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01/12/2005

Was ist eine Kampagne?

Das Wort Kampagne (von französisch campagne) bezeichnete in der europäischen Geschichte einen Feldzug. Heutzutage ist eine Kampagne eine meist zeitlich begrenzte Aktion, zum Beispiel in der Werbung oder Politik (Werbekampagne, Wahlkampagne).

Logo der Konferenz zu Gen-Saaten in Frankfurt am Main: grüner Maiskolben - im Inneren eine blaue Handgranate - hellgrüner Hintergrund

Im geläufigen Gebrauch verbindet man mit einer Kampagne also die Bedeutungselemente a) zeitlich begrenzte Aktion und b) Information eines bestimmten Zielpublikums zum Zwecke einer Bewusstseins- und/oder Verhaltensänderung.

Unterschieden werden muss, ob eine solche Verhaltensänderung durch Mittel der Überzeugung oder durch Mittel der Persuasion und der Suggestion, welche nicht die bewusste und verstandesmäßige Entscheidungsfähigkeit der Menschen ansprechen, bewirkt werden soll; letzterer bedient sich die Werbung, aber vielfach auch die Wahlpropaganda.

Von öffentlicher Seite werden häufig Informationskampagnen veranstaltet, um die Bevölkerung zum Beispiel über die negativen Folgen des Rauchens oder die Wichtigkeit gesunder Ernährung und ausreichender körperlicher Betätigung und so weiter zu informieren und im besten Falle eine entsprechende Verhaltensänderung zu bewirken.

Aber auch von unten, von Bürgerseite, kann eine Kampagne ins Leben gerufen werden, zum Beispiel von einer Bürgerinitiative oder einer Interessensgemeinschaft, die mit einer bestimmten gegebenen oder sich abzeichnenden Situation nicht einverstanden ist. Hier geht es nicht in erster Linie um Information, sondern das Erreichen eines konkreten Ziels steht im Vordergrund. Erreicht werden soll das Ziel, indem durch die Verbreitung von Information ein größerer Interessenkreis gewonnen werden soll, der sich durch Briefe, Unterschriftenaktionen und ähnliches für die gemeinsamen Belange einsetzt und so erhöhten Druck auf die entsprechenden Verantwortlichen ausübt.

Solche Kampagnen können auf lokaler, regionaler, nationaler oder internationaler Ebene stattfinden. Sie sind heute ein beliebtes Mittel zur Erreichung eines bestimmten Ziels, und das zu Recht, entsprechen sie doch dem demokratischen Gedanken: Eine Veränderung wird auf Wunsch einer Mehrheit oder zumindest einer breiten Basis erreicht und nicht autoritär durchgesetzt oder mit Gewalt erzwungen.

Ein Nachteil solcher Kampagnen ist, dass das Erreichen des Ziels nicht sicher ist, sondern oft davon abhängt, wie sehr Verantwortliche auf Wünsche der Basis eingehen. Eine Kampagne bedeutet also im Normalfall viel Aufwand bei unsicherem Ausgang, ist bei erfolgreichem Ausgang aber auch ein kleiner Sieg demokratischer Umgangsformen.

Auch bekannte, global wirkende Menschenrechts-, Umweltschutz- und andere Organisationen, wie amnesty international (ai) oder Greenpeace, bedienen sich des Mittels der Kampagne. ai unterscheidet in ihrer Arbeit zwischen urgent actions, Appellfällen und Kampagnen und Aktionen. In der Hauptsache geht es dabei darum, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu informieren und gleichzeitig möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen, die in Form von Appellbriefen an Verantwortliche ihren Protest kundtun; beides soll den öffentlichen Druck so sehr erhöhen, dass Verantwortliche ihre Haltung beziehungsweise Entscheidungen ändern. Denn: Eine informierte Öffentlichkeit ist der wirksamste Schutz vor Menschenrechtsverletzungen - das ist die Devise von ai. Kampagnen und Aktionen haben dabei die längste Laufzeit.

Amina Lawal

Mit Vorsicht zu genießen sind so genannte E-Petitionen, Online-Petitionen oder Kettenbrief-Kampagnen. Die Welt per Mausklick wieder ins rechte Lot bringen? Nette Idee, aber die Wirksamkeit einer solchen Aktion sollte nicht überschätzt werden. Zu einfach ist es, so zu einer breiten Zustimmung beziehungsweise zu vielen Unterschriften zu kommen. Zu einfach ist es jedoch auch, solche Kampagnen zu manipulieren oder ein böses Spiel mit der guten Absicht von Internet-Benutzern zu treiben.

So kursieren auch im Namen von ai oft lange nach der Beendigung von Aktionen dieser Organisation noch Kettenbriefe, mit denen die Aktion angeblich unterstützt werden soll. Dies war auch der Fall bei der Aktion zur Rettung der zum Tod verurteilten Nigerianerin Amina Lawal, die gesteinigt hätte werden sollen, weil sie als Geschiedene vergewaltigt wurde, nach dem Sharia-Recht also außerehelichen Sex hatte. Lawal wurde freigesprochen, die Aktion war erfolgreich; der Erfolgsanteil der Kettenbriefe ist aber schwer abzuschätzen. Für eine ernst zu nehmende Unterschriftenaktion braucht es nämlich in aller Regel, abgesehen von einer bestimmten Anzahl von Unterschriften, verifizierbare Namen und Anschrift sowie eigenhändige Unterschrift eines jeden Bittstellers, was elektronisch eben (noch) nicht möglich ist.

Es entspricht den Gesetzmäßigkeiten des Internet, dass es zwar eine wunderbar einfache und schnelle Informationsquelle und Kommunikationsform ist, bei der es aber mehr als irgendwo sonst gilt, Spreu von Weizen zu trennen.

Im Zweifelsfall geben die offiziellen Homepages von ai Auskunft über den Stand einer Aktion und die Möglichkeit, sich sinnvoll zu beteiligen. Bei Kettenbriefen anderen Ursprungs ist dies schwieriger. Zu hinterfragen sind sie aber allemal.

So sind globale Aktionen heute zwar durchaus möglich und sinnvoll, es muss aber mehr als bei kleiner strukturierten Kampagnen auf die Seriösität der Inhalte und Mittel einer solchen geachtet werden.

Marlene Mussner

Bildquelle: www.greenpeace.de


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