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05/02/2010

Uganda im Würgegriff von Plastik

Ein System von Mülltrennung und Recycling ist dringend notwendig, es fehlt jedoch an finanziellen Mitteln

Etwa 3000 Tonnen Plastiksäcke landen jährlich in Ugandas fruchtbarer Erde, erklärt die National Enviroment Management Authority – NEMA in einem Bericht in Ugandas Tageszeitung "New Vision" am 15. September 2009.

Ein Müllhaufen am Strassenrand von Kampala, der Hauptstadt Ugandas.

Seit einem Jahrzehnt geht nun schon die Debatte um jene schwarzen Plastiksäcke – "buveera" genannt, die einfach zum Alltag in Uganda gehören. Ihre Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen weit über den Transport des Einkaufs hinaus. Kinder basteln Fußbälle aus ihnen, Krankenschwestern verwenden sie statt steriler Handschuhe, auch als mobile Toiletten in äußerster Not können sie dienen. Erst wenn sie zu gar nichts mehr nützen, bilden sie Abfall. Doch in einem Land wie Uganda, das nur als Beispiel dienen soll, ist Abfallbewirtschaftung noch Randthema für die Politik. Weltweit stellt Plastikmüll ein enormes Problem dar.

Die Hauptstadt Kampala selbst leidet und erstickt unter Tonnen nicht entfernter Abfälle, und die Einwohner leben ständig im Gesundheitsrisiko und am Rande einer Umweltkatastrophe.
Kampalas Problem mit dem Abfall ist eine Tragödie. Den Nakivubo-Kanal verstopfen Abfälle und unzählige Plastiksäcke, Kalerwe, Nalukolongo, Bugolobi, die Märkte im Herzen der Hauptstadt sind durchsetzt vom schlimmen Geruch des Abfalls. Die Stadtverwaltung ist nicht imstande, das Müllproblem zu lösen, und jeder heftige Regenguss schwemmt übel riechenden Müll durch die Straßen.

Jene schwarzen Plastiksäcke, die "buveeras", sind nicht biologisch abbaubar, 15 bis 1000 Jahre kann ihr Zerfall dauern. Manche Menschen verbrennen ihren Haushaltsabfall, doch beim Verbrennen unter 800° Celsius setzen diese Plastiksäcke giftige Gase wie Dioxin und Furane (Fluorverbindungen) frei, die tödliche Wirkungen auf Mensch und Umwelt haben. Untersuchungen haben weiters ergeben, dass 60% des weidenden Viehs wegen jener "buveeras" in den Mägen verenden. Die größte Gefahr allerdings sind Plastiksäcke für Ackerböden und Landwirtschaft. Dort verhindern sie das Eindringen des Regens in den Boden, verstopfen so die natürliche Durchfeuchtung, sind schuld an Überschwemmungen und beeinträchtigen die Fruchtbarkeit und somit auch die Ernte.

Dabei wären die Produktion und der Import von Plastiksäcken in Uganda bereits gesetzlich verboten. Allerdings gewährt die Regierung immer wieder Ausnahmen, gibt dem Druck der Industrie nach oder verschärft den Kampf gegen die Plastiksäckchen und fährt somit einen für die Menschen verwirrenden Zick-zack-Kurs. Dabei ist die Liste jener Länder lang, die den Gebrauch von dünnen Plastiksäcken bereits untersagt haben:

Afrika: Südafrika 2003, Eritrea, Ruanda und Somalia 2005, Tansania 2006, Kenia und Uganda 2007
Asien: China 2008, ebenso Bhutan und Taiwan, Bangladesh 2002
Australien 2008 Amerika: Kalifornien fordert Recycling von Plastiktaschen
Europa: die meisten europäischen Länder heben eine Abgabe für Plastiksäcke ein, vielfach werden bereits biologisch abbaubare Plastiksäcke verwendet

Quelle: Südwind, Nummer 11/08

Zur Herstellung einer Tonne Plastik-Tragtaschen benötigt man rund elf Barrel Rohöl!

Weltweit werden jedes Jahr circa 500 bis 1.000 Milliarden "Plastiksackerln" verwendet, mehr als eine Million pro Minute oder bis zu 150 pro Mensch und Jahr.

Doch es sind nicht nur die Plastiksäcke, die Ugandas Umwelt belasten. Als man in Nakawa, einem Vorort der Hauptstadt Kampala, den Müll aus den Kanälen entfernte, kamen eine große Menge anderer Plastikabfälle zu Tage, wie Mineralwasserflaschen, Trinkhalme, Schuhe aus Plastik, Plastikmatten, Plastikblumen, Plastikteller, Kanister aus Plastik und so weiter.

Plastik hat massiv Einzug gehalten in den Alltag der Menschen. Waren früher die Frauen mit schweren Tonkrügen unterwegs um Wasser zu holen, so bedeuten die Plastikkanister jetzt weniger Gewicht beim Tragen auf dem Kopf. Plastikbecher und Plastikteller sind billiger und leichter zu reinigen, und die billigen und bunten Plastikpantoffel sind ein wahrer Renner geworden. Doch was kaputt und unbrauchbar wird, bleibt als Plastikmüll irgendwo liegen und überzieht das Land mit buntem Gift.

Dringend notwendig wäre ein System von Mülltrennung und Recycling, wie es von Umweltorganisationen in Uganda gefordert wird. Nur haben Länder wie Uganda auch die nötigen Ressourcen zum Aufbau einer soliden Abfallbewirtschaftung?

Isabella Engl, Mitarbeiterin der OEW-Rundbrief-Redaktion


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