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15/05/2009

Hilfe geben, wo Hilfe gewünscht wird - Zusammenarbeit oew - Bolivien

Was ist eigentlich eine Projektpartnerschaft? Was zeichnet sie aus? Wann ist der Austausch nicht paternalistisch, sondern getragen von PartnerInnen, die auf Augenhöhe miteinander kommunizieren? Wie kann man eine sinnvolle nachhaltige Zusammenarbeit gestalten? Wie soll man miteinander reden, um verstanden zu werden? Seit über einem Jahr, seit dem Tod von Luzi Lintner, stellt sich die oew in der neuen Zusammenarbeit mit den verschiedenen Projekten in Bolivien vor allem diese Fragen.

Eine bolivianische Frau mit Kindern wäscht Kleider auf einem Weg neben dem Wald.

Luzi Lintner war in den bolivianischen Partnerschaften eine unverzichtbare Schlüsselperson. Sie hat Projekte initiiert, gestaltet, betreut. Menschen in ihren Bann gezogen, durch ihre Herzlichkeit besänftigt, Mut und Kraft geschenkt, war immer da, für jeden. Ihr tiefer Glaube an den Sieg des Guten im Menschen war der Sand im Getriebe und ihre feste Überzeugung, dass die Herzen der Menschen zueinander finden müssen, um reich zu werden, das Fundament der Projektpartnerschaften. La Paz, Cochabamba, Tutymayu, Santa Cruz und San Antonio sind die Orte, in denen Luzi ihre Spuren hinterlassen hat. Diese Orte zeichnen heute noch das Gesicht der oew.

Bolivien gehört zur oew wie kein anderes Land. In Form von Solidaritätsbesuchen haben über 50 Leute in den letzten sieben Jahren Bolivien besucht, sich dabei mit der Problematik eines finanziell armen Landes auseinandergesetzt, eine neue Lebenseinstellung kennen gelernt und vor allem viele wertvolle Freundschaften geknüpft. Mit voll gepacktem Koffer sind sie die Rückreise angetreten und haben diesen nach und nach in Südtirol ausgepackt. An Schulen, Ortsgruppen, Pfarreien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind die Schätze des Koffers verteilt worden.

Durch Luzi und durch die jungen EntdeckerInnen ist Bolivien in Südtirol mehr als nur der Inbegriff eines armen Landes in Lateinamerika. Es ist zu einem Partnerland geworden, in dem Menschen leben, die unsere Freunde sind, mit denen wir gemeinsam eine fairere, gerechtere Welt gestalten und diese Schritt für Schritt erbauen. Dabei stehen der persönliche Austausch und die gegenseitigen Besuche im Mittelpunkt und stellen die Höhepunkte der Zusammenarbeit dar, so der Besuch der Gruppe "Boliviamanta" im Mai 2007. Im Rahmen einer 30tägigen Tournee mit außerordentlichem Erfolg eröffnete sich für 11 bescheidene BolivianerInnen und eine Argentinierin eine neue Welt. Eine Welt, die sie bisher nur aus Erzählungen kannten, die fremd und fern war, ist ihnen nähergerückt. Luzi hat diesen Austausch ermöglicht und dadurch nicht nur die Gruppe aus Bolivien, sondern viele Menschen hier in Südtirol groß beschenkt.

Als die Fluten eines reißenden Flusses plötzlich Luzi aus unserer Mitte riss, geriet die Partnerschaft ins Wanken. Die stabile Säule, die Sicherheit derjenigen, die immer Lösungen fand und weiter wusste, war nicht mehr da. Wie sollte es weitergehen? Diese Frage stellten sich sowohl die Freunde in Bolivien als auch wir in Südtirol. Es galt eine neue Ebene der Zusammenarbeit zu finden, zu zeigen, dass das Band nicht gerissen ist, sondern die Partnerschaft nur neue Formen annehmen musste. Niemand kann Luzi ersetzen, aber in ihrem Sinne weiterarbeiten können viele. Diese Kraft aller galt es zu sammeln und neu zu kanalisieren.

Ein erster Schritt war der Bolivien-Besuch von Patrick Kofler und mir kurz nach Luzis Unfall. Unser Signal: Hinter Luzi stehen in Südtirol zahlreiche Menschen und eine Organisation, die oew, die gewillt ist, Luzis Werk weiterzuführen. Der zweite Schritt war der Aufbau von Projektgruppen, bestehend aus jenen Leuten, die einen Solidaritätsbesuch in einem der Projekte in Bolivien gemacht haben. Denn sie sind es, die mit den Menschen dort freundschaftlich verbunden sind, die die Sonnen- und die Schattenseite der Projekte kennen, die durch ihr Engagement die Partnerschaft weiterleben lassen.

Die Projekte, die von Luzi über Jahre hinweg unterstützt wurden, sind in ihrer Art sehr unterschiedlich. Sie reichen von stabilen, visionären lokalen Organisationen bis hin zu informellen Gruppen und Einzelpersonen, denen eine Hilfe neue Lebensperspektiven gab. In dieser Form könnte die oew die Unterstützung niemals weiterführen. Viel eher gilt es nun die Selbstständigkeit der Partner zu fördern und deren Ideen und Initiativen zu unterstützen.

Es wird nicht die oew sein, die in Zukunft Projekte in Bolivien startet. Eher sehen wir unsere Aufgabe darin, Ideen und Initiativen, die dort geboren werden, zu unterstützen. Wir treten nicht als Planer auf, sondern als Begleiter von Suchenden. Dort, wo Hilfe gewünscht wird, wird Hilfe gegeben. Doch vor allem besteht unsere Aufgaben darin, die Beziehungen zu pflegen, denn nur der persönliche Kontakt, der gegenseitige Respekt, die Bereitschaft, Schwierigkeiten und Missverständnisse anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu suchen, wird die Partnerschaft stärken und eine gute zukünftige Zusammenarbeit gewähren.

Silvia Pitscheider, Geschäftsführerin der oew


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