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05/06/2009
Die Wüste ergrünt - Ein Lichtblick in der Sahelzone
Das Übergangsgebiet von der nördlichen Saharawüste bis hin zur Trockensavanne im Süden Afrikas wird Sahelzone genannt. Diese Region wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht und gilt daher als Inbegriff der Hoffnungslosigkeit, als Armenhaus der Erde, geplagt von Dürre, Elend und Hungersnöten.

Unnachgiebig brennt die Sonne auf diesen Streifen Ödland. Wer "Sahel" sagt, denkt meist an die Bilder von mageren Kindern und verendeten Kühen. Derlei Fotos brannten sich ein ins öffentliche Gedächtnis in den Dürrejahren von 1968 bis 1973, als der Regen praktisch ausblieb und die Menschen verhungerten.
Forscher glauben, dass sich die Sahara Jahr für Jahr immer weiter in den Süden ausbreitet. Außerdem warnt die UNO davor, dass dieses Gebiet am deutlichsten vom Klimawandel unserer Erde betroffen ist. Sie bezeichnet die Sahelzone als "Ground Zero des Klimawandels". Dieser aus dem Englischen stammender Begriff, der eigentlich einen Punkt auf der Erde bezeichnet, auf dem eine Bombe eingeschlagen hat, soll den Ernst der Lage verdeutlichen.
Doch nun scheint es, als könnte die Bevölkerung aus eigenen Kräften den schrecklichen Vorhersagen entgegenwirken. Als im Juni die Regenzeit wieder begann, gedieh die Hirse auf den Feldern erstaunlicherweise deutlich besser. Die Arbeiter hatten keine Gelegenheit gehabt, ihre Gao - wie die dornigen, robusten Akazien dort genannt werden - abzuhacken. Es war ein ungeplantes Experiment mit eindeutigem Ergebnis. Gaos bieten Windschutz für die Hirse, sie spenden Schatten für Vieh, man kann Äste abschneiden für Feuerholz, und in der Trockenzeit können die Ziegen und Kamele Laub fressen. Das Beispiel machte Schule und bald begannen auch Bauern in anderen Dörfern ihre Felder mit Akazien zu besetzen. An den Dürren im Sahel kann man zwar nichts ändern, aber die Bäume erhöhen die Überlebenschancen der dörflichen Bevölkerung.
Seit 20 Jahren kommt allein in Niger jedes Jahr etwa eine viertel Million Hektar Baumbestand dazu, mittlerweile ist eine Fläche ergrünt, groß wie die Niederlande. Insgesamt wachsen dort derzeit rund 20 Millionen neue Bäume heran.
Hier bekämpfen die Betroffenen ihre eigene Armut mit ihren eigenen Mitteln Die Bauern brauchen dafür keinen Mineraldünger, kein Hochleistungssaatgut, keine teuren Landmaschinen. Ein sandiger Acker, eine Hacke und etwas Mundpropaganda genügen.
Quelle: Spiegel, Nummer 17/2009. Zusammengefasst von Anke Wagner.
Anke Wagner, Praktikantin der OEW
Weiterführende Beiträge
- Guaranà oder: Ein Beispiel für Biodiversität.
- Bibliothek: Vandana Shiva: Geraubte Ernte. Biodiversität und Ernährungspolitik - Rotpunkt, 2004.
- Bibliothek: Josef H. Reichholf: Ende der Artenvielfalt? Gefährdung und Vernichtung der Biodiversität - Fischer, 2008.
- Bibliothek: Vandana Shiva: Biodiversität. Plädoyer für eine nachhaltige Entwicklung - Haupt, 2001.
- Bibliothek: Bruno Streit: Was ist Biodiversität? Erforschung, Schutz und Wert biologischer Vielfalt - Beck, 2007.
- Biodiversität.
- Countdown 2010 - Die Biodiversitätsinitiative der Weltnaturschutzorganisation IUCN.
- Kampagne vielfaltleben - Der österreichische Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.
- Biodiversität als Schlüssel vieler Entwicklungsfragen.
- Erhalt der Biodiversität ist kultureller Auftrag.
- Internationales Forschungsprojekt "Habitat Schlern".


