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29/03/2005
Fünftes World Social Forum in Porto Alegre
Vom 26. bis 31. Jänner 2005 hat das fünfte World Social Forum in Porto Alegre stattgefunden.
Die Stadt wurde zum Symbol einer beginnenden planetaren Demokratie, in der Völker, Gewerkschaften, UmweltschützerInnen, Bauernorganisationen und Experten die Möglichkeit hatten, vier Tage lang, in kompletter Selbstverwaltung, ohne die Hilfe von Regierungen oder Multinazionalen und mit der Feindseligkeit oder Gleichgültigkeit des grössten Teils der Presse und der nazionalen Medien, die vielen Probleme in der Welt zu erörtern.

Nach der ausserordentlichen Station in Bombay (Indien) vom letzten Jahr und nach der bereits 5jährigen Erfahrung, war das diesjährige Social Forum in 11 thematische Felder aufgeteilt (Wissen und Wiederaneignung von Technologien, Diversität, Pluralität und Identitäten, Kunst und Kultur, Kommunikation, Gemeingüter als Alternative zur Privatisierung und Kontrolle durch transnationale Konzerne, soziale Kämpfe und Demokratie, Frieden und Demilitarisierung, internationale Demokratie, alternative Ökonomie, Menschenrechte, Ethik und Spiritualität...).
Neben dem Social Forum gab es noch unzählige andere Veranstaltungen: in den vorherigen Tagen wurde das erste weltweite Forum der Befreiungstheologie abgehalten. In den gleichen Tagen noch verschiedene andere Foren: der Migration, der Information, der Parlamentarier und der Richter.
Nächstes Jahr wird in Porto Alegre die Versammlung des Weltrats der Kirchen stattfinden, die die Verantwortlichen der orthodoxen und protestantischen Kirchen vereint.
Auf dem Forum 2005 sind unter dem Motto Eine andere Welt ist möglich ungefähr 250 Kampagnen in den verschiedensten Bereichen vorgestellt worden.
Am 8. März dieses Jahres startet in Sao Paolo (Südamerika-Brasilien) der Weltmarsch der Frauen (World March of Women), er führt durch 53 Länder und endet im Oktober in Burkina Faso (Afrika). Auf dieser Strecke wird die Frauenbewegung zu zahlreichen anderen Frauengruppen, Politikern und Journalisten Kontakt haben, und wird die Weltcharta der Frauen für die Menschheit, die in Kigali (Ruanda) verabschiedet wurde, vorstellen. Sie fordert Werte wie Gleichberechtigung, Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden und enthält strenge Kritiken gegenüber dem Internationalen Währungsfond und den Vereinigten Staaten.
Gesprochen wurde auch über ein weiteres wichtiges Problem, das Wasser, strategische Ressource für die Mehrheit der Dritte-Welt-Länder. Die Trinkwasservorräte der Welt gehören allen Menschen und dürfen nicht privatisiert werden. Im Forum wurde der Vorschlag gemacht, den Zugang zu Trinkwasser zum Menschenrecht zu erklären. Es war aber auch die Meinung vertreten, dass man nicht solange warten könne und zu aggressiveren Mobilisierugen schreiten müsse.
Ein anderes aufmerksam verfolgtes Thema war die Veränderung der internationalen Organismen. Momentan sind die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates, die die alle auch ein ständiges Vetorecht besitzen und noch dazu die einzigen Hersteller von Nuklearwaffen.
Niemand glaubt zum Beispiel dass das Entwicklungsprogramm der UNO, welches die Halbierung des Welthungers bis zum Jahr 2015 vorsieht, verwirklicht werden kann. Daher die Anfrage, dass die UNO eine radikale Verwandlung im demokratischen Sinne erfährt, indem den Völkern, also einer repräsentativen Versammlung, grösseres Gewicht beigemessen wird und das würde auch die Abschaffung des Sicherheitsrates bedeuten.
Hunderte Teilnehmer konnten über die Probleme diskutieren, die von der öffentlichen Verschuldung hervorgerufen werden, die von korrupten Regierenden in Mittäterschaft mit dem Internationalen Währungsfond gemacht wird.
Bauern, Vertreter von Kleinunternehmen und Kooperativen, vom Recycling bis zum fairen Handel, Vereinigungen von Verbrauchern und Erzeugern, haben während diesen Tagen Strategien entwickelt, um der ALCA (Área de Libre Comercio de las Américas) entgegenzuwirken, die Netze der Multinationalen zu demolieren, die Antworten der Bevölkerung angesichts der Privatisierung zu berichten, die Wichtigkeit der lokalen Märkte aufzuzeichnen, die Gewerkschaftsbildung und die gewerkschaftlichen Iniziativen in den Unternehmen und Bergwerken zu verstärken.
Viele Sitzungen wurden den Menschenrechten gewidmet: von denen der Frauen bis zu denen der Kinder und Jugendlichen, viele auch im familiären Bereich (wo es eine hohe Gewalttätigkeit von Seiten der Männer gibt), sowie im Arbeits- und Gesundheitsbereich.
Im Laufe dieses Forums gab es auch unzählbare kulturelle, musikalische und künstlerische Veranstaltungen. Ein Zeichen von der Kreativität der Völker, durch das hervorgehoben wurde, dass unter den Teilnehmern, die Kunst als Art und Weise gesehen wird, die Gewalt in einer Konsumgesellschaft abzubauen und eine alternative Staatsbürgerschaft aufzubauen.
Interessant waren auch die Werkstätten für Ethnomusik, Modekreationen, audiovisuelle Kunst und architektonische Planung.
Die Anwesenheit von Inàcio Lula, dem Präsidenten Brasiliens und von Ugo Chavez, dem Präsidenten von Venezuela, hat bei den internazionalen Medien grosses Interesse hervorgerufen.
Die Bilanz des Social Forums ist bis heute sehr ermutigend. Eine der wichtigsten Tageszeitungen Sao Paolos musste anerkennen, dass das Social Forum sich in die meistorganisierte „Lobby“ der Welt verwandelt hat, und zwar wegen seiner Fähigkeit, Druck auf die öffentliche Meinung und die Regierungen auszuüben. Es ist kein Zufall, dass man auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos über das Problem der verheerenden Armut diskutiert hat.
Das nächste Forum wird 2007 in Afrika stattfinden, wo wir uns alle wünschen, dass eine grundlegende Lebenshoffnung ohne Kolonisatoren und Sklaverei entstehen kann.


