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03/04/2006
Nieren für Brot - Organhandel in Brasilien
Es war gestern Abend in den Hauptnachrichten schrecklich mit anzusehen, als eine Frau und Mutter von mehreren Kindern gezeigt wurde, wie sie vor der Polizei aussagte, dass sie ihr Neugeborenes für den Organhandel freigegeben habe. Die Frau weinte bitterlich und sagte, sie habe nicht mehr weitergewusst, denn sie wisse ohnedies schon nicht, wie sie die anderen Kinder ernähren könne.

Der Kommentar des Reporters, der behauptete, sie hätte das Kind verkauft, war eigentlich noch schockierender als die Aussage der Frau, denn er wusste nur zu moralisieren: Wenn man schon arm ist, dann hat es wirklich keinen Sinn, weitere Kinder zu machen, wo es doch genügend Verhütungsmittel gibt
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Was nun wirklich geschehen war, konnte man aus den Nachrichten nicht genau erfahren. Die Frau behauptete, sie habe das Kind für diesen Zweck freigegeben, jedoch kein Geld dafür angenommen. Es liegt mir auch fern, über diesen Fall zu urteilen.
Anzunehmen, dass es ausgerechnet in Brasilien, wo es soviel Korruption bis in die höchsten Stellen gibt, keinen illegalen Organhandel geben würde, wäre wohl arg naiv. Offiziell ist der Organhandel verboten. Was das Problem Armut oder - noch schärfer gesagt - Misere aus den Menschen macht, ist wohl das eigentliche Kapitel, über das nachzudenken ist.
Natürlich werden vor allem aus den großen Touristenstädten, wie Recife, Salvador, Rio und so weiter Berichte über regelrechte Verkäuferringe menschlicher Organe bekannt. Wenn ich die Problematik, mit der ich es hier zu tun habe, nämlich mit der „freiwilligen oder unfreiwilligen Versklavung“, mit der Problematik des Organhandels vergleiche oder beide Themen aus der Sicht der Armen betrachte, ist der Unterschied nicht sehr groß beziehungsweise irgendwo verständlich. Ich gehe davon aus, dass es sich in der Regel in beiden Fällen um wirklich in der Misere lebende Menschen handelt, die außerdem auch keine Chance für eine ausreichende Schulbildung haben oder hatten.
Ich kann mir trotzdem schwer vorstellen, dass selbst miserabel lebende Jugendliche nicht wissen, wenn sie einem „Gato“ folgen, das heisst einem Arbeitsvermittler, der sie Tausende von Kilometern verfrachtet, dass dies pure Ausbeutung bedeutet. Der gleiche Mensch, dem weis gemacht wird, dass er von zwei Nieren ohne weiteres auf eine verzichten kann, verspricht sich im einen wie im anderen Fall Verbesserung seines „Hundelebens“ (natürlich stört auch mich der Ausdruck „Hundeleben“).
Ich habe neulich einen Artikel über die Fleischproduktion gelesen. Dort hieß es: Es ist leider traurige Realität, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Fleisches auch dadurch erreicht wird, dass die Rinder ausgeglichen ernährt werden, per Computer gesteuerte Impfungen und Geburtenkontrolle haben, aber Menschen, die diesen Betrieben zum Erfolg helfen, in sklavenähnlichen Verhältnissen und unter aller national und international anerkannten Würde leben müssen
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Immerhin macht der brasilianische Fleischexport, der hauptsächlich nach Europa und Asien geht, weltweit 20 Prozent aus. Die menschenverachtende Front, die sich mir hier auftut, lebt nicht nur vom Organhandel, sondern von der sehr wohl kalkulierten Zerstörung menschlicher Existenz, einzig und allein des Profites wegen. Und dass dieses System mit paramilitärischen Milizen (Pistoleiros) geschützt und verteidigt wird, kann einer wohl auch erst dann glauben, wenn er gesicherten Boden verlässt und sich auf die Verteidigung der Entrechteten einlässt.
Sicher kann man Organhändler und Sklavenhalter nicht auf die gleiche Stufe stellen, aber Ausbeuter und Zerstörer menschlicher Existenz sind sie allemal beide. Die Prostitution, ebenfalls des Geldes wegen, um die Familie oder sich selbst ernähren zu können, liegt auf ähnlich zerstörerischer Ebene und muss im Tiefsten wohl nur von den Betroffenen selbst getragen werden.
Bruder Bruno Haspinger
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