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30/09/2008

Sprachen der Erde: Albanisch (Shqip)

Südtirols vierte Muttersprache

In Südtirol waren laut Istat Ende 2006 4.019 Menschen aus Albanien ansässig. Albanisch sprechen außerdem unter Umständen auch EinwandererInnen aus dem Kosovo, aus Mazedonien und dem Montenegro. Damit ist Albanisch die am meisten gesprochene Muttersprache in Südtirol nach den drei offiziellen Amtssprachen Deutsch, Italienisch und Ladinisch. Grund genug, sich mit dieser Sprache zu beschäftigen.

Sprachskizze Albanisch (Shqip)

Genetische Zugehörigkeit: Indoeuropäische Sprachen
Sprecher: ca. 7,5 Millionen
Offizieller Status: Albanien; Kosovo, Serbien; Mazedonien (regional); Montenegro (regional); außerdem alteingesessene Sprachminderheiten in Süditalien und Griechenland
Schrift: lateinische Schrift
Morphologische Typologie: flektierende Sprache
Wortstellung: meist Subjekt-Verb-Objekt

Die albanische Sprache wird in Albanien, mehrheitlich im Kosovo, in einigen weiteren Teilen Serbiens und Montenegros und in Mazedonien gesprochen. Auch in Süditalien, wo sie als Arbëresh bezeichnet werden (circa 100.000 Sprecher), und in Griechenland, wo sie als Arvaniten bezeichnet werden, gibt es alteingesessene albanischsprachige Minderheiten.

Insgesamt sprechen weltweit circa 7,5 Millionen Menschen albanisch, davon circa 3,4 Millionen in Albanien selbst, circa 2,5 Millionen in den übrigen Balkanländern und mehr als eine Million EmigrantInnen in aller Welt.

Die Eigenbezeichnung lautet Shqip, "Albanisch" beziehungsweise Gjuha Shqipe "albanische Sprache". Es existieren zwei verschiedene Dialektgruppen: das Gegische und das Toskische.

Das Albanische bildet einen eigenständigen Zweig innerhalb der indoeuropäischen Sprachfamilie. Ebenso wenig wie Griechisch hat es direkte Verwandte, wie es zum Beispiel Italienisch und Französisch sind. Die gemeinsamen indoeuropäischen Wurzeln erkennt man zum Teil noch an den Zahlwörtern: 1 = një, 2 = dy, 3 = tre/tri, 4 = katër, 5 = pesë, 6 = gjashtë, 7 = shtatë, 8 = tetë, 9 = nëntë, 10 = dhjetë.

Der Wortschatz enthält überaus viele Lehnwörter aus dem Lateinischen. Später kamen zahlreiche Wörter aus dem Bulgarischen, Griechischen, Italienischen und dem Türkischen hinzu. Einige wenige Wörter wurden auch aus dem Deutschen übernommen. Einige Beispiele: shllak = Schlag (Schlagsahne) (Kosovo), shnicel = Schnitzel (Kosovo), mantel = Mantel, blic = Blitz (beim Fotoapparat), puç = Putsch.

Geschichtliches

Die albanische Sprache entstand im Lauf des Mittelalters auf dem heutigen albanischen Siedlungsgebiet. Viele Sprachwissenschaftler meinen, dass das Albanische sich aus der Sprache der alten Illyrer entwickelt hat, die in der Antike den westlichen Balkan bevölkert haben; gesichert ist das jedoch nicht.

Erst nach 1870 wurden die ersten Zeitungen und Zeitschriften in albanischer Sprache gegründet. Zu dieser Zeit wurde das Albanische je nach konfessioneller Zugehörigkeit entweder in lateinischer oder in griechischer Schrift, seltener auch mit arabischen Buchstaben geschrieben.

Auf einer Konferenz im Jahre 1908 einigte man sich darauf, dass die albanische Sprache fortan ausschließlich in lateinischer Schrift geschrieben werden sollte. Zugelassen wurden die zwei Sonderzeichen ç und ë; dies waren die beiden Zeichen, die schon damals auf der französischen Schreibmaschinentastatur zu finden waren. Weitere Laute, die nicht durch das traditionelle lateinische Alphabet wiedergegeben werden können, werden durch die Buchstabenkombinationen dh, gj, ll, nj, rr, sh, th, xh und zh ausgedrückt. Sie gelten als untrennbare Einheiten und werden zum Beispiel in albanischen Wörterbüchern wie eigene Buchstaben behandelt.

Albanisch als Teil des Balkan-Sprachenbundes

Das Albanische gehört zum sogenannten Balkan-Sprachenbund. Dazu gehören auch Rumänisch sowie die slawischen Sprachen Bulgarisch und Mazedonisch; teilweise auch das Neugriechische. Dieser Sprachenbund ist geographisch definiert: Aufgrund der Nachbarschaft haben diese Sprachen gemeinsame Merkmale entwickelt, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind. Ein Merkmal ist zum Beispiel, dass der bestimmte Artikel an das Wortende angehängt wird. So sagt man një dollap, ein Schrank, aber dollapi, der Schrank. Ein anderes Merkmal ist die Abwesenheit des Infinitivs beim Verb; im Wörterbuch werden Verben in der ersten oder dritten Person angegeben: zum Beispiel für lernen: mësoj, ich lerne oder mëson‚ er/sie/es lernt.

Überhaupt zeichnet sich das albanische Verb, wie die albanische Sprache im Allgemeinen, durch eine große Formenvielfalt aus. So gibt es über 50 (!) Konjugationstypen, also Möglichkeiten, ein und dasselbe Verb abzuwandeln. So gibt es zum Beispiel einen "Admirativ", das heißt die Möglichkeit, seine Verwunderung durch eine bestimmte Form des Verbs zum Ausdruck zu bringen. Beispiel: Bie shi = Es regnet (Nichtadmirativ); Rënka shi = Es regnet ja! (Admirativ).

Seit einigen Jahren gibt es in Südtirol vereinzelt Albanischkurse für albanische Kinder. Diese werden auf Anfrage der Eltern vom Panalbanischen Verein Arbëria Bozen in Zusammenarbeit mit dem Bildungsinstitut CLS durchgeführt. So fanden bisher Kurse in Leifers, Branzoll, Lana und Latsch statt.

Sprachbeispiele
Deutsch Albanisch Aussprachehilfe
Guten Morgen! Mirëmëngjes! etwa: mirmöndschäs
Guten Tag! Mirëdita! (bei der Begrüßung), Ditën e mirë (zur Verabschiedung) etwa: mirdita / ditene mir
Guten Abend! Mirëmbrëma! etwa: mirömbröma
Gute Nacht! Natën e mirë! etwa: natön e mirö
Auf Wiedersehen! Mirupafshim! etwa: mir upáfschim
Wie geht es dir (Ihnen)? Si je(ni)? wie Schreibung
Wie heißt du (heißen Sie)? Si e ke(ni) emrin? wie Schreibung
Woher kommst du (kommen Sie)? Nga je(ni)? wie Schreibung
ja po wie Schreibung
nein jo wie Schreibung
danke faleminderit etwa: falemindérit
bitte / keine Ursache Ju (të) lutem / s'ka përse etwa: ju (tö) lutem / ska pörse
Entschuldigung! Më fal! (wenn man sich duzt) / Më falni! (Höflichkeitsform) etwa: mö fal / mö falni

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Albanische_Sprache

Marlene Mussner


Marlene Mussner: wissenschaftliche Mitarbeiterin in Ausbildung am Institut für Sprachwissenschaften der Uni Innsbruck, Mitarbeiterin der oew-Rundbrief-Redaktion



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