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30/09/2005

Inhalt: Dom Luiz im unbefristeten Hungerstreik - Unterschriftenaktion

Der drittgrößte Fluss Brasiliens, der Rio San Francisco in Bahia, soll verlegt werden – in das Gebiet reicher Leute, um dort weitere Kraftwerke zu errichten. Das würde das Ende für viele Fischerdörfer und Flussbewohner bedeuten und die Folgen sind für Natur und Umwelt nicht absehbar.

Dom Luiz im Gegenlicht - ernstes Gesicht und Gestik mit den Händen.

Dom Luiz Flávio Cappio, Franziskaner und seit 1997 Bischof von Barra (Bahia, Brasilien), ist deshalb am 26. September 2005 in den unbefristeten Hungerstreik getreten. Er befindet sich in der Kapelle von Cabrobó, Pernambuco, in der Nähe der Stelle, wo der Rio San Francisco umgeleitet werden soll.

Dom Luiz hat 59 Jahre und lebt seit 40 Jahren in der betroffenen Region. Da der Rio San Francisco und seine Bewohner schon lange durch Großprojekte bedroht sind, nahm er 1993 an einer einjährigen Wallfahrt teil, bei der er den Rio San Francisco zu Fuß von der Quelle bis zur Mündung ins Meer ging.
An den Präsidenten Lula schrieb er: Vielleicht ist der Hungerstreik eine extreme Methode, Ihnen zu helfen, mit dem Herzen zu verstehen, wozu der Verstand offensichtlich unfähig ist.

Die Beendigung des Hungerstreiks macht er von der Rücknahme des Projektes der Flussverlagerung abhängig, bestätigt durch die Unterschrift des Präsidenten von Brasilien, Luiz Ignácio Lula da Silva.

Hier seine Erklärung zum Hungerstreik in deutscher Übersetzung (ganz unten der Originaltext):

Erklärung Ein Leben für das Leben

Im Namen des auferstandenen Jesu, der das Leben durch den Tod besiegte, erkläre ich öffentlich:

  1. Aus freiem und eigenem Entschluss nehme ich mir vor, mein Leben für das Leben des Flusses San Francisco und seiner Bewohner zu geben, gegen das Projekt der Flussverlagerung und für das Projekt der Revitalisierung.
  2. Ich verbleibe im „Hungerstreik“ bis zum Tod, falls der Entschluss zum Projekt der Flussverlagerung nicht zurückgenommen wird.
  3. Der „Hungerstreik“ wird nur beendet, wenn ein vom Präsidenten der Republik unterzeichnetes Dokument vorgelegt wird, das die Rücknahme und Archivierung des Projektes der Flussverlagerung bestätigt.
  4. Falls das Dokument der Rücknahme, unterzeichnet vom Präsidenten, zu einem Zeitpunkt vorgelegt wird, da ich nicht mehr Herr meiner Sinne und Entscheidungen sein sollte, bitte ich um Hilfeleistung; denn ich möchte nicht sterben.
  5. Falls ich sterben sollte, möchte ich, dass meine sterblichen Überreste bei Bom Jesus dos Navegantes bestattet werden, meinem ewigen Bruder und Freund, dem ich mit viel Liebe mein Leben und Wirken in Barra, meiner geliebten Diözese, gewidmet habe.
  6. Ich bitte ausdrücklich, diese meine Entscheidung zu respektieren und sie auch bis zu meinem Ende zu befolgen.

Dom Frei Luiz Flávio Cappio, OFM (ordo fratrum minorum)

Unterschriften-Aktion für das Leben

Frei Florêncio und Zoraide haben eine Online-Unterschriftenaktion an den Präsidenten organisiert mit folgendem Inhalt:

Hochwürdigster Herr Präsident Luiz Ignácio Lula da Silva,

Die Unterzeichner möchten mit ihrer Unterschrift die Verbundenheit mit Dom Luiz Flávio Cappio, Bischof der Diözese Barra (Bahia – Brasilien), zum Ausdruck bringen. Er befindet sich im Hungerstreik, um gegen das Projekt der Flussverlagerung von San Francisco und für das Projekt der Revitalisierung zu protestieren.

Um das Leben des Flusses San Francisco sowie unseres Bruders, des Bischofs Dom Luiz Flávio, zu retten, bitten wir Sie, Hochwürdigster Herr Präsident, das Projekt der Flussverlagerung zu widerrufen und ad acta zu legen. Das ist die einzige Bedingung von Dom Luiz, um seinen Hungerstreik zu beenden.

Im Namen vieler uns bekannter brasilianischer Solidaritätsgruppen sowie der Landpastorale bitten wir Sie/dich, diese Aktion für den Rio San Francisco sowie für Bischof Dom Luiz mit Ihrer/deiner Unterschrift zu unterstützen.

http://www.PetitionOnline.com/domluiz/petition.html

Erklärung zum Hungerstreik von Dom Luiz im Originaltext:

DECLARAÇÃO Uma vida pela vida

Em nome de Jesus Ressuscitado, que vence a morte pela vida plena, faço saber a todos:

  1. De livre e espontânea vontade assumo o propósito de entregar minha vida pela vida do Rio São Francisco e de seu povo contra o Projeto de Transposição, a favor do Projeto de Revitalização.
  2. Permanecerei em "greve de fome", até a morte, caso não haja uma reversão da decisão do Projeto de Transposição.
  3. A "greve de fome" só será suspensa mediante documento assinado pelo Exmo. Señor Presidente da República revogando e arquivando o Projeto de Transposição.
  4. Caso o documento de revogação, devidamente assinado pelo Exmo. Señor Presidente, chegue quando já não for senhor dos meus atos e decisões, peço, por caridade, que me prestem socorro, pois não desejo morrer.
  5. Caso venha a falecer, gostaria que meus restos mortais descansassem junto ao Bom Jesus dos Navegantes, meu eterno irmão e amigo, a quem, com muito amor, doei toda a minha vida, em Barra, minha querida diocese.
  6. Peço, encarecidamente, que haja um profundo respeito por essa decisão e que ela seja observada até o fim.

Dom Frei Luiz Flávio Cappio, OFM (ordo fratrum minorum)

Weitere Infos auf Portugiesisch:
http://www.adital.com.br/site/noticias/18925.asp?lang=PT&cod=18925
http://www.adital.com.br/site/noticias/18945.asp?lang=PT&cod=18945

Die gute Nachricht: Umweltschädliches Flussprojekt gestoppt


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