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03/04/2006

Gesundheit

Ein Zustand vollständigen physischen, mentalen und sozialen Wohlbefindens, nicht lediglich das Freisein von Krankheit oder Gebrechlichkeit, so definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO - World Health Organization) Gesundheit. Die Definition sagt gleichzeitig aus, dass der Zugang und die Verfügung über den höchstmöglichen Standard der Gesundheitsversorgung eine der fundamentalen Rechte jedes Menschen ist, ohne Ansehen von Rasse, Religion, Geschlecht, politischer Einstellung oder ökonomischer und sozialer Lage.

Grafik: Arm und reich.

Der eigentliche Begriff Gesundheit hat wenig mit Ärzten und Krankenhäusern zu tun. Die Grundvoraussetzungen sind gesunde Ernährung, ein angemessenes Obdach, sauberes Wasser, elementare Bildung besonders von Frauen und Zugang zu preiswerter gesundheitlicher Primärversorgung und zu Vorsorge-Angeboten, einschließlich Impfungen und Familienplanung.

Fast ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Armut, ihr Gesundheitszustand ist entsprechend schlecht. Menschen, die in armen Ländern leben, besonders in Afrika, haben die kürzeste Lebenserwartung, die höchste Säuglings-und Kindersterblichkeit, die unzureichendste Ernährung, die schlechteste Ausbildung, den geringsten Impfschutz und die höchsten Geburtenraten.

Die Gesundheitssysteme weisen weltweit wenig Übereinstimmung in ihren Heilmethoden auf: Gemeinsam ist ihnen jedoch das feste Vertrauen in das jeweilige Gesundheitswesen, Ruhe und Erholung sowie das Gefühl des Umsorgtwerdens. Die meisten Menschen haben Zugang zu westlicher Medizin, traditionelle Gesundheitssysteme sind räumlich begrenzt und weitgehend nicht dokumentiert, jedoch häufig sehr effektiv.

Todesursachen

In den reichen Ländern sterben die meisten Menschen an Herzleiden, Schlaganfall oder Krebs. In armen Ländern sind weiterhin Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache.

Arme Länder:
jährlich 38 Millionen Todesfälle

Reiche Länder:
jährlich 11 Millionen Todesfälle

Ansteigende Lebenserwartung

Verglichen mit Armut, Hunger und Krieg steht Gesundheit eher im Hintergrund. Aber die Erfolge mehren sich: Weltweit steigt die Lebenserwartung beständig an, von 1950 durchschnittlich 47 Jahre auf heute 66 Jahre. Sogar in armen Ländern ist sie im selben Zeitraum von 42 auf 63 Jahre angestiegen. Impfprogramme haben weltweit Menschenleben gerettet und die Gesundheit von Millionen Kindern verbessert. Chinas Erfolg, in nur 40 Jahren eine Gesundheitsversorgung für eine Milliarde Menschen aufgebaut zu haben, während gleichzeitig die Lebenserwartung von 41 auf heute 71 Jahre anstieg, ist ein nachahmenswertes Beispiel für andere Länder.

Die Lage der Gesundheit der Welt und mit ihr die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation, der Ausbildung und Familienplanung wird sich nur unter zwei Voraussetzungen verändern lassen: Wenn Regierungen der Gesundheit Vorrang einräumen und wenn sie ihr Hauptaugenmerk auf Prävention statt Heilung richten. Nur mit politischer Unterstützung kann die Gesundheit aller weltweit verbessert werden.

Auch Viren kennen keine Grenzen. Im Zeitalter der Globalisierung sind sie in ständigem Fluss – vergleichbar mit den Bewegungen der Kapitalströme.

Aus: International Herald Tribune, 16.03.2001

Eine „schöne neue Welt“?

Reagenzgläser

Als Aldous Huxley 1932 seine Vision einer „Schönen neuen Welt“ veröffentlichte, schockierte er damit die Leserschaft, welche in ihrem Denken noch nicht den Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft vollzogen hatte. Seine Beschreibung zukünftiger Lebewesen als biologische Automaten wurde als vorausschauende Warnung vor den Auswirkungen der Moderne verstanden.

In unseren Tagen ist Huxleys Vision schon fast Gemeinplatz geworden, der genetische Code ist entschlüsselt und die Wissenschaftler verändern beliebig die Baupläne aller möglichen Lebewesen. Eine zweite Schöpfung soll entstehen: eine künstliche Evolution nach den Maßstäben des Marktes und des Profits.

In einer Welt, in der die Ideologie des Marktes in jeder Hinsicht über die traditionellen Werte, die Heiligkeit des Lebens und den Respekt vor der Schöpfung gesiegt haben, erstaunt es nicht, dass die Fortschritte der Gentechnik eher mit Begeisterung aufgenommen werden als auf massenhaften Widerstand stoßen. Die Technisierung und Kommerzialisierung des menschlichen Körpers stellt die letzte Stufe einer 500-jährigen Entwicklung dar, in deren Verlauf unser gemeinsamer natürlicher Reichtum weltweit aufgeteilt, privatisiert und in Waren verwandelt wurde. Die Landmassen der Kontinente wurden aufgeteilt, auch die Ozeane haben wir uns angeeignet, sogar die Atmosphäre haben wir in Luftkorridore eingeteilt zur Vermarktung. Jetzt ist es der menschliche Körper, welcher zerlegt und vermarktet werden soll.

Andrew Kimbrell zeigt uns in seinem Buch „Ersatzteillager Mensch“ auf, wie jedes Organ, alle Stoffe unseres Körpers inklusive der Gene von den großen Unternehmen in Besitz genommen werden. Er zeigt aber auch auf, welch hohen Preis wir zahlen, wenn wir unseren Körper an den Meistbietenden versteigern und unsere Seele aus ihm zurückziehen. Er bezeichnet dies als die letzte Stufe der Entheiligung des modernen Menschen: die Vermarktung des Lebens selbst. Der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Jeremy Rifkin appelliert deshalb in seinem Vorwort an uns alle: Der Autor hat die Schattenseiten unserer modernen Existenz in helles Licht getaucht. Nun ist es an uns, die Dämonen zu vertreiben und uns aus den Fesseln der heraufziehenden schönen neuen Welt zu befreien.

Der schwarze Tod im Mittelalter

Doctor Schnabel von Rom - Kupferstich

Doctor Schnabel von Rom - Kupferstich von Paulus Fürst, 1656.
Zum Schutz vor Krankheiten trugen die Ärzte im Mittelalter lange Mäntel, Handschuhe, eine Kapuze mit Schutzmaske, in die häufig ein Schnabel eingebaut war. In dem Schnabel lagen wohlriechende Kräuter gegen die „pestilenzartigen Ausdünstungen“. Zur Ausrüstung gehörte auch ein Stock, damit der Erkrankte nicht direkt berührt werden mußte.

Im Jahr 1346 kam es zur ersten wirklich weltweiten Epidemie: der Pest. Vermutlich blieben nur der amerikanische Kontinent und die Antarktis vom schwarzen Tod verschont, der die Menschheit heimsuchte. Es waren keine verschwörerischen, dunklen Mächte am Werk, sondern nur das Zusammentreffen von Faktoren, wie ein bestimmter Stand der gesellschaftlichen Entwicklung, spezielle ökologische Bedingungen und das richtige Klima, und die Epidemie konnte sich wie ein Flächenbrand ungehindert ausbreiten.

Bei Epidemien hängt alles vom zeitlichen Verlauf ab. Das Pest-Bakterium Yersinia pestis hatte zweifellos schon vorher Flöhe und Nagetiere befallen und wohl auch vereinzelt Menschen. Jedoch erst um 1400 hatten sich die Menschen millionenfach über den Erdball verbreitet und ein Fünftel der Weltbevölkerung lebte bereits in Städten dicht zusammengedrängt.

Mit Gütern beladene Karawanen suchten sich ihren Weg durch Länder und Wüsten, Segelschiffe transportierten Waren von Hafen zu Hafen, von Kontinent zu Kontinent. Es war eine Ära der tiefgreifenden Veränderung: Venezianische Köche entdeckten Pfeffer und Zimt, Londoner Schneider fertigten Seidengewänder an und die chinesischen Kaiser beobachteten, wie die Chemikalien, die sie für Feuerwerke verwendeten, im Westen zu Schießpulver wurden.

Diese frühe Epoche der Globalisierung hielt Wunder und Reichtümer aus der Ferne bereit, Kulturen und Sprachen vermischten sich untereinander und mit Ideen aus fernen Ländern veränderten sich Wirtschaft, Politik und Kriegsführung. Alle diese Reisen waren stets auch von blinden Passagieren wie Bakterien und Parasiten begleitet und so forderte der schwarze Tod in der Alten Welt Millionen von Opfern in den dicht besiedelten Handelszentren.

Um der Pest Herr zu werden, wurden bereits im 14. Jahrhundert grundlegende gesundheitspolitische Maßnahmen erfunden: die Quarantäne, die Inspektion von Schiffen, Krankenstationen und Massenbegräbnisse bei Epidemien.

Und welche weltweite Epidemie haben wir heute?

HI-Virus

Seit 1981 kennt die Medizinwissenschaft das Krankheitsbild von Aids und im Jahr 2000 ist die Lage bereits so bedrohlich, dass die Weltbank die Aids-Pandemie zur obersten Priorität erklärt. Nie zuvor wurde einem Problem des öffentlichen Gesundheitswesens von der Weltbank solche Priorität zugeteilt. Aids kann folglich als moderner Weltenbrand gesehen werden, das Gegenstück zur großen Pest im Mittelalter.

Daneben wütet Malaria und Tuberkolose gerade in den Entwicklungsländern, da die Erreger zunehmend Resistenzen gegen die bisherigen Medikamente entwickelt haben und folglich nicht mehr wirksam geworden sind.

Die Tragik in der Pharmaindustrie liegt darin, dass trotz jahrelanger Forschung immer noch kein effizienter Impfstoff entwickelt wurde, weil von den Armen keine Gewinne in Sicht sind und häufig sogar falsche und viel zu kostspielige Medikamente entwickelt wurden, die nur bei gut funktionierender medizinischer Überwachung anwendbar sind. Wenn die Hochrechnungen der WHO stimmen, dann liegt die Infektionsrate bei 30% der Erwachsenen eines Landes. Das bedeutet für das Jahr 2020 unter Umständen eine halbe Milliarde Menschen mit HIV und Aids.

Christine Baumgartner

Bildquellen:

Bild 1: Der Weltgesundheitsatlas - von Judith Mackey - Dietz, 1993
Bild 2: www.grenzenlos.net/viabiona.htm
Bild 3: http://home.eplus-online.de/jmct/
Bild 4: http://de.wikipedia.org/wiki/aids


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