Navigation und Einstellungen

Inhaltsnavigation

Aktions-Links


Suche in der Homepage

Sicher spenden

Sicher spenden - Ovales Logo mit Nummer 0114.

Säcke voller Getreide und Hülsenfrüchten ...

Du bist hier: Startseite, Archiv, Monatsthemen, Beitrag.

11/01/2005

Grameen heißt Dorf - In Bangladesch wird eine Idee geboren

Muhammad Yunus war 1974 Dekan der Wirtschaftsfakultät einer Universität im Südosten von Bangladesch. In jenem Jahr brach eine sehr große Hungersnot über das Land herein und der Flüchtlingsstrom verhungernder Menschen in die Städte wurde immer drastischer. Schließlich lagen auf den Straßen die Toten herum, und es wurden immer mehr.

Angesichts solcher Zustände fragte sich Muhammad Yunus ernsthaft, welchen Sinn seine theoretischen Vorträge über wirtschaftliche Vorgänge und Beträge von Millionen und Milliarden Dollar machten, wenn die reale Wirtschaftslage des Landes so aussah, dass die Leute zu Tausenden auf den Straßen verhungerten. Er wollte konkret etwas unternehmen und begab sich zu diesem Zweck in ein nahegelegenes Dorf, in dem ebenfalls sehr große Armut herrschte. Er wollte vor Ort herausfinden, was er für diese Leute tun konnte.

Yunus berichtet:

Ich traf dort eine Frau, die einen Bambusstuhl herstellte. Ich fragte sie, wieviel sie damit verdiene. Zuerst konnte ich es gar nicht glauben, wie arm diese Frau war, denn sie leistete wirklich gute Arbeit. Sie sagte mir, dass sie pro Tag nur einige Cents verdiente, weil sie kein eigenes Geld hatte, um Bambus zu kaufen. Sie musste sich beim Bambushändler Geld leihen. Dadurch war sie ihm ausgeliefert und musste jeden Preis akzeptieren. Praktisch war sie eine Sklavenarbeiterin. Das Bambusmaterial für eine Stuhl kostete nur 22 Cent, aber sie hatte es nicht. Ich war total geschockt. Während ich in meinen Vorlesungen von Milliarden sprach, hatte diese Frau nicht einmal ein paar Cent, um ihr Bambusmaterial zu kaufen.

Ich ging dann durch das Dorf und machte eine Liste von Leuten, die auch Geld brauchten. Auf meiner Listen standen schließlich 42 Namen. Diese 42 Leute benötigten zusammen nur 27 Dollar. Ich habe dann diese 27 Dollar den Leuten als Darlehen aus meiner eigenen Tasche geliehen. Die Menschen waren sehr glücklich darüber. Bis dahin wusste ich gar nicht, mit welch kleiner Summe man so vielen armen Menschen Glück und Wohlstand bringen kann.

Daraufhin habe ich die Bank gefragt, ob diese Menschen keine Kredite bekommen könnten. Die Bank sagte Nein. Die Armen seien nicht kreditwürdig. Ich wollte aber wissen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt. Ich habe selber Geld bei der Bank geliehen, habe mich selber als Bürge angeboten und habe es den armen Leuten weitergeliehen. Und die haben es pünktlich zurückbezahlt. So also hat alles angefangen.

Heute hat die Grameen Bank Bangladesh weit über 2 Millionen Kunden und 98% zahlen überpünktlich ihre Raten. Yunus sagt dazu: Die meisten Banken arbeiten mit einer "Geld-Apartheid«. Sie leihen den Reichen, und die Armen haben kein Recht, Geld zu bekommen. Aber wenn sie eine Chance haben, zahlen sie ehrlicher zurück als die Wohlhabenden. Yunus wird inzwischen als Mann gefeiert, der die Armut besiegt.

Öffentliche Studien zeigen, dass durch die Hilfe der Grameen-Bank 10 Prozent der Bangladeschis eine reelle Chance auf ein neues Leben erhalten haben. Ein Drittel davon hat sich inzwischen als selbständige Kleinunternehmer etabliert und ist aus der völligen Verelendung herausgekommen. Die Hilfe zur Selbsthilfe hat voll gegriffen.

Meist beträgt die erste Kreditsumme nicht mehr als 30 Dollar. Damit wird dann zum Beispiel eine Ziege erworben und die Milch verkauft. Die Kredite müssen in kleinen Raten jede Woche zurückbezahlt werden. Wenn der erste Kredit zurückgezahlt ist, folgt meist der nächstgrößere, vielleicht für ein paar mehr Ziegen.

Oft werden im Laufe der Jahre bis zu 15 Kredite aufgenommen. Und sobald es geht, wird sogar ein ganzer Hauskredit aufgenommen. Hauskredite bietet Grameen seit 1984 an und entgegen allen Unkenrufen zahlen die armen Kunden der Grameen-Bank diese Hauskredite ebenfalls komplett zurück. Ganz im Gegensatz zu den wesentlich reicheren Kunden der normalen Banken.

Ein konkretes Erfolgsbeispiel, von denen es mittlerweile Millionen gibt: Monsura Begum war bettelarm, als sie ihren ersten Kredit bekam. Ihr Mann hatte sie verlassen, als sie schwanger wurde, und so ist sie außerdem allein erziehend. Den ersten Kredit nutzte sie, um mit Öl, Seife und Lebensmitteln zu handeln.

Den Erlös daraus sparte sie über drei Jahre hinweg. Mit der zusätzlichen Hilfe weiterer Kredite kaufte sie sich nach diesen drei Jahren eine Nähmaschine. Nun hat sie sich selbständig gemacht und näht für den ganzen Ort, für den Markt und für Kleiderfabriken. Teilweise, für sehr arme Leute im Ort, auch kostenlos.

Mit dem 7. Kredit erwarb sie 1997 ein eigenes Haus und spart jetzt für die Ausbildung und ein Grundstück für ihren mittlerweile 8 Jahre alten Sohn.


Diese Seite weiterempfehlen

Orientierung