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27/08/2004
Besuch aus Peru zum Suppensonntag in Taufers
Am Sonntag, den 29. Februar 2004 luden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Weltladens Taufers zum inzwischen zur Tradition gewordenen Suppensonntag ins Pfarrheim ein. Heimische Suppen sowie Kostenproben aus der mexikanischen Küche wurden großzügigerweise von Gasthäusern sowie von Privatpersonen zubereitet und zur Verfügung gestellt. Nicht weniger fleißig waren die zahlreichen Hausfrauen der Gemeinde, welche Tirtlan und Kuchen zubereiteten.
Wie bereits in der Einladung angekündigt, wurden die eingegangen großzügigen Spenden einem Behindertenzentrum an der Küste im Norden Perus, in La Unión - Bajo Piura (unweit von der Grenze zu Ecuador) zur Verfügung gestellt.
Das Behindertenzentrum und die dort lebenden Menschen blieben für die Veranstalter und Besucher in keinster Weise eine weit entfernte, nicht tastbare Einrichtung, sondern erwachten durch die Anwesenheit von Walter Rivas Agurto, Juan Manuel Oquelis Goicochea und Pater Juan Armando Goicochea zum Leben.
Walter ist der Begründer des Vereins Asociación de Personas con Descapacidad: Corazones unidos con Esperanza - zu deutsch: "Vereinigung von Menschen mit Behinderung: Herzen in Hoffnung vereint" in Peru und ist der Promotor des Projektes. Walter ist selbst gehbehindert. Aber das hindert ihn nicht daran, als Lehrer für Religion, Psychologie und Philosophie an der Oberschule von La Union zu arbeiten. Er hat selbst einen harten und schmerzlichen Weg hinter sich; selbstbewusst hat er um Ausbildung und Beruf kämpfen müssen.
Juan Manuel ist von Beruf Industrieingenieur und arbeitet zur Zeit als Informatikprofessor an einer höheren technischen Lehranstalt. Seit 1994 arbeitet er zusammen mit Walter im Behindertenzentrum und ist für den Bau des Zentrums und der Werkstätten sowie für die Verwaltung der Finanzen verantwortlich.
Pater Juan ist der Tauferer Bevölkerung bereits durch seinen vorangegangen Besuche bestens bekannt. Er war Schuhputzer, Busfahrer und Fischer, bevor er vor einigen Jahren zum Priester geweiht wurde. Zur Zeit betreut er als Comboni-Missionar Obdachlose, Suchtkranke und einsame Menschen in Nürnberg. Seine besondere Unterstützung erfährt das Behindertenzentrum in Peru.
Eine Behinderung zu haben bedeutet in Peru im Normalfall eine Existenz am Rande der Gesellschaft, Ausgeschlossensein vom Zusammenleben in der Gemeinschaft, keine Aussicht auf Schulbildung, Beruf und Sozialversicherung.
Die Vereinigung "corazones unidos con esperanza" - übrigens die bisher erste und einzige Einrichtung, die von Anfang an Behinderte mit einbezogen hat und auch von diesen geleitet wird - ist bestrebt, Personen mit Behinderung zu vertreten und ihre ganzheitliche Entwicklung zu fördern durch Bildung, Rehabilitierung, Arbeitsausbildung, Freizeitangebote und Einbindung in das soziale Leben.
Neben den Unterkünften und den sanitären Anlagen sind im Zentrum eine Küche, ein Versammlungsraum, ein Festsaal, zwei Aufenthaltsräume, ein Speisesaal, eine Hauskapelle, ein Kiosk und eine Schafzucht untergebracht. Eine Keramikwerkstatt, eine Tischlerei, ein Computerzentrum, ein Radiosender sowie eine Druckerei und Näherei sind geplant beziehungsweise teilweise im Bau. Sie können hoffentlich bald durch eigene finanzielle Mittel des Vereins sowie durch tatkräftige Unterstützung von Freunden und Gönnern fertiggestellt, eingerichtet und in Betrieb genommen werden.
Gemeinsam mit den vielen Menschen, die zum Suppensonntag ins Pfarrheim kamen, konnte ein kleiner Schritt dem Ziel entgegen gemacht werden.
Bereits beim Gottesdienst in der Pfarrkirche vermittelten die peruanischen Gäste erste Eindrücke vom Projekt und überbrachten vor allem Grüße und den Dank für die Einladung und die tatkräftige Unterstützung.
Während anschließend die fleißigen Helferinnen und Helfer im Pfarrheim den Ansturm von Menschen zu bewältigen versuchten und alle Hände voll zu tun hatten, die zubereiteten Köstlichkeiten zu verteilen, berichteten die peruanischen Gäste anhand von Lichtbildern vom Werdegang des Projektes und konnten zeigten, dass in den vergangenen zehn Jahren Großartiges geschaffen werden konnte. Michi, Juan und Memo ließen in mitreißender Weise südamerikanische Musik sprechen.
Die Mühe wurde von den zahlreich erschienen Menschen sehr großzügig belohnt. Neben den finanziellen Mitteln, die den peruanischen Gästen dank großzügiger Spenden der heimischen Bevölkerung überreicht werden konnten, ist die Freundschaft, die Solidarität und die Achtung zwischen Menschen zweier Kontinente wieder auf ein Neues greifbar geworden.
Weiterführende Beiträge
- Bibliothek: Kai Ferreira Schmidt: Peru, Bolivien. Das komplette Handbuch... - Reise Know-How, 2009.
- Bibliothek: Rolf Seeler: Peru und Bolivien. Indianerkulturen, Inka-Ruinen und barocke Kolonialpracht der Andenstaaten - DuMont Reiseverlag, 2009.
- Grund zum Feiern - 20 Jahre Weltladen Taufers.
- Die Rückkehr oder vom ewig Gleichen - Auf Besuch in Peru.
- Wahlbeteiligung in Peru: Pflicht oder Recht?.
- Erfahrungen aus Peru - ein Solidaritätsbesucher berichtet.
- "Lass zu, dass die Welt dich verändert" - Erfahrungen aus Peru.
- Schwerpunkt Peru - Eine gelungene Jubiläums-Suppenaktion und "Wandern für die Andern" in Tisens.


