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20/07/2006

Wasserknappheit und fehlende Energie - Brief aus Uganda

Seit einigen Wochen bin ich wieder in Uganda, besuche die verschiedenen Projekte und teile meine Zeit und mein Leben mit den Menschen hier und ihren Problemen. Die Wahlen sind ruhig verlaufen, was aber nicht bedeutet, dass Demokratie eingezogen ist. Im Gegenteil, die Muster einer Diktatur werden immer deutlicher.

Owen-Falls-Staudamm - eingescanntes Bild - das Wasser stark sprudelnd.

Von Kony und seinen Rebellen sind momentan keine nennenswerten Überfälle zu hören. Erstaunlich allerdings war, dass ihm am 2. Mai 2005 der sudanesische Vizepräsident die Summe von 20.000 US-Dollar überreichte, damit Kony Nahrungsmittel für seine Kämpfer kaufen kann und die sudanesische Zivilbevölkerung in Ruhe lässt. Bemerkenswert dabei ist, dass Kony vom Internationalen Gerichtshof wegen zahlreicher Verbrechen und Gräueltaten gesucht wird und der Haftbefehl an alle Regierungen hier übermittelt worden ist. Bilder von dem Treffen gingen durch die Medien, und die Bitterkeit der Menschen im Norden, die seinetwegen so viel erlitten haben und in desolaten Camps dahinvegetieren, ist groß.

Jetzt ist Regenzeit und fast täglich öffnen sich die Schleusen des Himmels. Wolken-Bruch lässt sich wörtlich verstehen. An den Hängen des Mount Elgon, in Sipi auf 1.950 m Höhe, kann es kühl sein, in der Ebene unten bringt der Regen Erfrischung und Zuversicht.

Die Bauern, und das sind etwa 80% der Bevölkerung, sorgen sich immer um genügend Regen für ihre Felder. Im März und April wurde gesät und die Ernte wird für Juli und August erwartet. Bisher regnete es genügend und die Sümpfe im Tesoland sind voll, dennoch bereitet eine amtlich vorausgesagte längere Trockenperiode für Ende Juli Sorgen. Niemand kann die Ernte abschätzen.

Das Problem der zu kurzen oder ausbleibenden Regenperioden erlebe ich nun schon in all den 15 Jahren, in denen ich Uganda besuche. Immer wieder gab es Ernteausfälle und Nahrungsmittelknappheit bis hin zu regionalen Hungersnöten. Schließlich sind 47% der Fläche semiaride Zonen, und der Rückgang der jährlichen Niederschlagsmenge ist wissenschaftlich erwiesen. Zwischen November 2005 und Februar 2006 war es in einigen Regionen so trocken, dass Menschen bis zu 15 Kilometer um Wasser gehen mussten.

Heuer erlebe ich eine schwierige Situation, unter der Uganda leidet, nämlich landesweite Stromabschaltungen. Häufig sitzen wir bei Kerzenlicht, denn auch Stromgeneratoren können wegen der hohen Dieselpreise nur aus wirklich wichtigen Gründen angelassen werden. Dabei waren die Aussichten auf genügend Energie vor wenigen Jahren noch so gut.

Wie auch in anderen Gegenden in Afrika, ist hier der Wasserspiegel des Victoria-Sees dramatisch gesunken. Geringere Niederschläge, lange Trockenperioden, Temperaturanstieg und Bewässerungen sind die einen Gründe dafür. Doch der erst vor vier Jahren eröffnete zweite Staudamm in Jinja ist verantwortlich für dieses dramatische Ausmaß an Wasserschwund.

Dort, wo der Nil aus dem Victoria-See austritt, errichteten die Briten schon vor mehr als einem halben Jahrhundert einen Staudamm, der allerdings den steigenden Energieanforderungen nicht mehr gerecht werden konnte. Mit Kredit von der African Development Bank und eigenen Steuergeldern wurde parallel zum alten Damm ein neuer gebaut. Das Kraftwerk ging 2002 in Betrieb und sollte eine Strommenge von 380 Megawatt liefern. Schon kurz darauf wurde das staatliche Unternehmen Uganda Electricity Board privatisiert.

Jetzt können auf Grund des Wassermangels nur mehr 135 Megawatt geliefert werden, denn der Wasserspiegel des Sees ist um drei Meter gesunken. Die Anrainerstaaten Kenia und Tansania beschuldigen Uganda der exzessiven Wasserentnahme und verlangen die Schließung des Dammes. Tansanias Fischindustrie ist vom Wasserrückgang schwer betroffen, und die meisten der noch 2002 so geschäftigen Anlegeplätze liegen nun weit entfernt vom Wasser. (...)

Wasser ist ein Grundbaustein unserer Nahrungsmittelkette, eine Grundvoraussetzung für unser Dasein überhaupt. Auf globaler Ebene erwartet man für die nahe Zukunft eine empfindliche Wasserknappheit. Laut einer Berechnung der amerikanischen Regierung wird im Jahr 2015 die Hälfte der Weltbevölkerung (mehr als drei Milliarden Menschen) unter Wassermangel leiden und über weniger Wasser verfügen, als für ein Minimum an Lebensstandard nötig ist.

Empfindlich betroffen wird auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln sein, denn die Landwirtschaft ist der Welt größter Wasserverbraucher. Berechnet man sämtliche Bausteine und Schritte in unserer Nahrungsmittelkette, so sind etwa 2.000 Liter Wasser notwendig, um genügend Nahrung für einen Menschen pro Tag zu erzeugen.

Ob kurzfristige, von rein geschäftlichen Interessen gesteuerte Maßnahmen das weltweite Wasserproblem lösen werden, ist fraglich. Mehr Dämme am Nil, wie Präsident Museveni seinen Leuten verspricht, werden neue Probleme schaffen. Zumal dieser Fluss das Überleben von 160 Millionen Menschen in den zehn Staaten garantiert, die von seinem Wasser abhängen.

In einem schon 1929 von England und Ägypten unterzeichneten Abkommen verpflichteten sich die zehn Länder, nichts zu unternehmen, das eine Reduktion des Nilwassers zur Folge hätte. Schon jetzt gibt es Spannungen, denn Tansania plant eine Trinkwasserentnahme aus dem Victoria-See, und Äthiopien möchte sein Land aus dem Nil bewässern. Kairo drohte zwar mit Gewalt, doch begannen im Jahr 2004 Verhandlungen. Ein Abkommen ist allerdings noch nicht in Sicht.

Vielleicht trägt mein Bericht dazu bei, einige der vielen Zusammenhänge bei Wasserknappheit zu erhellen und Auswirkungen aufzuzeigen. Erwähnen möchte ich aber auch die Lebenskraft, die Zuversicht der Menschen und den Humor, den sie sich trotz aller Schwierigkeiten bewahren und der so erfrischend ist!

Isabella Engl

Wüste

Sanddünen

Seit Tagen suche ich nach einer Definition für Wüste, jene Wüste, die ich vor Monaten verkosten durfte und die noch heute in mir lebt, farbiger denn je zuvor. Aber es fällt schwer, die richtigen Worte zu finden, es gelingt mir nicht, das auszudrücken, was seit jenem sonnigen Lebenstag in mir ist. Vielleicht liegt das daran, dass Wüste unbeschreiblich, nicht konkret, gewaltig ist.

Wir sitzen im schlendernden Taxi und unser Blick aus dem Fenster ist gefesselt von einem unserer Seele unbekanntem Schauspiel: Umgeben von meterhohen Sandwänden erkennen wir unseren blauen Himmel nicht mehr, das blau ist befreiend, die Palmenoase atemberaubend.

Ich steige aus, laufe dem Sand entgegen, den Sandberg hoch, ganz bis nach oben, ich tauche ein in dieses Meer unendlicher Freiheit und in mir macht sich ein unbeschreibliches leises Glücksgefühl breit: So hatte ich mir immer die Heimat des kleinen Prinzen vorgestellt.

Gaby Kiebacher


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