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20/07/2006

Westsahara – ein vergessener Konflikt

Der seit 1975 währende Konflikt zwischen der Polisario und Marokko ist in der Weltöffentlichkeit längst in Vergessenheit geraten. Kein Vergessen gibt es für die in den besetzten Gebieten und in den Flüchtlingslagern lebenden Sahrauis. 1991 wurde ein UNO-Friedensplan ausgearbeitet, der der Westsahara Autonomie und Selbstständigkeit bringen könnte.

Schwarzweißbild: ein Stück Wüste mit einer Zeltstadt, davor steht ein Mann. Am Horizont der Himmel.

1975, nachdem sich die spanischen Kolonisatoren zurückgezogen hatten, besetzte Marokko mit seinem grünen Marsch und 300.000 MarokkanerInnen die Westsahara, den Landstrich gegenüber den Kanarischen Inseln. 1976 kamen 25.000 Sahrauis durch marokkanische Phosphor-Napalmbomben ums Leben. Überlebende flohen weiter in die Gegend von Tindouf im Süden Algeriens und bauten dort Flüchtlingslager auf. Es fanden sich nach und nach 180.000 Sahrauis ein.

Referendum geplant

Im Jahr 1991 wurde der Waffenstillstand zwischen Marokko und der Frente Polisario vereinbart, dem folgte der Friedensplan der UNO. Zentraler Bestandteil ist ein Referendum, das über die Unabhängigkeit der Westsahara entscheiden soll. Nach jahrelangen ergebnislosen Verhandlungsrunden legte James Baker, ehemaliger US-Außenminister und von der UNO beauftragter Verhandler, 2001 eine neue Variante - die des „Dritten Weges“ - vor: Zwischen endgültiger Annexion durch Marokko und der Unabhängigkeit Westsaharas ist vorgesehen, dass das Gebiet weiterhin bei Marokko bleibt. Nach einer Übergangsphase mit weitgehender Autonomie soll nach fünf Jahren die Bevölkerung über die Zukunft der Exkolonie abstimmen. Das Referendum am Ende der Autonomiephase soll drei Möglichkeiten zur Wahl stellen: die vollständige Integration der Westsahara in das marokkanische Königreich, die Unabhängigkeit oder die Weiterführung der Autonomie. Abstimmen dürfen die, deren Familien aus der Westsahara stammen und die seit 1999 ununterbrochen dort leben.

Rund 80 Staaten anerkennen die Demokratische Arabische Republik Sahara. Marokko sträubt sich gegen das Referendum, weil es einen politischen und ökonomischen Verlust befürchtet. Es müsste auf die Phosphatvorkommen und die reichen Fischbestände in seinen Südprovinzen verzichten.

Unfruchtbares Land

Unter der geografischen Trennung – mehr als die Hälfte der Sahrauis lebt in den Flüchtlingslagern in Algerien, der andere Teil im besetzten Gebiet der Westsahara – leidet die Bevölkerung, zusätzlich ist das Leben in den Flüchtlingslagern schwierig. Das Gebiet ist das unwirtlichste der Welt. Es wächst kein Baum und kein Busch. Das mangelnde Wasser macht Landwirtschaft unmöglich. Die Lager müssen mit Lebensmitteln und anderen Gütern von außen versorgt werden.

Alphabetisierung

Das Leben in den Zeltstädten wurde seit Anbeginn von Frauen maßgeblich bestimmt. Dabei galt die Gesundheitsversorgung als vorrangig. Die hohe Säuglingssterblichkeit wurde durch hygienische Vorsorge, gezielte Ernährung, Aufklärung und Bereitstellen von medizinischem Personal drastisch gesenkt. Bildung ist der zweite Pfeiler der Gesellschaft. Der Aufbau von Schulen, eine allgemeine Schulpflicht und Weiterbildung für Erwachsene haben die AnalphabetInnenrate von 95% in den 70er Jahren ins Gegenteil gekehrt. Nun können 90% der Sahrauis lesen und schreiben. Eine Anzahl der Jüngeren studiert in Algerien oder im Ausland.

Gundi Dick

Quelle: Frauensolidarität, Nummer 3, 2004

Anmerkung:

Die Österreichisch-Sahaurische Gesellschaft führt Öffentlichkeitsarbeit, Begegnungsreisen, Austauschprogramme und Ferienaufenthalte für sahaurische Kinder durch. Die Gesellschaft ist offen für Interessierte.

Informationen und Kontakt:
Nadja Hamdi
E-Mail: polisario.austria@chello.at

Polisario

Die POLISARIO, genauer die Frente Polisario (Frente Popular para la Liberación de Saguia el Hamra y Río de Oro, deutsch: Volksfront zur Befreiung von Saguia el Hamra und Río de Oro) ist eine militärische und politische Organisation in der West-Sahara.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/POLISARIO


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