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18/02/2012

Spracherfahrungen - Zwei neue Bücher zur Sprachsituation in Südtirol

Im Herbst 2011 sind bei alphabeta Meran und Drava Klagenfurt zwei Bücher zur Sprache, zum Spracherwerb, zur Mehrsprachigkeit in Südtirol erschienen. Gemeinsam sind den zwei Publikationen ihr Entstehungsanlass, gemeinsam ist ihnen aber auch die Intention die Südtiroler Sprachenproblematik in ein neues Licht zu rücken, und zwar soll der Fokus weniger auf die Sprache und die Sprachkompetenz, sondern viel mehr auf die Menschen und die menschliche Erfahrung mit Sprache gerichtet werden.

Umschlag des Buches: grau mit einem Bild oben.

Anlass für die Entstehung der zwei Bücher war eine Forschung der Universität Bozen (Bildungswissenschaften in Brixen), welche im Jahr 2009/10 von Prof. Siegfried Baur gemeinsam mit Prof. Dietmar Larcher durchgeführt wurde. Das Forschungsziel dieser Studie ist die auf empirisch erforschte Zusammenhänge basierende Begründung für Erfolg beziehungsweise Misserfolg beim Erlernen der zweiten Sprache in Südtirol. Es geht also um die banalste und gleichzeitig grundsätzlichste aller Fragen: Wie wird man in Südtirol zweisprachig oder warum bleibt man einsprachig? [Fit für Europa, Seite 13]

Das erste der beiden Bücher (Siegfried Baur, Dietmar Larcher, Fit für Europa. Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit in Südtirol, 200 Seiten, Euro 18) legt die Forschungsergebnisse der Studie dar. Grundlage für die Forschung bilden siebzig lange und ausführliche Interviews, die an zehn deutsch- und italienischsprachigen Oberschulen in ganz Südtirol mit Maturanten und Maturantinnen im Schuljahr 2009/10 geführt wurden.

Es ging darum, die Erfahrungen, welche diese Jugendlichen mit den verschiedenen Sprachen (Dialekt, Deutsch, Italienisch, Englisch, andere Sprachen) in ihrem bisherigen Leben, in der Familie, in der Schule, mit Freunden, bei der Arbeit, in der Freizeit und so weiter, gemacht hatten, so genau wie möglich zu rekonstruieren. Subjektive Einschätzungen sind dabei nicht nur zufällige Nebeneffekte, sondern bilden die eigentliche Substanz, auf welche die Studie ihr Hauptaugenmerk werfen wollte.

Sprache lebt nämlich im subjektiven Gebrauch, den die Menschen von ihr machen und in der subjektiven Erfahrung, welche die Menschen mit ihr machen, nicht in den Regeln ihrer Gesetzmäßigkeit und in der Kompetenz deren Anwendung.

Die Studie ist daher auch mit unzähligen Zitaten aus diesen über tausend Seiten umfassenden Interviews gespickt. Sie bilden, trotz oder gerade wegen ihrer Subjektivität, den eigentlichen Einblick in die Südtiroler Sprachsituation. Eine Situation, die genauso komplex ist wie Südtirol selbst. Trotzdem konnte die Dolomiten nach der Vorstellung der Studie ihren Artikel so überschreiben: Es hapert bei der Zweitsprache. Vorteile der zweisprachigen Gesellschaft kaum genutzt.

Das zweite Buch (Toni Colleselli, reden. Siebzehn Sprechgeschichten aus Südtirol, 170 Seiten, Euro 15) ist hingegen ein – nennen wir es so – literarischer Nebeneffekt der Interviews, welche der Autor als Teil des Forschungsteams mit den Schülern und Schülerinnen geführt hat.

Diese Gespräche waren teilweise so intensiv, dass sie in mir nicht nur einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern auch die Lust zum Erzählen, zum Schreiben geweckt haben. Vieles aus diesen Gesprächen ist in den vorliegenden Geschichten verarbeitet, anderes aus der täglichen Erfahrung hinzugefügt worden. Ausschlaggebend war aber die Emotion, die das Reden mit den jungen Frauen und Männern in mir geweckt hat, schreibt der Autor.

Entstanden sind siebzehn Erzählungen, die Einblicke in die Sprachbiografien Südtiroler Jugendlicher geben, die in erster Linie aber Geschichten, Erfahrungen und Erlebnisse erzählen, welche allen Südtirolern irgendwie und irgendwann widerfahren sind. Ein besonderer Reiz der Erzählungen besteht eben in diesem Aha-Effekt, welchen sie in vielen Lesern auslösen.

Dies ist ein Buch, das über Liebe und Leid, über Freude und Angst, über Schrecken und Schauder, über Erfolg und Versagen, über Frust und Zweifel, aber auch über Erkenntnisse beim Sprachenlernen redet, heißt es im Klappentext. Und dies sind Erfahrungen, die allen Menschen gemein sind, die auch Südtiroler zu Menschen werden lassen, wie es sie nicht nur in Südtirol gibt.

Toni Colleselli


Toni Colleselli: Publizist und Übersetzer. In den sechziger Jahren im Pustertal aufgewachsen, lebt er seit 1970 mit Unterbrechungen in Bozen. Dort hat er an zahlreichen Kultur- und Bildungsinitiativen mitgewirkt: Südtiroler Kulturzentrum, Zelig – Schule für Dokumentarfilm, Fernsehen und neue Medien, Alpha&Beta – Sprachschule, BoBo – Veranstaltungskalender für Bozen und Meran.



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