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20/07/2006

Der langsame Tod des Tschad-Sees

Einer der großen Seen der Welt – der Tschad-See – den sich Nigeria, Tschad, Kamerun und Niger teilen, vertrocknet. Er ist geschrumpft auf nur mehr 20% seines ursprünglichen Umfanges, und Schuld daran haben sowohl globale Erwärmung als auch Wasserentnahme.

Der Tschad-See vom Satelliten gesehen: 1972 ein blau zu sehen, 2001 nur mehr grün oder ganz ausgetrocknet.

Das Land ist staubtrocken, doch die ersten Anzeichen für Wasser sind die zunehmend verstreut wachsenden Caltropis, fremdartig gedrehte Pflanzen mit tiefen Wurzeln - wo sie wachsen, ist Wasser meist in der Nähe. Doch es erschien gar nicht so nahe, als wir die Stadt Baga verließen.

Auf einem klapprigen Jeep mit Vierradantrieb schlingern wir von Furche zu Furche durch das ehemalige Seebett. Noch vor 30 Jahren war dieses Gebiet von Wasser bedeckt und die Stadt Baga lag am Seeufer. Jetzt liegt sie verlassen viele Meilen vom See entfernt, und das Land herum wird Wüste. Die Sahara breitet sich südwärts aus.

Um das wahre Ausmaß dieser Umweltkatastrophe rund um den Tschad-See zu ermessen, muss man vom Weltall aus auf den See blicken. Durch das unverwandte Auge des Satelliten kann man dramatischen Rückgang erkennen. Einst war er ein riesiger Inlandsee, und noch vor 40 Jahren hatte er ein Ausmaß von 38.850 Quadratkilometer. Das neueste Satellitenbild zeigt gerade noch 1.295 km². Das Überleben hier ist sehr problematisch, weil wir keine anderen Einkommensmöglichkeiten haben, sagt unser Fahrer. Wir hängen ausschließlich vom Wasser ab, und wenn es nicht genug ist, gibt es ernsthafte Schwierigkeiten.

Am Seeufer ziehen Fischer kleine schwarze Welse aus einer zylinderförmigen Reuse aus Bambus. Der Fang ist klein. Früher füllten sich etwa 30 dieser Reusen mit Fischen, erklärte Musa Niger, ein Fischer. Aber jetzt, selbst wenn ich 100 solcher Reusen auslege, füllt sich höchstens eine, denn es gibt kaum mehr Fische. Er sagte, der Tagesfang sei jetzt etwa 750 Naira wert, während er vor einigen Jahren noch bis zu 15.000 Naira am Fang eines Tages verdienen konnte.

Ursachen

Es gibt mehrere Gründe für das Verschwinden des Tschad-Sees. Die globale Erwärmung ist ein Faktor, und die Einheimischen bestätigen, dass der jährliche Niederschlag um 5 – 10 Millimeter pro Kubikzentimeter pro Jahr abnimmt. Andere Faktoren sind Bewässerung und Staudämme für Kraftwerke an den Zuflüssen zum See. „Die Versteppung bewegt sich südwärts“, sagt William Bata Ndahi, Direktor des Tschad-See-Forschungsinstitutes. „Das Wasser zieht sich mehr und mehr zurück. Wir denken, die Versteppung trägt am meisten Schuld am Sterben des Tschad-Sees.“ Er zeigte uns ein Foto eines Bootes des Institutes, das neben einer Außenstelle des Institutes vertäut ist. Inzwischen sind die Überreste des Bootes auf Grund und der See ist 97 Kilometer entfernt.

Ein ehrgeiziges Projekt

Seit 15 Jahren haben die an diesen See grenzenden Länder über Pläne diskutiert, wie man den See retten könnte. Ein fünftes Land – die Zentralafrikanische Republik – hat sich angeschlossen und die Lake Chad Basin Commission wurde gegründet. Es gibt Pläne für einen Dammbau und 97 Kilometer Kanäle, um Wasser aus dem Kongofluss bergauf in einen der Zuflüsse, den Chari-Fluss, zu pumpen, der dann den See selbst speist. Das Projekt ist sehr ehrgeizig, und es hat Jahre gedauert, um die für eine Machbarkeitsstudie erforderlichen 3,5 Pfund aufzutreiben. Allerdings hat man damit noch nicht begonnen. Ingenieur Wadil Bakar, der Direktor der Lake Chad Basin Commission, hat jedoch seine Zuversicht nicht verloren. Es wird ein gigantisches Projekt, aber wir brauchen das Endergebnis.

Die Länder suchen internationale Unterstützung und sobald die Machbarkeitsstudie fertig ist, will man um Finanzierung des Großprojektes ansuchen. Aber wird es tatsächlich soweit kommen? Warum nicht?, beharrt Ingenieur Bakar. Sicher wird es geschehen. Dieser See muss gerettet werden. Wir wissen um seinen Nutzen. Wir sehen ja, wie die Menschen leiden. All die Länder – Tschad, Niger, Kamerun und Nigeria – wir wissen, was wir verloren haben. Das Projekt wird für uns alle großen Nutzen bringen.

Ein gescheitertes Unterfangen

Aber große Projekte rund um den Tschad-See stehen unter schlechten Vorzeichen. Das letzte Mal, dass jemand ein großes Projekt unternahm, liegt 30 Jahre zurück und es war das South-Chad-Bewässerungsprojekt.

Wir besichtigen die riesige Kraftwerksanlage in New Marte, jetzt ein Museumsstück der Technologie der 70er Jahre, wo sogar die elektrischen Uhren stehen geblieben sind. Das Kraftwerk sollte Elektrizität für die Pumpen liefern, die Wasser aus dem See für die Bewässerung von 668 km² Farmland pumpen sollten.

Das Projekt war aber schon vo Anbeginn zum Scheitern verurteilt, denn bereits vor Baubeginn wich das Wasser zurück. Hunderte Kilometer von Kanälen wurden gezogen, doch die Kanäle waren nicht ausgekleidet und so versickerte das Wasser im Sand, so dass nur ein Drittel des ursprünglich geplanten Landes überhaupt bewässert wurde. Der südliche Teil des Sees entschwand, und nun sind Kanäle und Land ausgetrocknet und verwüstet. Derzeit werden nur mehr 0,5% des ursprünglichen Vorhabens, nämlich 324 Hektar, bewässert.

Die nächste Generation

Das Dorf Dugarri, Heimat für Fischer und Bauern, liegt auf einer großen Insel und die Häuser sind aus Lehm und Stroh. Dorfbewohner umringen uns und berichten, wie der Wasserspiegel in den letzten paar Jahren um etwa einen Meter gesunken ist. Das ergibt zwar mehr Land zum Bebauen, doch die Fischerei wird unmöglich. „Wenigstens habe wir etwas mehr Ackerland“, sagt ein ehemaliger Fischer. „Früher, als das Wasser hier alles bedeckte, konnten wir nichts anbauen.“ Natürlich, dort wo es genügend Wasser gibt, kann das Land sehr fruchtbar sein. Rund um das Dorf sahen wir Mais, Reis, Okra, Süßkartoffeln und Kassava. Andere Bauern beklagten das Fehlen von Düngemittel. Wenn wir könnten, wären wir lieber Fischer, sagte ein anderer Bewohner, aber außer Landwirtschaft können wir hier nichts machen.

Das Dorf schien voll von Kindern zu sein, und als wir aufbrachen, begann ich über deren Zukunft nachzudenken. Wenn weiterhin Regen ausbleibt, wenn die Temperatur ansteigt und wenn Gespräche nur Gespräche bleiben, dann werden diese Kinder wieder Kinder haben und es wird kein See mehr sein, den man retten könnte.

Ein Bericht von Andrew Bomford
BBC News vom 14.04.2006. Aus dem Englischen übertragen von Isabella Engl


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