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08/03/2006

Jenseits des Nichtlandes - Die Lage der Insel Nias nach Tsunami und Erdbeben

Für die Bevölkerung der Insel Nias, 160 Kilometer vor der Küste Sumatras in Indonesien, gab es das Meer nicht, es war das Nicht-Land. Doch am 26. Dezember 2004 kam das Meer auf die Insel. Am 28. März 2005 bebte die Erde 10 Minuten lang und hob die Insel 2 bis 4 Meter in die Höhe, Tausende starben.

Dann starb der Papst und alle Welt blickte nach Rom. Der Tsunami entriss der Insel mehrere Dörfer, das Erdbeben, die eigentliche Katastrophe, zerstörte 80% der Infrastruktur. Der Kapuzinerpater Barnabas Winkler überlebte schwer verletzt.

Die Strassen der Hauptstadt von Nias, Gunung Sitoli, sind immernoch ein Trümmerfeld.

Wiederaufbau - ein schwieriges Unterfangen

Vor allem der Tsunami löste eine weitere Flut aus: Geld und Helfer aus aller Welt überfluteten die Insel. Ohne eine tiefe Kenntnis der Insel und seiner Bewohner ist Wiederaufbauhilfe trotz des vielen Geldes und der vielen Helfer ein schwieriges Unterfangen. Die Städte sind immer noch nicht viel mehr als ein Trümmerfeld, die Straßen sind übel zugerichtet.

Die über 50 Organisationen hasten durch die Insel, bauen auf Druck Schulen, Krankenhäuser, Siedlungen. Die Bewohner von Nias werden überrumpelt und in die Fertighäuslein reingesteckt. Sagt mal schön 'Danke' in die Kamera, heißt es dann. Haus steht, Familie drin, und das wichtigste: Foto! Fertig, Auftrag erfüllt!

Die Nachhaltigkeit einer derartigen Wiederaufbauhilfe ist anzuzweifeln. Vielfach wissen die Bewohner nicht einmal, wie ein Klo zu benutzen ist. Es wurde ihnen oft nicht beigebracht. Bei 5 m Abstand zur nächsten Hütte ist kein Platz für den traditionellen Gemüsegarten und den Schweinestall. Wie lange Menschen in den Hütten bleiben werden, ist die große Frage.

Alex Angermaier, Caritas Österreich und Raymond Laia, Vize-Direktor der Caritas Sibolga Die lokale neugegründete Caritas Silbolga (zu der auch Nias gehört) verfolgt mit Unterstützung der Caritas aus Bozen, der Südtiroler Kapuziner, den Kapuzinern vor Ort und auch der Caritas Österreich und der Cartias Italiana einen anderen Ansatz: die künftigen Eigentümer können sich das Grundstück für den Hausbau aussuchen, sie können bei der Planung mitreden. Sie sind aber verpflichtet, beim eigenen und auch beim Bau anderer Häuser mitzuarbeiten. Auch Gemeinschaftsarbeit wird geleistet.

Ob diese Art der Wiederaufbauhilfe nachhaltiger ist, kann jetzt noch nicht gesagt werden, wir hoffen es. Aber die Insel erhebt sich erst jetzt langsam aus den Trümmern der Katastrophen.

Patrick Kofler

Dokumentarfilmer unterwegs Jenseits des Nichtlandes - Ein Film von Patrick Kofler

Kamera: Patrick Kofler, Martin Rattini
Ton: Günther Innerbner
Schnitt: Mauro Podini
Produktion: helios.bz
Auftrag: Südtiroler Kapuzinerprovinz, RAI Sender Bozen
Produziert im Haus der Solidarität
Sendetermin: 27. März, RAI Sender Bozen. Bitte Ankündigung in der Presse verfolgen!

Diashow und Reisebericht

zu den Themen:
Das Leben nach Tsunami und Erdbeben auf Nias/Indonesien und Dialog mit dem Islam

mit Martin Rattini, Günther Innerebner und Patrick Kofler

Wann: 28. März 2006 um 20.30 Uhr
Wo: Plattform HdS, Vintlerweg 22, Brixen-Milland

Sagt mal schön Danke in die Kamera ...

Kinder auf Nias


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