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06/01/2008

Sprachen der Erde: Kurdisch

Nachdem wir uns in den letzten Beiträgen mit allgemeinen Fragestellungen zum Thema „Sprachen der Erde“ auseinandergesetzt haben, möchten wir im neuen Jahr damit beginnen, einzelne Sprachen vorzustellen, und zwar Sprachen, die nicht im Allgemeinen so bekannt sind, aber dennoch unsere Aufmerksamkeit verdienen.

Letzteres gilt zwar grundsätzlich für alle Sprachen dieser Erde. Da nun aber eine Auswahl zu treffen ist, sollen einige Sprachen exemplarisch herangezogen werden, um die Verschiedenheit zu illustrieren, die Sprachen und ihre Lebensbedingungen charakterisiert.

Als erste Sprache im neuen Jahr möchten wir Euch Kurdisch vorstellen.
Kurdisch wird von circa 30 Millionen Menschen in den Staaten Türkei, Irak, Iran, Syrien und Armenien gesprochen. Aufgrund von Migration leben viele Kurden auch in zentralasiatischen Republiken sowie circa 2 bis 3 Millionen von ihnen in westeuropäischen Ländern.

Das historische Siedlungsgebiet der Kurden ist Kurdistan, mitten in Vorderasien. Es umfasst je nach Definition und Schätzung 490.000 bis 530.000 km² und ist damit ungefähr so groß wie Frankreich. Kurdistan bedeutet „Land der Kurden“, doch gibt es keinen kurdischen Staat; vielmehr verteilt sich das Gebiet auf die Staaten Türkei, Irak, Iran, Syrien. Der Name "Kurdistan" wurde im Laufe der Geschichte in unterschiedlichem geografischen und politischen Sinne verwendet und bezeichnete dabei jeweils Gebiete unterschiedlicher Lage und Ausdehnung.

Sprachskizze Kurdisch - 5 Dialekte, 3 Schriften

Genetische Zugehörigkeit:
Indoeuropäische Sprachen
Indoiranische Sprachen
Iranische Sprachen
Nordwest-Iranische Sprachen
Kurdisch

Sprecher: circa 20 bis 30 Millionen
Offizieller Status: Amtssprache im Irak
Schrift: Kurdisch-lateinisches Alphabet in der Türkei und in Syrien, Kyrillisches Alphabet in der GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (der ehemaligen Sowjetunion), arabische Schrift in Iran und Irak
Morphologische Typologie: Flektierende Sprache
Wortstellung: Subjet – Objekt - Verb

Politischer Status des Kurdischen

Im türkischen Teil Kurdistans ist das Sprechen der kurdischen Sprache verboten; die Kurden werden nicht als Minderheit anerkannt.

Im Iran ist das Sprechen der kurdischen Sprache zwar nicht verboten, es ist aber untersagt, Kurdisch in Ämtern zu verwenden sowie Kurdisch zu unterrichten.

Im Irak sind die Kurden als zweite Volksgruppe im Staatsvertrag verankert; unter Saddam Husseins Regime wurde dies außer Kraft gesetzt. In den letzten Jahren jedoch konnte sich die kurdische Sprache im irakischen Teil Kurdistans (Nordirak) zu einer neuen Blüte entwickeln: Vom Kindergarten bis zur Universität wird in allen Bildungseinrichtungen die kurdische Sprache verwendet.

In Syrien werden die Kurden nicht einmal als Staatsbürger anerkannt, geschweige denn als Minderheit. Sie dürfen also nicht einmal die syrische Staatsbürgerschaft bekommen.

In Armenien leben zwar viele Kurden; sie werden jedoch nur geduldet, weil es einen gemeinsamen Gegner gibt. Minderheitenrechte haben sie nicht.

Im deutschsprachigen Raum wird im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen wie in Türkisch, Serbokroatisch oder in den Sprachen der anderen Minderheiten beziehungsweise Gastarbeiter trotz einer hohen Zahl der kurdischsprachigen Bevölkerung kein muttersprachlicher Unterricht in Kurdisch erteilt. Es ist jedoch gelungen, einen Kurdisch-Kurs am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck einzurichten.

Ziel ist es, deutschsprachigen Student/innen sowie Universitätsangehörigen die kurdische Sprache näherzubringen. Dies ist somit der einzige Kurdisch-Kurs auf universitärer Ebene im gesamten deutschsprachigen Raum.

Sprachliche Merkmale

Die kurdische Sprache gehört zum west-iranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie. Kurdisch ist somit im allerweitesten Sinne mit den europäischen Sprachen wie Deutsch, Italienisch, Englisch usw. verwandt. Im näheren Sinne ist es mit den anderen iranischen Sprachen wie Farsi (Persisch) verwandt.

Viele Sprachwissenschafter sind sich hinsichtlich der Gliederung der kurdischen Dialekte uneinig. Einige Hauptdialekte werden auch als Sprachen aufgefasst, sodass man auch von den kurdischen Sprachen in der Mehrzahl spricht. Im Allgemeinen werden die Dialekte in Nordkurdisch, Zentralkurdisch und Südkurdisch eingeteilt. Insgesamt gesehen gibt es – wie in anderen Sprachen auch – viele Mundarten, die sich von Region zu Region und von Stamm zu Stamm unterscheiden.

Die am weitesten verbreitete kurdische Sprache ist Kurmanji/Kurmandschi (= Nordkurdisch, kurdisch „Kurmancî“). Sie wird in der Türkei, in Syrien, Irak und Iran sowie in Armenien, im Libanon und in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken von etwa acht bis zehn Millionen Menschen gesprochen. Offiziellen Status hat Kurmanji als Amtssprache im Irak.

Kurmandschi wird hauptsächlich auf dem Territorium der Türkischen Republik gesprochen, wo seit über sechzig Jahren eine legale Verbreitung und Pflege oder gar ein Studium der kurdischen Sprache staatlicherseits unmöglich gemacht wird. Dadurch ist nicht nur eine mögliche Annäherung der vielen Mundarten – etwa durch den Einfluss einer über Radio und Zeitungen verbreiteten hochkurdischen Schriftsprache – unterblieben, schlimmer noch: Die radikalen Umbrüche der neueren Gesellschaftsentwicklung gingen fast spurlos an den nordkurdischen Dialekten vorüber, was dazu führte, dass sie weder von ihrer lexikalischen noch der strukturellen Spannweite her die soziopolitischen Realitäten des modernen gesellschaftlichen Lebens angemessen ausdrücken können. Schriftstücke in diesem Dialekt findet man bereits ab dem 15. Jahrhundert.

Sorani: Diesen Dialekt nennt man auch Kırmancî Xwarû. Er wird von vielen Kurden aus Iran und Irak gesprochen. Es gibt sehr viele Schriftstücke in diesem Dialekt. Sorani ist durch markante Unterschiede von Kurmancî und Dımıli getrennt. Das zeigt sich vor allem im Wegfall von Kasus (Fall) und Genus (Geschlecht) bei Substantiven und Pronomina im Sorani-Dialekt. Das heißt, in diesem Dialekt wird nicht zwischen männlich und weiblich unterschieden, in Kurmanci und Dımıli hingegen hat sich diese Unterscheidung gehalten, man unterscheidet dort weiterhin zwischen Femininum und Maskulinum. Weitere kurdische Dialekte sind Dımıli (Zazaki), Gorani (Hewrami), Luri.

1932 wurde ein lateinisches Alphabet fürs Kurdische entwickelt, das durch einige Sonderzeichen den lautlichen Gegebenheiten des Kurdischen gut angepasst ist. Dieses Kurdisch-lateinische Alphabet wird in der Türkei und in Syrien verwendet; in den GUS-Staaten wird Kurdisch auf Kyrillisch geschrieben, im Iran und Irak in arabischer Schrift.

Da Kurdisch zur selben Sprachfamilie wie die meisten europäischen Sprachen gehört – Indoeuropäisch -, hat es mit diesen Sprachen prinzipiell auch die Fälle gemeinsam und gehört daher zu den flektierenden Sprachen (wenn die Fälle auch in den einzelnen Sprachen sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sind, zum Beispiel im Italienischen viel weniger als im Deutschen, aber auch dort unterscheidet man zwischen „er“ und „ihm“: lui - gli).

Kurdisch unterscheidet zwei Fälle, einen Subjektfall und einen Objektfall. Der Objektfall übernimmt dabei die Funktionen, die in anderen Sprachen üblicherweise mit dem Genitiv, dem Dativ, dem Akkusativ und dem Lokativ (Ortsfall) ausgedrückt werden. Außerdem kennt das Kurdische noch einen Vokativ, also einen Fall, der benutzt wird, um sich an jemanden zu wenden.

Kurdisch hat viele Vokabeln mit anderen indoeuropäischen Sprachen gemeinsam. Ein Beispiel ist das kurdische "Êrd", welches mit dem deutschen „Erde“ identisch ist. Ein anderes Beispiel ist die Zahl „fünf“, die im kurdischen "penç" mit dem polnischen „piec“ oder griechischem „penta“ identisch ist. Des Weiteren gibt es im Kurdischen auch zusammengesetzte Verben, wie "je kirin" (ab-machen) oder "ve kirin" (auf-machen).

Mehr zu den kurdischen Sprachen: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurdische_Sprachen

Gesellschaft und Kultur

Die Kurden sind weder Araber noch Türken. Sie stammen möglicherweise von den Medern ab, einem antiken iranischen Volk.

Bei den Kurden sind verschiedene Bekenntnisse vertreten. Die Mehrheit (circa 80 - 90%) der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Die etwa 3 - 5% kurdischen Schiiten leben ganz im Süden des kurdischen Verbreitungsgebiets im Irak nahe der iranischen Grenze. Daneben gibt es Aleviten, Schabbak, Jesiden und im Iran auch Ahl-e Haqq.

Charakteristisch für kurdische Musik sind einfache Melodien mit einem Umfang von nur drei oder vier Tönen, strophische Lieder mit derselben Dichtung und Musik am Ende jeder Strophe. Die meisten kurdischen Lieder handeln von Geschichten kurdischer Helden wie Saladin, Scheich Said oder Said Riza. Auch Liebeslieder, Tanzmusik (Gowend), Hochzeits- und andere Feierlieder, erotische Poesie und Arbeitslieder sind sehr beliebt. Als Musikinstrumente werden Bilur (Flöte), Ghol (Trommel), Bilûr (Oboe), Saz (Laute), Kemençe (Geige) und Zurna (Schalmei) benutzt.

Barnas Usso Bedran, Marlene Mussner


Barnas Usso Bedran: Neurochirurg in Innsbruck, unterrichtet Kurdisch am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck

Marlene Mussner: wissenschaftliche Mitarbeiterin in Ausbildung am Institut für Sprachwissenschaften der Uni Innsbruck, Mitarbeiterin der oew-Rundbrief-Redaktion



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