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11/12/2008

Sprachen der Erde: Arabisch - die Sprache Allahs

Ende des Jahres 2007 waren laut ASTAT 2.675 Menschen aus Marokko, 850 aus Tunesien, 206 aus Algerien, 177 aus dem Irak und 89 aus Ägypten in Südtirol ansässig. Für Syrien (18 Personen), Mauretanien (9), Jordanien (4), den Libanon (3), Eritrea (2) und den Sudan (1) liegen nur die Angaben von 2006 vor. Das sind an die viertausend Menschen aus Ländern mit arabischer Amtssprache.

Sprachskizze Arabisch

Genetische Zugehörigkeit:
Afroasiatische Sprachen
Semitische Sprachen
Arabisch
Sprecher: circa 240 Millionen Muttersprachler, circa 50 Millionen Zweitsprecher
Offizieller Status: Amtssprache in Ägypten, Algerien, Bahrain, Dschibuti, Eritrea, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Komoren, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien, Tschad, Tunesien, Vereinigte Arabische Emirate, Westsahara;
Amtssprache der Vereinten Nationen
Schrift: arabisches Alphabet
Morphologische Typologie: flektierende Sprache: Wurzelflexion
Wortstellung: Subjekt – Verb – Objekt (Koran-Arabisch: Verb - Subjekt - Objekt)

Die arabische Sprache (Eigenbezeichnung al-luga al-`arabiyya) gehört zur afroasiatischen Sprachfamilie und innerhalb dieser zum semitischen Zweig. Sie ist die weitaus größte Sprache dieser Familie; näher verwandt ist sie unter anderem mit Hebräisch, einer ebenfalls semitischen Sprache.

In ihrer Hochsprachform (Fus´ha) ist sie eine der sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen. Schätzungen gehen davon aus, dass Arabisch von 240 Millionen Menschen als Muttersprache und von weiteren 50 Millionen als Zweitsprache gesprochen wird. Als Sprache des Koran ist sie in islamischen Ländern wie dem Iran, Pakistan, Indonesien und anderen von Bedeutung. Substantielle arabisch sprechende Minderheiten gibt es außerdem in der Türkei, im Iran, in Nigeria sowie in europäischen Ländern wie Frankreich und Großbritannien.

Die arabischen Varietäten lassen sich grob einteilen in das klassische Hocharabisch, das moderne Standard-Arabisch sowie 27 dialektale Varietäten. Das klassische Hocharabisch ist insbesondere die Sprache des Koran, die sich aus dem Zentrum der arabischen Halbinsel im Zuge der islamischen Eroberungen über den ganzen Vorderen Orient verbreitete. Der Kalif Abd al-Malik erhob in den 90er Jahren des 7. Jahrhunderts diese Form des Arabischen zur offiziellen Verwaltungssprache des islamischen Reiches.

Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Sprache dann immer mehr, was an der Schrift jedoch zum Teil nicht zu erkennen ist, da man sich bemühte, die alten Regeln bei der Schreibung beizubehalten.

Das klassische Hocharabisch wird heute von niemandem mehr als Muttersprache gesprochen. Es wird allerdings auch heute noch, nur im Wortschatz verändert, als geschriebene Hochsprache benutzt, in der fast alle Bücher und Zeitungen erscheinen (außer in Tunesien, Marokko und in etwas geringerem Maße in Algerien, wo sich das Arabische diese Rolle mit dem Französischen teilt). Im wissenschaftlich-technischen Bereich wird in den anderen arabischen Ländern aus Mangel an einem spezifischen Fachwortschatz oft Englisch verwendet.

Bei offiziellen Anlässen wird diese normalerweise nur geschriebene Sprache auch mündlich gebraucht, ebenso teilweise in Fernsehen und Rundfunk. Diese Sprache wird oft auch als modernes Hocharabisch bezeichnet. Sie unterscheidet sich vom klassischen Hocharabischen vor allem im Wortschatz und - je nach Bildungsgrad der SprecherInnen - teilweise auch in der Grammatik und oft in der Aussprache.

Modernes Hocharabisch ist für alle Arabisch sprechenden Personen die Schrift- und Dachsprache; es unterscheidet sich stark von den gesprochenen Varianten des Arabischen. Ob Hocharabisch tatsächlich als moderne Standardsprache zu betrachten ist, ist jedoch umstritten. Es fehlt oft noch an einem einheitlichen Wortschatz für viele Dinge der modernen Welt sowie am Fachwortschatz für viele Bereiche der modernen Wissenschaften. Darüber hinaus ist Hocharabisch innerhalb der einzelnen arabischen Länder relativ selten ein Mittel zur mündlichen Kommunikation.

Arabische Dialekte

Die einzelnen arabischen Dialekte in den verschiedenen Ländern unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander und sind, wenn sie weit auseinander liegen (zum Beispiel Marokko – Irak) oft gegenseitig nicht oder nur schwer verständlich, vergleichbar etwa den verschiedenen deutschen Mundarten. So werden beispielsweise algerische Filme, die im dortigen Dialekt gedreht worden sind, zum Teil hocharabisch untertitelt, wenn sie in den Golfstaaten ausgestrahlt werden.

Was all diese verschiedenen Dialekte zu einer Sprache zusammenbindet, ist vor allem der Islam und speziell der Koran. Gute Kenntnisse des Hocharabischen sind unerlässlich für das Verständnis des Koran; die bloße Kenntnis eines Dialekts ist oftmals nicht ausreichend. In vielen arabischen Ländern enthalten Schul-Koranausgaben daher Erläuterungen und "Übersetzungen" klassisch-arabischer Wörter in den modernen Dialekt, um den Kindern das Verständnis zu erleichtern.

In allerneuester Zeit gewinnt das gesprochene Hocharabisch wieder an Raum. An dieser Entwicklung maßgeblich beteiligt sind dabei die panarabischen Satellitensender, zum Beispiel Al Jazeera in Katar. Dort gibt es lebendige Diskussionen von SprecherInnen aus allen Ecken der arabischen Welt, die sich bemühen, eine dem Hocharabischen nahekommende Sprache zu gebrauchen. Hocharabisch ist diese Kommunikationsebene allerdings nicht; vielmehr bewegt sich die Sprache in der "mittleren Sprache" zwischen Hocharabisch und Dialekt.

Durch die dominierende ägyptische Film- und Fernsehproduktion (unter anderem bedingt durch die Bevölkerungszahl) gilt der gesprochene Kairoer Dialekt des Arabischen in der arabischen Welt als allgemein verständlich. Gewöhnliche Filme auf Hocharabisch zu drehen ist nicht üblich, da diese Sprache eher ernsten Themen wie den Fernseh- und Rundfunknachrichten, religiösen Sendungen und Gottesdiensten vorbehalten ist.

Bis heute ist das Auswendiglernen von Texten ein wichtiger Bestandteil der islamischen Kultur. So werden Menschen sehr geachtet, die den gesamten Koran auswendig vortragen können (als Hafiz oder Hafidh bezeichnet). Dies ist ein Grund, warum Koranschulen in der muslimischen Welt (insbesondere in Pakistan) weiter einen regen Zustrom erfahren.

In vielen islamischen Ländern gibt es Bestrebungen, sich bei der Aussprache der modernen Hochsprache einem Standard zu nähern, der dem nahe kommen soll, was als Aussprachestandard für das klassische Hocharabisch gilt. Grundlage dabei ist meistens der Aussprachestandard der Rezitation des Korans, der weitgehend kodifiziert ist und in modernen Korandrucken auch durch Diakritika (Aussprache- und Betonungszeichen) wiedergegeben wird. Diese Ausspracheform genießt ein hohes Prestige, wird allerdings in der Regel nur im religiösen Kontext verwendet.

Schriftarabisch

Geschrieben wird das Arabische von rechts nach links mit dem arabischen Alphabet, das nur Konsonanten und die Langvokale A, I und U kennt. Kurzvokale werden also im Allgemeinen nicht geschrieben. Als Lern- und Lesehilfe dient ein nachträglich hinzugefügtes System mit Kennzeichen für die Kurzvokale A, I und U sowie für weitere ansonsten nicht geschriebene Laute, zum Beispiel Verdoppelungen und Endungen. Der Koran wird immer mit allen Zusatzzeichen geschrieben und gedruckt.

Grundsätzlich wäre das mit den Zusatzzeichen versehene Schriftarabisch gleichzeitig eine präzise Lautschrift; diese wird jedoch fast nur für den Koran genutzt. Bei allen anderen Texten muss man die kurzen Vokale selbst finden, was nur möglich ist, wenn man die Grundvokale jedes Wortes auswendig kennt und die grammatische Struktur vollständig analysieren kann, so dass man die richtigen Endungen einfügen kann. Aus diesem Grunde ist das Auswendiglernen langer Texte und die ständige Kontrolle einer anwesenden Lehrperson fast unumgänglich, da so gut wie niemand im Alltag Hocharabisch spricht und man es auch nicht, den Koran ausgenommen, durch Lesen selbständig lernen kann.

Die arabische Schrift ist eine Kurrentschrift (Schreibschrift), die sich im Laufe der Geschichte verschliffen hat. Als immer mehr Buchstaben formal zusammenfielen, entwickelte man ein System, diese durch Punkte über und unter den alten Konsonanten zu unterscheiden. Da die Buchstaben in einem Wort verbunden werden, gibt es bis zu vier verschieden Formen eines Buchstabens: alleinstehend, nach rechts verbunden, nach links verbunden und beidseitig verbunden.

Grammatikalische Besonderheiten

Die große Komplexität der arabischen Sprache liegt vor allem in der Vielfalt ihrer Verbformen. Es gibt eine Vielzahl von Zeitstufen. Viele Verben existieren außerdem in zahlreichen, durch Umbildung der Wurzel abgeleiteten Stämmen, die jeweils bestimmte Bedeutungsaspekte haben, wie zum Beispiel Intensivierung oder reflexive Bedeutung. Jeder Stamm besitzt bestimmte Eigenschaften, zum Beispiel ein Präfix, Verlängerung, Änderung oder Wegfall eines Vokals oder auch Verdopplung des mittleren Wurzelkonsonanten). Die Art und Reihenfolge dieser Konsonanten ändern sich hingegen innerhalb einer Wortfamilie nie.

Arabische Wörterbücher sind häufig so angelegt, dass die einzelnen Wörter nach ihren Wurzeln, also quasi ihren "Wortfamilien", geordnet sind. Daher ist es beim Erlernen des Arabischen wichtig, die Wurzelkonsonanten eines Wortes identifizieren zu können. Der überwiegende Teil der Wörter hat drei Wurzelkonsonanten, einige auch vier. Durch das Abtrennen bestimmter Vor-, Zwischen- und Endsilben erhält man die Wurzel eines Wortes. Aus der Wurzel werden dann verschiedene Wörter, ja ganze Wortfamilien gebildet. So kann man unter anderem aus den drei Radikalen K-T-B folgende Wörter und Formen bilden:

KaTaBa
er schrieb (Perfekt)
yaKTuBu
er schreibt (Imperfekt)
KiTaB
Buch
KuTuB
Bücher
KaTiB
Schreiber/Schriftsteller (Einzahl)
KuTTaB
Schreiber (Mehrzahl)
KaTaBa
Schreiber (alternative Mehrzahlform)
maKTaB
Schreibtisch, Büro
maKTaBa
Bibliothek, Buchhandlung
maKTuB
Brief

Der Wortschatz und seine Anlehnung an andere Sprachen

Der Wortschatz des Arabischen ist zwar extrem reich, aber oft nicht klar normiert und mit Bedeutungen aus der Vergangenheit überfrachtet. So gibt es zum Beispiel kein Wort, das dem europäischen Wort "Nation" relativ genau entspricht. Das dafür gebrauchte Wort (Umma) bedeutete ursprünglich und im religiösen Kontext bis heute "Gemeinschaft der Gläubigen (Muslime)"; "Nationalität" (gnsiyya) bedeutet eigentlich "Geschlechtszugehörigkeit" im Sinne von "Sippenzugehörigkeit"; "Geschlechtsleben" heißt al-hayat al-ginsiyya, wobei al-hayat "das Leben" heißt. So überlagern sich oft in einem Wort sehr alte und sehr moderne Konzepte, ohne dass das eine über das andere obsiegen würde. "Umma" zum Beispiel gewinnt wieder mehr seine alte religiöse Bedeutung zurück.

Es gibt zahlreiche alte Lehnwörter aus dem Aramäischen und Griechischen und viele neuere aus dem Englischen und Französischen, die aber oft wie Fremdkörper im Arabischen wirken. Einige Dialekte haben durch Lehnwörter aus anderen Sprachen fremde Laute übernommen, zum Beispiel die Maghreb-Dialekte den Laut v aus dem Französischen oder der irakische Dialekt den Laut p aus dem Persischen. Umgekehrt haben die europäischen Sprachen viele Wörter aus dem Arabischen entlehnt. Voraussetzung dafür war die islamische Expansion im Mittelmeerraum, Handelsbeziehungen und die Kreuzzüge.

Im besonderen Maße ist der spanische Wortschatz durch das Arabische geprägt: Zirka 10% der spanischen Wörter sind arabischen Ursprungs. Charakteristisch ist, dass die arabischen Wörter im Spanischen häufig zusammen mit dem Artikel entlehnt wurden, mit welchem sie dann zu einem Wort verschmolzen. Es handelt sich um die Wörter, die mit a-, al- beginnen. In andere europäische Sprachen wurden die arabischen Wörter hingegen zumeist ohne Artikel übernommen:

Prägung der spanischen und anderer europäischer Sprachen durch das Arabischde
Spanisch Deutsch Englisch Französisch Italienisch
azúcar Zucker sugar sucre zucchero
arroz Reis rice riz riso
algodón Baumwolle cotton coton cotone
alcohol Alkohol alcohol alcool alcol
azafrán Safran saffron safran zafferano

Im Deutschen gibt es zirka 200 Arabismen. Diese wurden im Gegensatz zum Spanischen meist nicht direkt entlehnt, sondern über Vermittlersprachen, wie Latein, Französisch und Italienisch. Viele wissenschaftliche Ausdrücke, besonders Begriffe aus der Mathematik, Alchimie, Medizin und Arzneimittellehre, wurden über das Mittellateinische entlehnt. Im Mittelalter erlebten diese Wissenschaften in der arabischsprachigen Welt eine Blütezeit; wichtige wissenschaftliche Werke wurden über das Lateinische in die europäischen Volkssprachen übersetzt. Handelsbegriffe wurden hingegen vor allem über das Italienische und das Französische vermittelt.

Marlene Mussner


Marlene Mussner: wissenschaftliche Mitarbeiterin in Ausbildung am Institut für Sprachwissenschaften der Uni Innsbruck, Mitarbeiterin der oew-Rundbrief-Redaktion


Anmerkung: Die westeuropäische Kodierung unserer Homepage ermöglicht uns keine korrekte Wiedergabe der arabischen Zeichen. Für eine ausführliche Beschreibung der Sprache und vollständige Darstellung der Sonderzeichen verweisen wir auf Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Sprache

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