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17/02/2008

Sprachen der Erde: Urdu / Hindi

Die Muttersprache der neuen Südtiroler aus Pakistan und Indien

In Südtirol waren laut Istat (Istituto Nazionale di Statistica) Ende 2006 1.808 Menschen aus Pakistan und 556 Menschen aus Indien ansässig. Daher wollen wir uns anschauen, welche Sprache sie sprechen - auch wenn wir über ihre Muttersprache wenig aussagen können, wie sich gleich zeigen wird.

Plakat eines Bollywood-Films: ein Mann (Vordergrund) und zwei Frauengesichter (Hintergrund).

Sprachskizze Urdu/Hindi

Genetische Zugehörigkeit:
Indoeuropäische Sprachen
Indoiranische Sprachen
Indoarische Sprachen
Urdu/Hindi

Sprecher:
Urdu: 58 Millionen Muttersprachler, insgesamt 150 - 200 Millionen;
Hindi: geschätzte 370 Millionen Muttersprachler, insgesamt über 500 Millionen; meistgesprochene Sprache nach Chinesisch und Englisch

Offizieller Status:
Urdu: Amtssprache in Pakistan sowie in einigen Bundesstaaten Indiens
Hindi: Amtssprache in Indien

Schrift:
Urdu: Nastaliq, eine Adaptierung der persischen Schrift, die ihrerseits eine Adaptierung der arabischen Schrift ist
Hindi: Devanagari

Morphologische Typologie:
flektierende Sprachen

Wortstellung:
Subjet - Objekt - Verb, aber relativ frei

Anmerkung:
Urdu und Hindi sind gegenseitig verständlich und sind je nach Gesichtspunkt zwei Sprachen oder zwei Standardvarianten einer Sprache (Hindustani)

Urdu ist neben Englisch offizielle Amtssprache in Pakistan. Allerdings spricht nur eine Minderheit der pakistanischen Bevölkerung diese Sprache als Muttersprache, und zwar circa zehn von insgesamt 168 Millionen; der Rest spricht Urdu als Zweitsprache. Da aber Urdu die überregionale Verkehrs- und Bildungssprache ist, nimmt sie an Sprechern und Bedeutung stetig zu.

Hindi hat weitaus mehr Muttersprachler, doch sind genaue Zahlen schwierig: Je nach Definition sind es 200 bis 370 Millionen Muttersprachler. Nimmt man die Zweitsprachler hinzu, so wird Hindi von über 500 Millionen Menschen gesprochen. Auch diese Zahl nimmt ständig zu, was den Plänen der indischen Regierung entspricht, Hindi zu einer wirklichen Nationalsprache auszudehnen (Hindi ist neben Englisch die offizielle Nationalsprache Indiens, daneben gibt es 21 regional anerkannte Amtssprachen).

Urdu und Hindi sind historisch betrachtet nur Soziolekte – das heißt sozial bedingte Varianten - ein und derselben Sprache, des Hindustani, das sich in Nordindien seit dem 13. Jahrhundert in einem Jahrhunderte dauernden Prozess aus Elementen einheimischer Sprachen sowie der persischen, zum Teil auch arabischen und türkischen Sprache entwickelt hat.

Seit dem 19. Jahrhundert setzte ein weiterer Differenzierungsprozess ein, in dessen Verlauf die von der gesellschaftlichen Elite der Hindubevölkerung gebrauchte Variante Hindi immer häufiger auf Sanskritvokabeln zurückgriff, während die von der muslimischen Bevölkerung gebrauchte Variante, das Urdu, das persisch-arabisch-türkische Element beibehielt beziehungsweise noch weiter ausbaute.

In Folge der staatlichen Teilung von Britisch-Indien in Indien und Pakistan 1947 setzte sich diese Differenzierung in verstärkter Form fort, so dass Urdu und Hindi aus synchroner, soziopolitischer Sicht als unabhängige Sprachen anzusehen sind. Dennoch verursachen diese Unterschiede noch heute bei Unterhaltungen des täglichen Lebens keine bedeutsamen Verständigungsprobleme, nicht zuletzt deshalb, weil auch Hindisprecher im Alltagsgebrauch häufig Wörter persischen oder arabischen Ursprungs den aus dem Sanskrit übernommenen Neologismen vorziehen.

Traditionell gilt Urdu als die "gehobenere" der beiden Sprachen und wird auch als „Sprache der Dichtkunst“ bezeichnet. Linguistisch betrachtet stellen Urdu und Hindi also nur zwei Varianten einer Sprache dar (in etwa so, wie es ein bundesdeutsches, ein österreichisches und ein schweizerisches Deutsch gibt). Dabei bezeichnen generell muslimische Sprecher ihre Sprache als Urdu und Hindus ihre Sprache als Hindi.

Urdu wird von rechts nach links geschrieben. Die Schrift mit dem Namen Nastaliq ist eine Adaptierung des persischen Alphabets, welches seinerseits eine Adaptierung des arabischen Alphabets ist. Diese Variante ist besonders schwer als Font für den Satz oder die Computerdarstellung zu fassen. Zum Beispiel benötigte Monotypes Nastaliq Font für den Fotosatz 20.000 verschiedene Glyphen (graphische Einheit in der Typographie, also Buchstaben oder Zeichen). Aus diesem Grunde wurden Zeitungen auf Urdu bis Ende der Achtziger Jahre von Kalligraphen handgeschrieben.

Hindi wird hingegen in Devanagari und von links nach rechts geschrieben.
In Urdu gelten oft Wörter mit älterer Herkunft als alltagssprachlich, während Wörter aus dem Persischen, welche später entlehnt wurden, als formeller oder poetischer gelten.

Nationalisten auf beiden Seiten behaupten, es seien seit jeher zwei getrennte Sprachen gewesen. Es gibt jedoch auch Kräfte, die nach Vereinheitlichung der beiden Sprachen streben. So werden zum Beispiel die in Bollywood produzierten Filme in einer möglichst „neutralen“ Sprache gehalten, so dass sie sowohl für Urdu- als auch für Hindi-Sprecher verständlich sind. Das heißt, man versucht, persische Lehnwörter auf der einen sowie Wörter aus dem Sanskrit auf der anderen Seite zu vermeiden, um so ein möglichst breites Publikum zu erreichen.

Das Wort Urdu selbst ist mit unserem Wort Horde verwandt. Der Name für die Sprache leitet sich vom türkischen Wort ordu ab, welches „Heer, Lager“ bedeutete; Urdu wurde nämlich in Kriegslagern gesprochen. Die Bezeichnung für die Sprache Hindi stammt aus dem Persischen; dort bedeutete Hindi zunächst „indisch“, und die Moslems in Nordindien bezogen sich damit auf alle indischen Sprachen.

Urdu/Hindi gehören zum indoarischen Zweig der indoiranischen Sprachen, welche zu den indoeuropäischen Sprachen zählen; das heißt, auch Urdu und Hindi sind genetisch mit den europäischen Sprachen verwandt.
Neben Urdu und Hindi, die fast identisch sind, zählen auch Bengali und einige weitere indische Regionalsprachen sowie das klassische Sanskrit zu den indoarischen Sprachen.

Einer der markantesten Unterschiede zu den europäischen Sprachen ist die Wortstellung in Urdu/Hindi: Die normale Position im Satz ist dort: Subjekt – Objekt – Verb, also zum Beispiel: Der Hund den Knochen frisst; diese kann jedoch recht frei verändert werden.

Urdu wird von erheblichen Bevölkerungsteilen gesprochen in: Indien (48 Millionen), Pakistan (10 Millionen), Bangladesh (650.000), Vereinigte Arabische Emirate (600.000), Großbritannien (400.000), Saudi-Arabien (382.000), Nepal (375.000), USA (350.000), Südafrika (170.000), Oman (90.000), Kanada (81.000), Katar (70.000).

Hindi wird von erheblichen Bevölkerungsteilen gesprochen in: Indien, Nepal, Fiji, Philippinen, Thailand, Großbritannien, USA, Kanada, Vereinigte Arabische Emirate, Surinam, Guyana, Trinidad & Tobago, Mauritius.

Mehr zu den Sprachen Urdu/Hindi:
http://de.wikipedia.org/wiki/Urdu
http://de.wikipedia.org/wiki/Hindi

Marlene Mussner


Marlene Mussner: wissenschaftliche Mitarbeiterin in Ausbildung am Institut für Sprachwissenschaften der Uni Innsbruck, Mitarbeiterin der oew-Rundbrief-Redaktion.



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