Du bist hier: Startseite, Archiv, Monatsthemen, Beitrag.
06/11/2005
Manipulation der öffentlichen Meinung in den USA
Die Geographiebücher in den Vereinigten Staaten zeigen die Landkarte von Brasilien verkürzt, nämlich ohne das Amazonasgebiet. In den Schulen unterrichtet man die Kinder in dem Sinn, dass diese Gebiete internationales Territorium seien. So bereitet man die öffentliche Meinung in den USA vor, um sich mit der Zeit dieser Gebiete und der umliegenden Länder zu bemächtigen.
Zur Illustration über das Vorgehen der Vereinigten Staaten möge folgender Text aus einem Schulbuch vom 6. Jahr Volksschule dienen, in dem es (sinngemäß) heißt:
Erstes internationales Reservat des Amazonasurwaldes (Firaf)
Seit Mitte der 80er Jahre wurde das wichtigste Waldgebiet der Welt unter dem Namen Firaf der Verantwortung der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen unterstellt, und zwar wegen der Tatsache, dass das Amazonasgebiet in Südamerika liegt, einer der ärmsten Regionen der Welt und umgrenzt von verantwortungslosen, brutalen und autoritären Ländern. Dieses Gebiet war Teil von acht verschiedenen Ländern, die in der Mehrzahl beherrscht sind von Gewalt, Drogen, Unwissenheit und deren Völker primitiv und ohne Intelligenz sind.
Die Schaffung des Firaf wurde von allen Nationen des G-23 unterstützt und war wirklich eine außerordentliche Mission unseres Landes und ein Geschenk für die ganze Welt angesichts der Tatsache, dass diese so wertvollen Regionen in den Händen von so primitiven Völkern und Ländern in wenigen Jahren vollständig vernichtet und zerstört würden.
Wenn wir in Betracht ziehen, dass diese Region (des Amazonas) den größten Lebensraum unseres Planeten für die verschiedensten Arten von Tieren und Pflanzen ist, so hat dieses Gebiet einen unschätzbaren Wert, aber unser Planet darf sicher sein, dass die Vereinigten Staaten nicht erlauben werden, dass diese Länder Lateinamerikas dieses Eigentum der ganzen Menschheit ausbeuten und zerstören. Firaf ist wie ein internationales Schutzgebiet, mit strengen Regeln für eine gezielte Nutzung.
Soweit der Text des Schulbuches, so weit geht die Lügenpropaganda in den Vereinigten Staaten, wenn es gilt, ihre Macht auszuweiten und neue Gebiete zu erobern. In einer Grafik im erwähnten Schulbuch wird eine manipulierte Landkarte dargestellt:
Das Amazonasgebiet wird einseitig zum „Naturschutzgebiet“ erklärt und die daran angrenzenden Länder Südamerikas als „primitive und miserable“ Länder hingestellt. Es sind dies (in alphabetischer Reihenfolge): Bolivien, Brasilien, Französisch Guayana, Guayana, Kolumbien, Peru, Surinam und Venezuela.
Internationalisierung aus humanistischer Sicht
Um so bemerkenswerter und treffender war die Antwort, die der Erziehungsminister von Brasilien, Christovao Buarque, während einer Diskussion in einer amerikanischen Universität gab. Dort wurde er nämlich gefragt, was er über die Internationalisierung des Amazonasgebietes denke und er solle eine Antwort nicht aus der Sicht des Brasilianers, sondern aus humanistischer Sicht geben.
Buarques Antwort:
Wenn das Amazonasgebiet, aus der Sicht einer humanitären Ethik, internationalisiert werden soll, dann sollen wir auch die Erdölreserven auf der ganzen Welt internationalisieren. Das Erdöl ist nämlich so wichtig für das Wohlbefinden der Menschheit wie das Amazonasgebiet für unsere Zukunft. Trotzdem meinen die Besitzer dieser Reserven, sie hätten das Recht, die Förderung zu drosseln oder zu erweitern und die Preise nach ihrem Belieben festzusetzen.
Genauso sollte ja auch das Kapital auf dem Finanzmarkt der reichen Länder internationalisiert werden. Wenn das Amazonasgebiet Naturschutzgebiet für die Menschheit ist, so darf es nicht zerstört werden durch den Willen eines Einzelnen oder eines Landes. Die Zerstörung des Amazonasgebietes ist so schwerwiegend wie die Arbeitslosigkeit, die von globalen Spekulanten hervorgerufen wird. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Geldreserven missbraucht werden, um ganze Völker zu zerstören durch die Willkür einiger Spekulanten.
Ebenso, und eher als das Amazonasgebiet, würde ich gerne die Internationalisierung der großen Museen der Welt sehen. Der Louvre darf nicht nur Frankreich gehören. Jedes Museum ist Hüter der schönsten Stücke, die menschlicher Geist hervorgebracht hat. Man kann nicht zulassen, dass dieses kulturelle Erbe, so wie das natürliche des Amazonasgebietes, durch die Hand eines Besitzers oder eines Landes nach Gutdünken manipuliert wird. Vor nicht langer Zeit beschloss ein japanischer Millionär das Bild eines großen Meisters mit sich zu beerdigen. Gerade ein solches Bild müsste durch internationale Kontrolle geschützt werden.
Während wir hier beisammen sind, halten die Vereinigten Nationen das Forum des Millenniums, aber einige Staatsoberhäupter hatten Probleme, daran teilzunehmen, weil die Vereinigten Staaten sie nicht zulassen wollten. Deswegen glaube ich, dass New York als Sitz der Vereinigten Nationen internationalisiert werden müsste. Wenigstens Manhattan müsste der ganzen Welt gehören, genauso wie Paris, Venedig, Rom, London, Rio de Janeiro, Brasilia, Recife. Jede Stadt, mit der ihr eigenen Schönheit, ihrer Geschichte, müsste der ganzen Welt gehören.
Wenn die USA das Amazonasgebiet unter internationale Kontrolle stellen will, um es dem Risiko brasilianischer Willkür zu entziehen, dann sollten wir doch die Nuklearwaffen in den USA unter internationale Kontrolle stellen. Die USA hat ja zur Genüge gezeigt, dass sie imstande ist, diese Waffen zu gebrauchen und damit eine viel verheerendere Zerstörung anzurichten als die beklagenswerte Zerstörung des Amazonasurwaldes.
In ihren Reden haben die derzeitigen Präsidentschaftsanwärter der Vereinigten Staaten die Idee verteidigt, die Naturschutzgebiete der Welt unter internationale Kontrolle zu stellen als Bedingung eines Schuldenerlasses zugunsten dieser Länder.
Beginnen wir doch, diese Gelder zu benützen, um zu gewährleisten, dass jedes Kind auf dieser Welt die Möglichkeit hat zu essen und zur Schule zu gehen. Stellen wir doch die Kinter unter internationale Kontrolle und behandeln wir sie, unabhängig von Rasse und Nation, als ein Erbe, das den Schutz der ganzen Welt verdient. Viel mehr als es der Amazonasurwald verdient. Wenn die Mächtigen die armen Kinder dieser Welt wirklich als Erbe der Menschheit betrachten, dann werden sie nicht erlauben, dass diese Kinder arbeiten müssen anstatt zu studieren, und sterben müssen anstatt zu leben.
Als Humanist der ich bin, verteidige ich die Internationalisierung der Welt. Aber während mich die Welt als Brasilianer behandelt, setze ich mich dafür ein, dass das Amazonasgebiet unser Herrschaftsgebiet ist. Ausschließlich unseres!
Anmerkungen:
Dieser Artikel wurde dem Redakteur des Kalenders Werk des Erlösers, Pater Hubert Unterberger, von einem Sekretariat der Peruanischen Bischofskonferenz im Juli 2004 zugeschickt. Die Übersetzung aus dem Spanischen stammt vom Redakteur selber.
Herausgeber: Comboni-Missionare Milland.
Redakteur: Pater Hubert Unterberger


