von Rana-Plaza im April 2013
- Kleiderkonsum
- Wasserverbrauch
- Erklärung von Labels 
- Alternativen  Die „Fashion Revolution“ Ausstellung kann bei der oew-Organisation für Eine solidarische Welt für zwei Monate kostenlos ausgeliehen werden. 
Kontaktperson: Verena Gschnell - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! - Tel. 0472 208 209 

 

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